Archiv für März 2009
Fanboys sind die Pest
Sie können dir nicht erklären worin die Macht des „einen Ringes“ besteht, wissen aber, seitdem sie den Film gesehen haben, dass „Der Herr der Ringe“ das beste Buch aller Zeiten ist. Sie haben noch nie etwas von der heisenbergschen Unschärferelation gehört, können dir aber versichern, dass eine Antriebstechnologie für Raumschiffe, die auf Delizium Kristallen aufbaut, wesentlich realistischer ist als der ganze esoterische Star Wars Quatsch. Durch göttliche Eingebung ist ihnen außerdem bekannt, dass 08/15 Technologie den dreifachen Preis wert ist, solange nur ein Apfel darauf prangt. Und das schlimmste von allem: sie hängen sich Poster von Lara Croft an die Wand.
Fanboys
Die Rede ist natürlich von Fanboys. Gut, das war nicht schwer zu erraten, stand ja schließlich schon im Titel, aber ich dachte ich erkläre das noch mal für die Michael Bay Fans unter meinen Lesern. Ich hab’ ja ein Herz für den intellektuellen Mittelstand. Egal, bei den Fanboys scheint es sich um eine Art Subspezies des Homo Sapiens zu handeln, die wohl aufgrund von Umweltgiften, durch Mutation (ich vermute chinesisches Spielzeug ist schuld), entstanden ist und die den Niedergang jeglicher Kultur betreiben. Ihr denkt jetzt ich übertreibe mal wieder maßlos und das die paar Fanboys doch harmlos sind, aber ganz so einfach dürft ihr es euch nicht machen. Sicher, vor ein paar Jahren waren Fanboys noch mehr oder weniger kleine Gruppen, die sich um einige ausgewählte Nischenprodukte versammelten. Das war früher!
Mehr mehr mehr!
Mittlerweile haben gewitzte Marketingexperten das Bedürfnis der Jugend nach Zugehörigkeit für sich entdeckt und fördern es so gut es geht: Viral Marketing, interaktive Homepages, Previews, Previews von den Previews, mein Gott, selbst Previews vom Preview eines ersten Artworks, sind an der Tagesordnung – plötzlich erregt das belangloseste Stück Information Aufmerksamkeit. Das Ergebnis ist verheerend. Die Zahl der Fanboys steigt exponential an. Es gibt nicht mehr den Kult um einige wenige Nischenprodukte, sondern eine Art Konsumjunkie Version des alten Fanboys, der sich praktisch jeden Monat ein neues Produkt sucht, dass er abgöttisch lieben kann. Als Konsequenz bricht selbst um die uninteressantesten Produkte ein Hype aus, der seinesgleichen sucht, und für normale Menschen eine echte Belästigung darstellt.
Moderner Faschismus
Das dramatische an dieser Entwicklung ist, dass die Fanboybewegung tatsächlich ernsthafte Auswirkungen hat. In ihrer Getriebenheit streben die Fanboys eine komplette Gleichschaltung der Menschen an. Getreu dem Motto „Wer nicht meiner Meinung ist, ist mein Feind“. Kritik am Kultgegenstand wird zum Sakrileg, das bestraft werden muss und der moderne Fanboy hat das ultimative Mittel um zu bestrafen: Liebesentzug! So wird z.B. eine Zeitschrift, die Kritik übt, einfach nicht mehr gelesen. Das führt die verantwortlichen Redakteure zur Erkenntnis, dass sie bei ihren Artikeln nun nicht mehr nur noch auf die Werbekunden schielen müssen, nein, sie müssen sich auch noch fragen, ob es klug wäre, die Mängel an einem Produkt aufzuzeigen. Das könnte ja einer relativ großen Anzahl von Lesern aufstoßen. Aufklärung ist für den Fanboy schließlich unerträglich, die Verklärung strebt er an. Kritik ist nutzlos, wenn sie ihn nicht in seiner vor Monaten oder Jahren festgelegten Meinung bestätigt. Leidtragende sind diejenigen, die sich tatsächlich noch über die Fachpresse informieren wollen. Bietet diese doch nun dank der Fanboys endgültig nur noch bessere Werbetexte(das gleiche Schicksal kann jeden Blog etc. ereilen).
Sind wir nicht alle ein bisschen Fanboy?
Freilich können wir wohl nur wenig am Phänomen des Fanboys ändern, scheint es doch so, dass der Fanboy nur das offen auslebt, was den meisten von uns schon lange heimlich inne wohnt. Der Fernsehmensch. Wir scheinen in einer Welt zu leben, die die Kunst imitiert – vor allem miese Sitcoms und Soap Operas – und entsprechend bizarr verhalten wir uns. Wenn wir beispielsweise jemanden kennen lernen, finden wir ihn nur sympathisch, wenn er unseren Vorstellungen entspricht. Deswegen tut der Italiener von der Pizzeria um die Ecke immer so als könnte er kein richtiges Deutsch. Und deswegen ist der gleiche Italiener verstimmt, wenn wir ihn als normalen Menschen behandeln und nicht als die exotische Attraktion. Tja, wir verhalten uns eben als wären wir Figuren aus „Friends“ oder „(Trans)sex(ual) and the City“ und erwarten auch das die anderen sich so verhalten…da können wir ja froh sein, wenn wir nur Fanboys werden.
Werbung: Cineasten.de

Ja, richtig gelesen, was jetzt folgt ist Werbung. Der Betreiber von Cineasten.de, Janis von Bleichert, hat mich gebeten seine Seite vorzustellen und mich auch gleich noch mit einer DVD bestochen, um mir das Ganze zu versüßen (endlich habe ich finanziell ausgesorgt). Da ich aber alle wichtigen Filme über ethisch gefestigte Journalisten, die ihr Geld damit verdienen das Leid anderer Menschen auszuschlachten, gesehen habe, stand für mich natürlich fest, dass ich den Beitrag entsprechend labeln muss, wenn ich etwas zu Cineasten.de schreibe. Daher -> Werbung!
Okay, das Beste wird sein, wenn ich Janis seine Seite selbst vorstellen lasse:
“Cineasten.de ist ein Portal für Film- und Heimkino-Begeisterte. Momentan habe ich in der Datenbank mehr als 13.000 Filme, 20.000 Personen und über tausend Heimkino-Produkte. Das besondere ist, das jeder angemeldete Cineast sein Wissen einbringen kann, da, ähnlich wie bei Wikipedia, nahezu jede Seite editierbar ist.
Außerdem gibt es einen Community-Bereich, in dem jeder seine Filmsammlung verwalten, sein Heimkino präsentieren oder sich im Forum austauschen kann.” [Janis von Bleichert]
Meine Meinung: Das Konzept ist spannend. Gerade den Wiki Teil der Seite halte ich für ausgesprochen interessant. Gleichzeitig ist dieser Teil aber auch die Achillesferse der Seite, denn die Community ist zurzeit noch klein(in Relation zu Größe des Projektes gesehen), da die Seite erst seit Dezember 2008 läuft. Folglich ist die Anzahl der Beiträge ebenfalls noch nicht riesig. Aber das kann sich ja mit jedem neuen Mitglied bessern. Wer also ein bisschen Zeit übrig hat und glaubt etwas beitragen zu können, für den ist Cineasten.de genau die richtige Anlaufstelle, um sich auszutoben. Positiv ist mir außerdem aufgefallen, dass das Forum der Seite mit 108 Mitgliedern bereits auf einem guten Weg ist – dem Austausch mit anderen Filmfans steht also nichts im Weg.
Intern: Bewertungssystem
Ich habe mich heute entschieden ein Wertungssystem für die Kritiken einzuführen. Es ist das typische 10 Punktesystem, dass die meisten von euch sicherlich schon von anderen Seiten kennen:
Oh mein Gott, meine Augen und Ohren bluten!
Ist das mein Kreislauf, oder warum habe ich das Bedürfnis mich zu übergeben?
Wo hat der Kerl das Geld für die Produktion her?
Geht gerade noch so, wenn ich nicht allzu lange am Stück auf die Leinwand schaue.
Nicht gerade berauschend, aber man überlebt es.
Ist in Ordnung.
Guter Film, aber da sind so ein paar Kleinigkeiten…
Wirklich gut und überzeugend.
Den Film muss man gesehen haben.
Ein 90 Minuten andauernder Orgasmus!
Sollte ein Film meiner Meinung nach auf zwischen zwei Punkten stehen, runde ich entsprechend auf oder ab. Die alten Kritiken habe ich bereits aktualisiert.
Kung Fu made in Germany
Bin heute über einen Trailer gestolpert, bei dem mir einfach die Spucke weggeblieben ist. Diese Trashperle kann ich euch nicht vorenthalten: Die Brut des Bösen
Es handelt sich um einen deutschen(!) Martial Arts Film aus dem Jahre 1979. In der Hauptrolle Schlagersänger Christian Anders, der auch für die Regie und das Drehbuch verantwortlich war.
RocknRolla
Guy Ritchie ist wieder da. Nach dem katastrophalen Swept Away und dem wenig beachteten Revolver hat er hat sich allem Anschein nach wieder auf seine Wurzeln besonnen und liefert uns mit RocknRolla eine schräge Gangsterkomödie ganz im Stile seiner, das Genre prägenden, Filme Bube, Dame, König, grAs und Snatch. In Tradition der letztgenannten Filme besteht auch bei RocknRolla die Handlung eigentlich nur in einer Verkettung von unglücklichen Vorfällen und Missverständnissen, die dazu führen, dass allerlei zwielichtige Figuren sich gegenseitig jagen und die Knochen brechen – auf die gewohnt coole und amüsante Weise versteht sich. Es gibt also wieder bizarre Situationen und schräge Charaktere en mas.
Stilistische Orgie
Weshalb Ritchies Filme einen so großen Einfluss hatten, wird dann auch bei RocknRolla von Beginn an deutlich. Würde es das Wort „stylish“ nämlich nicht geben, hätte man es bestimmt für Ritchies Filme kreiert. Die Bilder, der Schnitt oder aber auch der Einsatz der Musik lassen den Filmbegeisterten einfach einmal mehr in Bewunderung verfallen, so geschickt verflechtet Ritchie die einzelnen Departments des filmischen Handwerks miteinander. Das typische Guy-Ritchie-Gangsterfilm-Gefühl, dass in den letzten Jahren so oft, meist mit wenig Erfolg, zu kopieren versucht wurde, stellt sich umgehend ein.
Kein Feuer
Das Problem ist nur, dass der Funke nicht wirklich überspringen will. Vielleicht liegt es daran, dass die „Coolness“ der Figuren diesmal zu aufgesetzt wirkt. Vielleicht liegt es auch an der konfusen Struktur des Drehbuchs, die wohl der Tatsache geschuldet ist, dass es sich um den ersten Teil einer Trilogie handelt, und auf Grund dessen sich noch nicht einmal eine richtige männliche Hauptrolle ausmachen lässt (bei den Frauen ist das einfacher, da es praktisch nur eine Frau im Film gibt, die mehr als drei Sätze sagen darf!). Ein bisschen kommt man sich da wie bei einer traurigen Ausgabe des Herzblatts vor. Keiner der drei Kandidaten entspricht den gewünschten Anforderungen. Da wäre Archie, der zwar die Story erzählt, dafür aber nur gelegentlich im Film auftaucht. Dann gibt es noch One Two, der tatsächlich die meiste Leinwandzeit eingeräumt bekommt, was sich aber nicht wirklich aus der Story ergibt, sondern vielmehr daraus – so zumindest meine Vermutung – dass die Figur von Gerard Butler gespielt wird, dem größten „Namen“ im Film. Und schließlich wäre da noch Johnny Quid, auf den sich der Fokus erst gegen Ende des Films verschiebt, der aber immerhin der titelgebende RocknRolla ist. Hier fehlt dem Film eindeutig etwas feinschliff. Gut möglich, dass Ritchie beim Schreiben der Trilogie den Überblick verloren hat. Vielleicht überzeugt der Film aber auch nicht wirklich, weil Ritchie mit RocknRolla kein Stück weiter gegangen ist, als er es mit Snatch tat: Die coolen Stories, die die Figuren zum Besten geben, hat man alle so ähnlich schon mal gehört. Das gleiche gilt für das coole Gehabe und so weiter.
Fan oder nicht Fan, das ist hier die Frage
Der Film ist durchaus unterhaltsam und besticht, wie gesagt, durch seinen großartigen Look, aber letzten Endes, kann ich ihn nur denjenigen empfehlen, die bereits Fans von Ritchies bisherigen Gangsterkomödien sind. Der Rest sollte sich lieber Snatch ausleihen, um Ritchie auf seinem Höhepunkt zu erleben, und sich dann fragen, ob man dem RocknRolla eine Chance geben will.
6/10
The Mysterious Explorations of Jasper Morello
Da ich immer noch mit meinen Arbeiten für die Uni beschäftigt, gibt es heute wieder nur einen Clip. Diesmal immerhin Oscar nominiert (2005) : The Mysterious Explorations of Jasper Morello
Monster Distributes hat den 26 Minuten langen Trickfilm ganz offiziell (also legal) auf Youtube eingestellt. Der Film hat einen wirklich innovativen Look, der Computergrafik mit klassischem Scherenschnitttheater vereint, und dadurch eine unheimlich dichte Atmosphäre erzeugt. Sicherlich nicht jedermanns Sache, aber man sollte dem Film eine Chance geben. Es handelt sich allerdings um die englische Version.
Was ist TiK?
Okay, da ich in letzter Zeit einige Fragen zu TiK gestellt bekommen habe, dachte ich mir, ich gebe hier mal einen ersten, (sehr) kurzen Überblick über das Projekt:
1. Es handelt sich um eine Webserie. Also eine Serie, die nur über das Internet vertrieben wird.
2. Es handelt sich nicht um eine Zeichentrickserie (gell Remy;-), sondern tatsächlich um eine Live-Action Serie.
3. Es werden etwa 5 bis 10 Episoden mit einer Spielzeit von jeweils 3 bis 5 Minuten werden. Die gesamte Spielzeit wird aber 30 Minuten nicht übersteigen.
4. Wie ich im letzten Post zum Thema erwähnte, handelt es sich um ein No-Budget Projekt. Das bedeutet es wird nur ein sehr kleines Team und das notwendigste Equipment zum Einsatz kommen. Die Beteiligten werden aller Voraussicht nur entlohnt, wenn das Projekt in die Gewinnzone kommt.
7. Auch wenn es sich um ein No-Budget Projekt handelt, soll das Ergebnis konkurrenzfähig sein. Aus den zur Verfügung stehenden Mitteln soll das mögliche Maximum herausgeholt werden.
6. Es wird sich um einen Krimi (oder Thriller, wenn euch der Ausdruck besser gefällt) handeln, der am Bodensee spielt.
Im Moment bin ich noch dabei der Story den letzten Schliff zu geben. Sobald das erledigt ist und ich den Kopf auch anderweitig frei habe, beginne ich die eigentliche Produktion abzuklären. Ich werde sie gezwungener Maßen bis ins allerletzte Detail durchplanen müssen, um die Fehlerquote so gering wie möglich zu halten. Wenn kaum Geld da ist, kann man sich halt fast keine Fehler leisten. Aber dazu mehr, wenn ich soweit bin.
Indiana Jones ist pädophil!
Viele dachten nach Kingdom of the Crystal Skull könnte man die Figur Indiana Jones nicht weiter demontieren. Sie haben sich geirrt. Vor einigen Tagen ist im Internet ein Protokoll eines ersten Gesprächs zwischen George Lucas, Steven Spielberg und Lawrence Kasdan aufgetaucht. Dieses Gespräch diente der Charakterentwicklung der Hauptfigur (damals noch Indiana Smith!) von Raiders of the Lost Ark. Die Freude der Fans über dieses Protokoll war allerdings etwas verfrüht. Schuld ist ein Abschnitt des Protokolls in dem die sexuelle Vergangenheit zwischen Indiana Jones und der weiblichen Hauptrolle Marion besprochen wird(Die Übersetzung aus dem Original stammt von mir und ist nicht perfekt):
GL: Er könnte dieses kleine Mädchen gekannt haben als sie noch ein Kind war. Hatte eine Affäre mit ihr als sie elf war.
LK: Und er war 42.
GL: Er hat sie seit 12 Jahren nicht mehr gesehen. Jetzt ist sie 22. Es ist eine wirklich seltsame Beziehung.
SS: Sie sollte besser älter als 22 sein.
GL: Er ist 35 und er kennt sie von vor zehn Jahren, als er 25 war und sie war nur 12. Es wäre amüsant, wenn wir sie etwas jünger zu dem Zeitpunkt machen würden.
SS: Und promiskutiv. Es ging von ihr aus.
GL: 15 ist genau an der Grenze. Ich weiß, dass diese Idee skandalös ist, aber sie ist interessant. Wenn sie erst mal 16 oder 17 ist, ist es nicht mehr interessant. Aber wenn sie 15 war und er 25 und sie tatsächlich eine Affäre hatten als sie sich das letzte mal begegneten. Und sie war fürchterlich verliebt in ihn und er…
Wer sich den ersten Film der Reihe noch mal ansieht, wird bemerken, dass es tatsächlich Dialogzeilen gibt, die auf darauf hinweisen, dass die drei Idioten diese Biographie tatsächlich beibehalten haben. Aufmerksam wurde ich auf diesen letzten Nagel zu Indiana Jones Sarg durch einen Bericht auf Cinematical.com. Danke, ich werde mir Indiana Jones nie wieder ansehen können.
Filme haben eine Teilschuld an Amokläufen
Die Debatte um Killerspiele und Gewaltfilme ist nach den Geschehnissen von Winnenden wieder voll entbrannt. Eine leidige Diskussion. Leidig, weil sie nach dem altbekannten Schema ablaufen wird. Konservative Politiker, die nicht die geringste Kompetenz in den von ihnen angekreideten Bereichen aufweisen, werden versuchen sich durch den lauten Schrei nach schärferen Gesetzen zu profilieren. Zur Selbstkritik unfähige Jugendliche werden dann weinerlich darüber schimpfen, dass man ihnen ihre Lieblinge wegnehmen will und opportunistische Funktionäre der Grünen werden versuchen sich bei zukünftigen Wahlen günstigere Ausgangspositionen zu sichern, indem sie sich auf die Seite der armen Jugend stellen. Nicht zu vergessen die Lobby der Psychologen, die sich ganz „objektiv“ für bessere Betreuung an Schulen aussprechen wird, um noch mehr Kohle für unnütze Projekte abzustauben. Die Debatte wird vielen individuellen Interessen dienen, aber am eigentlichen Problem mal wieder gar nichts ändern.
Die Realität akzeptieren
Es wird Zeit, dass die Politik die „Realität“ in den Kinderzimmern akzeptiert. Weder Counter Strike noch Hostel sind ernstzunehmende Hinweise für Gewaltbereitschaft. Diese Medienprodukte zeugen nur vom schlechten Geschmack einer ganzen Generation und der Einfallslosigkeit der Produzenten. Es wird aber auch Zeit, dass die Gamer und Filmsüchtigen akzeptieren, dass der unkontrollierte Konsum von Gewalt verherrlichenden Medienprodukten keinesfalls unbedenklich ist. Es stimmt einfach nicht, dass Filme oder Spiele uns nicht wirklich beeinflussen würden. Das bedeutet nicht, dass eine generelle Zensur ausgeübt werden sollte, aber gewisse Veränderungen an den Inhalten wären eine Option – ein Spiel wird nicht besser, wenn es blutiger gestaltet ist. Und wenn man sich gegen derartige Veränderungen entscheidet, was aus Gründen der Freiheit der Kunst durchaus nachvollziehbar wäre, so sollte man doch wenigstens ein gewisses Problembewusstsein bei den Beteiligten schaffen. Es gibt zu viele Eltern die ihre Kleinen vor das „Kinderprogramm“ der privaten Fernsehsender setzen, ohne sich die geringsten Gedanken über die Tauglichkeit der Programminhalte zu machen – Zeichentrick ist halt für Kinder, gell?
Die Schuld der Medien
Und da wären natürlich noch die besagten Psychologen, die ja nur zu gut wissen, woher die Gewaltausbrüche unter Jugendlichen rühren. Ist ja auch nicht schwer diese Ursachen zu erkennen, jeder Schimpanse kann das. Wir leben in einer Gesellschaft, die dem Einzelnen über die Medien permanent den Eindruck vermittelt, dass nur Menschen die gewissen Kriterien entsprechen, einen Wert haben. Wer zu diesen Helden der Gesellschaft gehören will, muss sich beeilen und anstrengen, denn all die anderen Versager wollen schließlich auch ihren Platz im Paradies. Konkurrenz belebt das Geschäft und zerbricht nebenher die nicht ganz so Durchsetzungsfähigen. Es ist Paradox, um nicht zu sagen verlogen, dass wir in unserer angeblichen Aufgeklärtheit den Sozialdarwinismus öffentlich verurteilen und doch gleichzeitig voll ausleben. Solange wir verachtenswerten Müll wie DSDS, Germany’s Next Top Model oder Der Starpraktikant (geht es denn noch dümmer?) in die Wohnzimmer senden, wird auch das größte Anti-Mobbing Programm für Schulen keine Änderung der vorherrschenden Situation herbeiführen.
Du bist allein
Ob es nun um magersüchtige Mädchen oder zum Amoklauf bereite Jungs geht: Die westliche Medienlandschaft ist die Ursache der Probleme. Sie gibt unerreichbare Ziele vor und vermittelt den Eindruck, dass diejenigen, die diese Ziele nicht erreichen können oder wollen, armselig sind. Dank der Medien fühlt sich der Einzelne noch kleiner, schwächer und unbedeutender. Ein durchaus gewünschter Nebeneffekt, erwachsen doch aus diesem Gefühl der Unzulänglichkeit neue Absatzmärkte für miese Actionfilme, Egoshooter und anderen Müll – irgendwie muss man schließlich diese Gefühle verarbeiten. Und sollte dann mal wieder jemand durchdrehen hat man praktischer Weise wieder ein Thema, um die Printmedien am Leben zu halten.
Blah Blah Blah
Seien wir ehrlich: Die Wenigsten von uns wären bereit, die Gesellschaft in dem Ausmaß zu ändern, wie es nötig wäre, um die entstandenen Probleme zu beseitigen. Vermutlich wäre es auch gar nicht möglich. Es ist also egal wie viel über das Thema geredet und geschrieben wird. Es wird sich nichts ändern.
Gran Torino
Walter Kowalski hat genug. Genug von seinen Kindern und Enkeln, die ihn als nicht mehr ernstzunehmenden Erblasser betrachten. Genug von seinem Viertel, das über die Jahre immer weiter herunter gekommen ist. Und natürlich hat er vor allem genug von den asiatischen Nachbarn, die sich auf seinem Rasen breit machen. Es wird wieder Zeit das Gewehr auszupacken…oder nicht?
In seinem Gedenken
Wenn man sich die aktuellen Kritiken zu Gran Torino zu Gemüte führt, könnte man meinen Clint Eastwood sei vor kurzem verstorben. So liest sich mancher Artikel wie ein Nachruf auf das Urgestein des Hollywoodkinos. Von seinen Errungenschaften ist die Rede, von dem Mythos Eastwood und seiner Integrität wird da ehrfurchtsvoll gestammelt – da wird selbst denjenigen das Herz schwer, die Eastwood früher als Inbegriff des reaktionären Actionkinos verteufelt haben. Der Grund ist nachvollziehbar: Gran Torino ist vermutlich Eastwoods letzter Auftritt als Schauspieler.
Ach, den Film gibt es ja auch noch
Es entsteht der Eindruck, dass der Film in der Kritik hinter all den Sentimentalitäten zurücktritt und zur Nebensache wird. Schnell wird Gran Torino noch zum Meisterwerk erklärt – über Tote will man schließlich nichts Schlechtes sagen. Dabei ist diese formale Krönung von Eastwoods Werk völlig unnötig, denn Gran Torino ist ein überzeugender Film, der keines falschen Zuspruchs bedarf: Die Story ist simpel, aber packend und Eastwood zeigt einmal mehr, weshalb er über Jahrzehnte hinweg als die Verkörperung des “gerechten” Lynchmörders schlechthin galt. Die eigentliche Leistung des Films besteht jedoch darin, dass es sich um eine der wenigen guten Reflektionen über das Genre handelt. Eastwood gelingt es all die typischen Klischees, die uns in Rachethrillern begegnen, auf clevere Weise zu dekonstruieren und beschert uns dadurch, quasi nebenher, einen der brillantesten Showdowns der Filmgeschichte.
Kein Meisterwerk
Gran Torino ist aber sicherlich kein Meisterwerk. Man merkt ihm in manchen Szenen einfach an, dass er mit nur fünf Drehwochen etwas schnell abgedreht wurde. Darunter hat vor allem die darstellerische Qualität mancher Schauspieler gelitten, gelegentlich aber auch die Inszenierung, die in der einen oder anderen Sequenz etwas beliebig daher kommt. Und selbst das Skript offenbart die eine oder andere Schwäche – manches kann man der Geschichte einfach nicht abnehmen – die dann aber meist durch Eastwoods Präsenz oder die ironische Grundstimmung, die den Film generell auszeichnet, aufgefangen wird. Die angeführten Mängel sind aber bei weitem nicht ausreichend, um dem Film als Gesamtwerk zu schaden. Ich habe sie hier nur aufgezählt, um verständlich zu machen, weshalb ich nicht ganz mit den Kritiken, die den Film proforma in den Himmel loben, konform gehe.
Gran Torino kann ich bedenkenlos jedem empfehlen. Eastwoods letzte Darbietung als Schauspieler ist – mal amüsant, mal emotional ergreifend – ein würdiger, aber vor allem überzeugender Abgang von der Bühne und zugleich auch ein weiterer Beweis seines Könnens als Regisseur.
8/10
//Nachtrag
Mir ist gerade aufgefallen, dass die deutsche Synchronisation sehr “gewöhnungsbedürftig” ist. Schaut euch den Film also lieber im Original an.



