Uwe Boll wird unrecht getan

Uwe Boll ist ein Phänomen. Er ist der wohl am meisten gehasste Filmemacher seit bestehen des Mediums. Seine Filme erhalten unterirdische Bewertungen auf imdb.com bevor sie überhaupt veröffentlicht werden und die Internetforen laufen vor Hasstiraden geradezu über. Hasstiraden, die zu den berüchtigten Boxkämpfen zwischen Boll und seinen Kritikern geführt haben. Erreicht hat er diesen einmaligen Zustand indes nicht indem er einen kritischen Film über das Christentum oder den Koran gedreht hat, wie man es in so einem Fall vermuten würde, sondern durch schwache Computer-/Videospielverfilmungen.

Die Fans

Unmengen von pubertierenden Stubenhockern und nostalgischen Nerds lassen ihren Emotionen freien lauf, wenn es um ihre liebsten Spiele geht. Da wird jegliche Rationalität ausgeschaltet und gegenüber einem Film eine Erwartungshaltung aufgebaut, die gar nicht erfüllt werden kann, was schon allein daran liegt, dass die Erfahrung beim Spielen nicht die geringste Ähnlichkeit mit der Filmerfahrung hat und nicht übertragbar ist. Diese Diskrepanz zwischen den beiden Erfahrungswelten hat zum Teil kuriose Auswirkungen. So kann es z.B. durchaus vorkommen, dass ein weinerlicher Fan des Spiels Far Cry sich darüber beschwert, dass Bolls Version der Story des Spiels nicht gerecht wurde. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass das Spiel Far Cry praktisch keine Handlung hat.

Warum Boll doch ein Genie ist

Aber lassen wir das Thema Fans, denn Bolls Filme sind tatsächlich unterdurchschnittlich, ganz unabhängig von der Wahrnehmung der Spielfans. Weshalb vertrete ich dann aber hier die Meinung, dass Boll unrecht getan wird? Nun weil man ihn in der Regel nur als Uwe Boll, den Regisseur, aber nie als Uwe Boll, den Produzenten, betrachtet. Boll mag als Regisseur nichts taugen, als Filmproduzent ist er hingegen ein Genie. Er hat mit nichts angefangen und es schließlich geschafft aus eigener Kraft Millionenprojekte zu stemmen. Was die meisten schlichtweg nicht wissen oder nicht zur Kenntnis nehmen wollen ist, dass Boll ein Independent Filmer ist. Er hat kein Studio im Rücken, und wie viele Independentfilmer haben ohne die Unterstützung eines Studios vergleichbare Summen aufgebracht, um ihre Filme zu realisieren? Vermutlich keine. Mir fallen jetzt zumindest keine ein. Man kann von Bolls Filmen also halten was man will, aber einen gewissen Respekt für seine Arbeit sollte man trotzdem aufbringen.

Und hier noch das letzte Lebenszeichen von Boll, dass mich zum Schreiben dieses Artikels inspirierte:

7 Kommentare zu „Uwe Boll wird unrecht getan“

  • Tobber:

    Dein Absatz bezüglich der Fans entbehrt ja mal wirklich jeglicher Grundlage.
    Selbst wenn man gegenüber einem Film eine solche Erwartungshaltung aufbaute, dass es unmöglich wäre diese zu erfüllen, möchte ich Dich doch wirklich mal an solche Perlen wie ALONE IN THE DARK oder DUNGEON SIEGE erinnern, die noch schlechter gewesen wären (geht das überhaupt), wenn da nicht ein Computerspiel gewesen wäre, an das man sich erinnert…

    Komm schon, ALONE IN THE DARK war dermaßen schlecht, dass ich kaum Worte finde, es zu beschreiben. Dass für solche Filmprojekte auch nur Millionen aus der Filmförderung abstaubt, macht ihn vielleicht zu einem gewitzten Produzenten, allerdings auch zu einem noch schlechteren Regisseur als selbst Du schon bereit bist zuzugeben…

  • admin:

    1. Boll hat noch nie Geld von der Filmförderung bekommen. Sein Geschäftsmodel (das bis vor einiger Zeit noch auf Steuerleichterungen bei Investitionen in Filmfonds basierte) hat er selbst entwickelt, deshalb ist er auch der Einzige, der auf diesem Gebiet mit Erfolg gewirtschaftet hat. Der Großteil seiner Filme machte Geld durch den Lizenzverkauf in über 80 Länder und natürlich auf dem DVD Markt.

    Die Filmfonds der Boll KG waren übrigens die Einzigen, die ihren Anlegern Gewinne brachten. Selbst der Fond der Herr der Ringe finanzierte tat das nicht – siehe „stupid german money“.

    2. Die Erfahrung beim Spielen ist eine völlig andere als beim Ansehen eines Films. Wenn du spielst kann dich eine Grafik-Demo wie Far Cry oder hirnverbrannter Mist wie Postal (selbst hier hatten sich Fans beschwert) unglaublich lange unterhalten, obwohl inhaltlich absolut gar nichts passiert. Das liegt am interaktiven Element. Im Prinzip könnte man diese Games auch mit Pac Man vergleichen. Auch Dungeon Siege (Bolls Version hatte mehr Plot) und Alone in the Dark hatten keine überragenden Stories. Man hätte in den Filmen mehr daraus machen können, ja, aber es war andererseits auch von Anfang an nicht viel da.

    Nein nein, das Fanboygehabe ist eine Pest. Darüber werde ich wohl bei Gelegenheit mal einen ausführlicheren Artikel verfassen.

  • Tobber:

    Ich freu mich schon drauf :D

  • Spectah:

    Ich will doch auch mal meinen, dass Boll gut mit dem “Unrecht” leben kann.
    Ist doch schön, wenn man einrn Großteil seiner Publicity – welche sich ja mittelfristig monitär niederschlägt – von seinen “Hatern” bzw. “Bashern” verdient.
    Support durch Leute, die einen hassen…das bedeutet, ohne Reue Kohle einstreichen…hach, wie herrlich :)

  • admin:

    Ja, ich denke am Anfang hat ihm das gut gefallen. Ab einem gewissen Punkt ist ihm dann aber wohl bewusst geworden, dass seine Filme beim Kinopublikum keine Chance mehr erhalten, weil der Internethass in die Realität übergeschwappt ist. (Seltsamer Weise sind sie dann Renner auf dem DVD Markt)
    Jetzt hat er sich ja eine neue Nische gesucht, wie es scheint: Horrorfilme direct to DVD

  • Spectah:

    klar…das liegt an der credibility.
    wenn deine frau dich fragt: “schatz, warst du etwa im kino in dem neuen boll-film?”
    dann sagst du doch auch: “nein, ich war im porno-kino…ganz ehrlich” :D

  • admin:

    :D
    Dem ist nichts mehr anzufügen…

Kommentieren

RSS-Feed abonnieren
Feed über Email

Email-Adresse eingeben:

Delivered by FeedBurner

Werbung
Kategorien
Freunde
Filmblogs
Andere Blogs
Inaktive Blogs?