Filmpiraterie: Die Industrie kriegt was sie verdient 2
Donnerstag, April 30, 2009Marketing
Um zu verstehen welche Rolle das Marketing spielt versetzen wir uns jetzt in einen beliebigen Produzenten, z.B. Jerry Bruckheimer. Nehmen wir an Jerry hat gerade Transformers 15 produziert und muss sich nun eingestehen, dass der Film der absolute Tiefpunkt der Reihe ist. Wie kann er diesen Schrott nur ans Publikum bringen, fragt er sich. Da Jerry nicht auf den Kopf gefallen ist, weiß er natürlich was sein größtes Problem ist: Information. Er muss verhindern, dass der potenzielle Zuschauer die Möglichkeit erhält, sich ein realistisches Bild von dem Film zu machen. Als erstes bringt er also die Kritiker unter seine Kontrolle. Die Wankelmütigen werden mit Werbegeschenken bestochen, die Ängstlichen mit Vertragsklauseln geknebelt und die Unangenehmen einfach nicht zu den Pressevorführungen eingeladen. Schon ist die Presse ausgeschaltet. Jetzt muss er aber auch noch die Mundpropaganda verhindern.
Mundpropaganda – da läuft Jerry ein Schauer über den Rücken. Wie soll man die verhindern? Spätestens, wenn der Film ein oder zwei Wochen gelaufen ist, hat sich herum gesprochen von welch fragwürdiger Qualität er ist. Hmm, großes Problem…aber auch hier findet Jerry eine geniale Lösung. Er muss einfach dafür sorgen, dass sich das Hauptgeschäft auf das erste Wochenende des Filmstarts verlagert. Schafft er es die Menschen davon zu überzeugen, dass sie den Film sofort sehen müssen, kann selbst ein mieser Film Profit abwerfen, denn bis es sich herumgesprochen hat, wie schlecht der Film ist, hat ihn ja schon jeder gesehen. Wir beginnen daher damit den Zuschauer mit Werbung zu bombardieren.
Allein die Oscarkampagne eines Blockbusters kostet in der Regel etwa 10-15 Millionen Dollar – soviel wie die gesamte Slumdog Millionär Produktion! Nun stellt euch einmal vor welche Summen für die internationale Bewerbung solcher Filme ausgegeben werden. Dreamgirls hatte Produktionskosten von etwa 75 Millionen Dollar. Das Werbebudget für diesen Film betrug allerdings weitere 40 Millionen! Und das bei einem Film der nicht gerade das darstellt, was man unter einem Blockbuster versteht. (Kann es einen bei diesen Zahlen noch verwundern, dass es, nachdem ich Filmhass gestartet habe, nur zwei Wochen dauerte, bis ich das erste Mal von einer PR Firma angeschrieben wurde? Ich habe keine Ahnung wie ich in den jeweiligen Verteilern gelandet bin.)
Um den Werbeeffekt zu maximieren muss Jerry aber auch die Kinosäle kontrollieren. Wir starten einen Film daher nicht etwa auf 1331 Leinwänden (E.T., 2. Juli 1982) und steigern die Anzahl bei zunehmenden Erfolg, sondern bringen ihn direkt mit 4000 Vorführkopien (X-Men Origins: Wolverine, 1. Mai 2009) auf den Markt.
Aber dazu mehr beim nächsten Mal…


