Die perfekte Einstellung – oder roll it like Donnie Darko.
Gestern sprach ich vom “Rollen” des Filmbilds mittels einer Steadicam. Wolfgang hat mich nun darauf aufmerksam gemacht, dass sich der eine oder andere Leser darunter vermutlich recht wenig vorstellen kann. Tatsächlich handelt es sich hierbei auch um eine Kamerabewegung, die oft in der einschlägigen Literatur vernachlässigt wird. Als ich nach “Kamerabewegungen” gegoogelt habe, bin ich auf jeden Fall erst auf der vierten oder fünften Seite zu dem Thema fündig geworden. Daher dachte ich mir ich erkläre das Rollen noch mal anhand einer kleinen Einstellung aus Donnie Darko. Eine Einstellung die ich als eine der genialsten der Filmgeschichte bezeichnen würde. Nicht weil sie technisch oder ästhetisch revolutionär gewesen wäre, sondern schlicht und einfach weil sie die surreale Grundstimmung des Films mittels einer simplen, aber absolut treffenden Mischung aus Komposition, Ton, Brennweite, Kamerabewegung und Zeitlupe perfekt auf den Punkt bringt. In dieser einen Einstellung steckt sozusagen der ganze Film (etwas überspitzt gesagt).
Es handelt sich um die erste Einstellung in diesem Clip:
Die Kamera liegt auf der Seite und dreht sich dann in den “korrekten” Blickwinkel während sie leicht zur Seite und nach hinten gleitet. Dieses “Drehen” der Kamera ist das Rollen von dem ich sprach. So einfach ist das. Der Einsatz eines Weitwinkelobjektivs, das Geräusch der Glocken (und die darauf folgende Musik) und die Zeitlupe sind dann nur noch das I-Tüpfelchen auf dem Sahneberg…oder so ähnlich
Filmhass hat husten und die “Steadicam” für TiK steht…
So langsam nervt mich WordPress ein wenig. In den letzten Tagen kam es gehäuft zum Auftreten der berüchtigten “weißen Seite des Todes“, und das obwohl ich nichts am System geändert hatte. Als ich heute dann das Upgrade auf WordPress 3.01 durchgeführt hatte, ging stellenweise gar nichts mehr. WordPress 3.x scheint ein Speicherfresser wie er im Buche steht zu sein…gut, nachdem ich nun auch das letzte nicht wirklich benötigte Plugin über Bord geschmissen habe und die Sprachdatei gepatcht habe scheint der Blog wieder einigermaßen stabil zu laufen. Sorry, falls ihr hin und wieder doch vor einer weißen Wand stehen solltet, wenn ihr Filmhass besucht. Ich werde versuchen eine dauerhafte Lösung für dieses Problem zu finden.
Aber immerhin gibt es auch etwas Erfreuliches zu berichten. Vor ein paar Tagen bloggte ich, dass ich für TiK gerne exzessiven angemessenen Gebrauch von der Steadicam-Technologie machen würde, um das ziellose umhergleiten der Hauptfigur zu unterstreichen. Glücklicherweise habe ich bereits ein kleines Glidecam System auftreiben können und nachdem ich es jetzt zwei Tage lang getestet habe, bin ich schlichtweg begeistert. Es handelt sich um meine erste Begegnung mit einem Schwebestativ und die “Testfahrten” erinnern teilweise noch an das Flugverhalten einer besoffenen Mücke – ein richtiger Steadicam Operator braucht wohl mehrere Jahre um die Technologie zu meistern – aber alles in allem bin ich ziemlich baff, was sich bereits als ungeübter Nutzer aus diesen Dingern herausholen lässt. Mit intensivem Training sollte sich da bis Drehbeginn noch einiges machen lassen. Mir schweben nun auch keineswegs mehr nur noch einfache Fahrten vor. Beim experimentieren ist mir nämlich aufgefallen, dass man mit der Glidecam das Bild auch großartig “rollen” kann, was einen sehr coolen surrealen Eindruck hinterlässt. Ein Effekt den ich eigentlich komplett am Rechner entstehen lassen wollte…
TiK: Equipment, Technik und Equipment…
Ich hatte ein paar Leuten versprochen etwas zu Inception zu schreiben, aber ich fürchte das wird noch eine Weile auf sich warten lassen müssen (wenn ich überhaupt die Muse dafür finde). Ich bin zurzeit zu sehr durch TiK und einige andere Arbeiten eingespannt. Aktuell zerbreche ich mir den Kopf über’s Equipment für den Dreh zu TiK und dessen letztendlichen “LooK”.
Gedreht wird auf einem Spiegelreflexsystem – soviel steht fest – und diese Systeme haben einfach etwas schizophrenes: Auf der einen Seite steht einem was die ästhetische Gestaltung anbetrifft der Himmel offen: freie Wahl der Brennweite, ungalubliche Lichtempfindlichkeit, Sensoren die in ihrer Größe an 35mm Film und die damit verbundenen Vorteile heranreichen, kinotaugliche Auflösung, usw…auf der anderen Seite kriegt man in der Nachbearbeitung sofort die Flügel gestutzt, weil das Material nur komprimiert aus der Cam kommt. Wer auf extremere Farbkorrekturen steht und die Aufnahme nicht perfekt darauf abgestimmt hat, wird umgehend mit Bildfehlern bestraft (von den ohnehin bestehenden Problemchen wie Moire, Rolling Shutter, Banding etc. ganz zu schweigen).
Die nächsten Wochen werden also aus 1. Testaufnahmen 2. Testaufnahmen und 3. Aufnahmen zu Testzwecken bestehen…
Abgesehen davon sieht der Plan im Moment folgendes vor: um den zeitlich sehr engen Drehplan einhalten zu können werden nur Szenen die in Innenräumen spielen aufwändig ausgeleuchtet. Bei Außenaufnahmen wird in erster Linie auf natürliches Licht und Reflektoren gesetzt. Der Rest “passiert” in der Nachbearbeitung (also so ähnlich wie ich es auch bei den Stylebook Clips gehalten habe). Das spart eine Menge Zeit und ermöglicht es flexibler auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren (und die gibt es immer). Da die Hauptfigur der Serie ab einem gewissen Punkt mehr oder weniger durch die Handlung treibt, wie ein Blatt im Wind, bin ich außerdem ein wenig von der Idee besessen, dass große Teile der Serie von Steadicamfahrten durchzogen sein sollten…aber inwieweit das sinnvoll umsetzbar ist, muss ich erst noch einmal eingehender überprüfen.
Je nachdem wie erfolgreich die Tests verlaufen und wie viel Zeit ich dann noch zur Verfügung habe, werde ich einen kleinen abschließenden Clip drehen, um euch schon etwas den Look der Serie einzustimmen… ;D
TiK: Kleines Update – 23.07.2010
Okay, TiK hat jetzt eigene Homepage. Meine Wunschdomain habe ich leider nicht bekommen, aber wer rechnet auch damit, dass eine Abkürzung wie TiK wahnsinnig begehrt ist (Tabakwaren im Kaufhaus..wtf?!). Stattdessen habe ich nun gezwungenermaßen den recht eindeutigen kompletten Namen der Serie registriert.
Ist mir eigentlich zu marktschreierisch für eine Internetadresse, aber was solls…jetzt wisst ihr zumindest wofür TiK in erster Linie steht.
Zu sehen gibt es dort allerdings – außer einer provisorischen Page mit Platzhaltergrafik – noch nichts. Die eigentlich Seite wird erst im Laufe der nächsten Wochen online gehen.
Steve Jobs ist Batman!
Ich fand es schon immer ganz amüsant, wenn sich völlig übertriebene Filmideen auf die Realität übertragen. Eine der seltsamsten Ideen der letzten Jahre ist meiner Meinung nach in “The Dark Knight” zu finden. Bruce Wayne alias Batman entwickelt eine Technologie, die alle Handys in Gotham City zu Umgebungsscannern umfunktioniert, um auf diese Weise eine fast allumfassende Überwachung der Stadt zu gewährleisten. Eine Technologie die der Film zu Recht als zu mächtig brandmarkt, als das sie in den Händen eines einzelnen liegen dürfte (d.h. im Prinzip sollte nichts und niemand darüber verfügen).
Nun bin ich heute auf Spiegel.de über einen Artikel gestolpert, indem es darum geht, dass Apple ohne das Wissen seiner Kunden IPhones als Umgebungsscanner einsetzt (allerdings werden nur Sendemasten und W-Lan Hotspots angepeilt). Faszinierend und irgendwie auch beängstigend…ob Apple Boss Steve Jobs sich des Nächtens auch ab und zu ein Cape umwirft und böse Jungs verprügelt?
Eclipse – oder haben Twilight Fans schon mal einen guten Vampirfilm gesehen?
Ich habe kein Problem mit dem Twilight Franchise. Ich bin mir sogar sicher, dass die Bücher ihre Daseinsberechtigung haben. Gut möglich das sie sogar literarische Meisterwerke sind, die der weiblichen Seele all das geben und abverlangen, was es braucht um etwas Harmonie und Glück zu erzeugen. Wer weiß? Ich habe sie nicht gelesen. Im Endeffekt ist es mir auch schlichtweg gleich, ob ihr euch abends mit Harry Potter in die Kiste legt oder von glitzernden Sex And The City Vampiren träumt. Jedem das seine. Was ich allerdings nicht abhaben kann, ist das sinnentleerte, grundlose Hypen von höchstens mittelmäßigen Filmen. Und seien wir ehrlich, die Twilight Filme haben die Hysterie, die um sie herum entstanden ist, bisher nicht ansatzweise rechtfertigen können.
Der erste Teil war okay. Als Teeny Liebesfilm absolut akzeptabel, wenn auch nicht mehr als ein Abziehbild klischeehafter, pubertärer Liebesvorstellungen. Dass der Film auf der Action- und Effektebene versagte ist dabei bedeutungslos. Schließlich handelt es sich hierbei um Aspekte filmischen Schaffens die dem Großteil der Zielgruppe wohl mit ziemlicher Sicherheit am Allerwertesten vorbei gehen. Ich würde dem Film daher guten Gewissens eine 5 von 10 geben. Der zweite Teil war hingegen, wie es bei Fortsetzungen meist der Fall ist, so etwas wie der hässliche Bruder. Die Lovestory – damit meine ich das kastrierte Etwas, dass die Handlung des ersten Teils fortsetzen sollte – wird noch infantiler und überzeugt einfach gar nicht mehr. In Grauen versetzt wird der Zuschauer nur durch noch schlechtere Effekte und Actionsequenzen als man sie aus dem ersten Teil kannte. Und hier ist das von Bedeutung, da das Augenmerk von den Machern bekanntlich mit Absicht auf die Actionebene verschoben wurde, um auch die männlichen Kinogänger anzusprechen. Der Film ist bei allem Wohlwollen gerade mal eine 2 von 10. Früher wurden derartig schlechte Literaturverfilmungen noch von den Fans abgestraft, heutzutage scheint es dagegen der Fall zu sein, dass die Fans so sehr nach einer Leinwandfassung ihres Lieblingsschinkens lechzen, dass sie alles ohne wenn und aber absegnen. Es kann natürlich auch sein, dass Twilight Fans einfach grundsätzlich nicht wissen was einen guten Kinofilm ausmacht.
Nach all dem neuerlichen Geschrei und den Versicherungen, dass der dritte Teil mit Abstand der Beste der Reihe sei, habe ich mich tatsächlich dazu durchringen können Eclipse eine Chance zu geben. Und ich kann bestätigen, dass die Erträglichkeitskurve wieder nach oben verläuft. Der Film ist deutlich besser als der zweite Teil…er ist allerdings immer noch deutlich schlechter als der erste. Das Skript scheint eine Mischung aus einer schlechten Folge von Buffy und einer durchwachsenen Episode von Verliebt in Berlin zu sein. Die Story konzentriert sich wie im zweiten Teil auf eine schwach konstruierte Dreiecksbeziehung. Da ist Bella, die aus dem Off allerhand Belanglosigkeiten vor sich hin „telenovelat“, Edward, der die Idee des knallharten Softies so perfekt verkörpert, dass man sich fragt, ob diese Figur nicht einfach asexuell ist und natürlich Jacob, der wie gehabt von einem hoffnungslos überforderten Taylor Lautner gespielt wird. Lautner, der nicht nur wie eine 80’er Jahre Actionfigur aus Plastik aussieht, sondern auch spielt als wäre er eine. Die Beziehung zwischen diesen Figuren ist insofern schwach konstruiert, als das jegliche Interaktion zwischen den Charakteren auf hanebüchene Weise vom Autor erzwungen wird. Wieder und wieder werden, zum Teil völlig unlogische, Vorwände gefunden, um Schein-Konflikte entstehen zu lassen. Seinen Höhepunkt erreicht dieses Treiben gegen Ende des Films, wenn Edward Bella an einen „sicheren“ Ort bringt, an dem sie zu erfrieren droht und natürlich nur Jacobs Körperwärme sie retten kann, während Edward den beiden beim Kuscheln nur zusehen darf. Wow, Daumen hoch. Das reicht schon an die perversen Allmachtsphantasien eines leicht sadistisch veranlagten Vierzehnjährigen heran. Weiter will ich auf die dramaturgischen Schwächen des Skripts nicht eingehen – dafür ist mir meine Zeit zu schade – glaubt mir einfach, wenn ich euch versichere, dass Eclipse für angehende Autoren eine Fundgrube an Überlegungen ist, wie man ein Drehbuch nicht(!) schreiben sollte (unnütze Rückblenden, sinnlose Actionsequenzen, hoffnungslos verwurstete Handlungsstruktur und vor allem Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen…etc.).
Aber hey, immerhin hat man mit David Slade einem echten Experten in Sachen Vampiraction das Ruder übergeben – dann sollte die Inszenierung doch zumindest in dieser Hinsicht etwas taugen, oder? Von wegen. Die Effekte sind gegenüber dem zweiten Teil nur unwesentlich besser gelungen. Etwas Lächerlicheres als die computergenerierten Plüsch-Wau-Waus, die sich in der Twilight Saga Werwölfe nennen, wird man auf jeden Fall so schnell bei keinem größeren Hollywoodfilm mehr finden. Das gilt sowohl fürs Design als auch für die technische Ausführung – die Verwandlungen gehören zu den lieblosesten Transformationen, die ich jemals gesehen habe. Die Inszenierung der Actionsequenzen ist auch nicht wirklich überzeugend. Die Sequenzen wirken deplatziert und scheinen meist nur deshalb stattzufinden, weil man Angst hatte, dass die Zuschauer einschlafen könnten, wenn nicht wenigstens jede halbe Stunde jemand durch den Wald gehetzt wird. Tatsächlich scheint Slades Vorstellung von interessanter Action auf abgetrennte, herumfliegende Körperteile beschränkt zu sein (ohne einen einzigen Blutspritzer wohlgemerkt!). Sehr originell. Auch abseits von Action und Effekten ist Slades Arbeit im besten Fall durchschnittlich. Das zeigt sich vor allem in den Details. Das z.B. die ach so animalischen Werwölfe in ihrer menschlichen Form wie geleckt aussehen, hatte der zweite Teil ja schon in Stein gemeißelt. Dass diese Naturburschen, die nur mit Shorts bekleidet herumlaufen, Turnschuhe tragen, will aber einfach gar nicht ins Konzept passen. Was für ein animalischer Kerl…hat wohl Angst sich die Füße schmutzig zu machen. Das mag euch unwichtig, ja auf geradezu lächerliche Weise unbedeutend erscheinen, aber macht euch bewusst, dass das ein klares Anzeichen dafür ist, dass sich die Verantwortlichen nie wirklich mit der Figur eines indianischen Werwolfs auseinandergesetzt haben. Die Inszenierung wurde stattdessen nach Schema F herunter gedudelt. Fertig. Lieblos nenne ich das. Der Film ist es gar nicht wert, dass ich mich noch länger mit ihm auseinandersetze…
Fazit:
Eclipse ist belanglose Dutzendware, die eigentlich direkt auf den DVD Markt geschmissen gehört. Eines steht fest: meine masochistische Ader ist definitiv nicht stark genug ausgeprägt, dass ich mir auch noch den vierten Teil ansehen werde.
4/10
//Nachtrag
Ich habe die ersten beiden Teile übrigens zusammen mit meiner Frau angesehen und sie war wesentlich härter in ihrem Urteil als ich (die Bücher kennt sie ebenfalls nicht).
Neues Design für Filmhass…
Okay, es wird wirklich Zeit, dass Filmhass mal einen neuen Anstrich verpasst bekommt. Ich hatte heute etwas Zeit, also hab’ ich was gebastelt. Es ist nicht perfekt und wird wohl bei zu großen oder zu kleinen Auflösungen nicht korrekt angezeigt werden, aber ich kann meine alte Seite einfach nicht mehr sehen. In ein paar Minuten geht das neue Design online.
Sollte jemand eklatante Fehler bei der Darstellung oder Nutzung feststellen…gebt einfach bescheid
Offtopic: Facebook oder Google Analytics? Gerne, aber nur mit Disclaimer!
Dr.Web hat einen interessanten Artikel über die rechtliche Problematik beim Verwenden des Facebook “Gefällt mir”-Buttons geschrieben. Um es kurz zu machen: wenn ihr einen solchen Button auf eurem Blog verwendet, dann müsst ihr eure Leser mittels eines Disclaimers darüber aufklären. Wer das versäumt kann abgemahnt werden! Selbiges gilt für diejenigen, die Google Analytics verwenden.
Ein Beispiel für so einen Disclaimer im Falle des “Gefällt mir”-Buttons findet ihr in Dr.Webs Artikel. Einen Disclaimer für die Verwendung von Google Analytics gibt es hier unter Punkt 8.1 .
Werbung Werbung Werbung…
Wie ihr unschwer erkennen könnt, habe ich den Kampf gegen die Gier verloren und Filmhass mit Werbung zugepflastert. Ich hoffe ihr macht mich reich…
Okay, das war nicht ernst gemeint. Dachte ich stelle das klar, da manche Internetuser angeblich plakative Ironie ohne einen fetten Smiley nicht erkennen können (und da ich heute meinen fiesen Tag habe, verzichte ich in diesem Artikel auf Smileys…hier würde übrigens jetzt ein zwinkernder Smiley stehen, äh, und hier jetzt auch und…).
Nein, ich hoffe einfach das genug zusammen kommt, damit die Kosten, die die Seite verursacht, wieder hereinkommen. Ich denke das sollte im Bereich des Möglichen liegen. Werde in den nächsten Wochen wohl noch ein wenig mit den Anzeigepositionen experimentieren.
Bright Falls – Es gibt auch gute Videospielwebserien…
Vor einiger Zeit habe ich mich hier über die aufwändige, aber insgesamt sehr schlechte Live-Action Webserie zu dem PC- und Videospiel “Assassins Creed” ausgelassen. Nun bin ich vor einigen Tagen über eine nicht ganz so aufwändige, dafür aber wesentlich bessere Webserie – sie bewegt sich auf dem Niveau einer besseren Us-Fernsehserie – zu einem Videospiel gestolpert: “Bright Falls”, das die Vorgeschichte für das Spiel Alan Wake liefert.
BF ist ein Mystery-Thriller der von den Arbeiten David Lynchs und Stephen Kings beeinflusst worden zu sein scheint. Die Story wirkt zumindest wie eine Mischung aus den bizarren Traumwelten Lynchs und Kings Geschichten über Kleinstädte, in die der Horror einzieht. Da ich selbst gerade an einer Webserie arbeite finde ich das Projekt natürlich recht interessant. Interessant, weil die stimmungsvollen, in reichlich Schatten getauchten Bilder und der Thriller Plot ein wenig in die Richtung gehen, die mir ursprünglich für mein eigenes Projekt vorschwebte und ich daher die Möglichkeit habe anhand von „Bright Falls“ meine eigenen Überlegungen zur Herstellung einer Krimi/Thriller Webserie zu überprüfen.
Im Prinzip gibt es nur eine Frage, die mich als Filmemacher interessiert: Wie bringe ich möglichst viele Menschen dazu meine Arbeit anzusehen? Da ist BF als Serie durchaus aufschlussreich, weil sie vieles richtig zu machen scheint, aber es trotzdem nicht schafft, ihr „Publikum“ zu halten. Von Folge zu Folge verliert die Serie um die 100.000 Klicks (die Serie hat insgesamt 6 Folgen). Nur die letzte Folge legt hingegen zu. Dazu gleich mehr. (Den Gedanken, dass nicht jeder etwas für Mystery-Thriller übrig hat, lasse ich im Weiteren außer Acht, da BF ja gezielt an Fans des Spiels gerichtet ist)
Aber beginnen wir mit der ersten Folge.
Einen erstklassigen Fehlstart nenne ich das. Warum? Weil der Zielgruppe (zur Erinnerung es geht um ein actionlastiges Videospiel) offensichtlich die Schauwerte fehlten, um am Ball zu bleiben. Wie ich darauf komme? Durch das Ausschlussverfahren. Wie ich schon erwähnte legt die Serie mit der letzten Folge entgegen dem Trend noch einmal zu (um etwa 27.000 Klicks). Allem Anschein nach wurde die letzte Episode von den Usern also häufiger an Freunde weitergeleitet als es zuvor der Fall war. Es stellt sich also die Frage, warum das der Fall ist.
Handwerklich sind alle Folgen recht gut gemacht. Ob Kamera, Licht, Schnitt oder Ton, das alles ist durchaus überzeugend. Einzig beim Set-Design, den VFX und den SFX sind kleine Ausreißer nach unten zu verzeichnen, die aber nicht wirklich ins Gewicht fallen dürften. Handwerkliche Mängel werden also nicht der Grund für den hohen Rückgang an Klicks sein. Die Story ist auch nicht schlecht geschrieben. Die geheimnisvolle Handlung mag dem einen oder anderen zu viele Fragen offen lassen, aber bei Lost funktionierte das auch. Des Weiteren gibt es einen funktionierenden Spannungsbogen, der alle Folgen umfasst, um die Zuschauer bei der Stange zu halten. Zusätzlich hat jede Folge ihren eigenen kleinen Handlungs-„Höhepunkt“, so dass man auch auf der dramaturgischen Ebene keine handwerklichen „Missetaten“ attestieren könnte. Tatsächlich unterscheidet sich die letzte Episode nur in einem vom Rest der Serie: sie gibt der Zielgruppe was sie erwartet. Das wäre zum einen die Hauptfigur des Spiels, Alan Wake, die tatsächlich erst am Ende der letzten Folge zum ersten Mal richtig in Erscheinung tritt. Und zum anderen hätten wir da eine simple aber wirkungsvolle Effektaufnahme von zum Leben erwachenden Schatten. Solche lebenden Schatten sind wohl ein wichtiger Bestandteil des Spiels und daher etwas was die User sehen wollen.
Das Dilemma der Serie besteht mehr oder weniger darin, dass die Macher ein gutes Produkt abliefern wollten. Eine Story die sich Zeit nimmt, um uns in ihre Wirren einzuführen. Eine Kamera, die uns mit eindringlichen Bildern tiefer in die Handlung saugen will. Allein die Fans pfeiffen drauf. Sie wollen ihren Star sehen und ein paar Effekte…um es überspitzt zu sagen: die Fans legen das Verhalten eines Pornokonsumenten an den Tag, der sich aus Versehen einen Film mit „Handlung“ ausgeliehen hat und nun entnervt abschaltet, weil er auch nach längerem vorspulen immer noch nicht beim „Wesentlichen“ angelangt ist.
Als Schluss sollte man daraus nun nicht ziehen, dass man in jede Episode mindestens eine sinnlose Explosion einbauen sollte. Allerdings muss man beim Schreiben einer derartigen Serie wohl oder übel berücksichtigen, dass die Mehrheit der potenziellen Zuschauer einen Knalleffekt braucht, um auch die nächste Episode anzuklicken.



