Buch: Grammatik der Filmsprache

Da mir keine Blogs bekannt sind, die sich mit Büchern zum Thema Filmherstellung beschäftigen, habe ich beschlossen in regelmäßigen Abständen eben genau das zu tun.

Grammatik der Filmsprache

Ich muss die Akademiker unter euch enttäuschen, die Grammatik der Filmsprache ist keine philosophische Abhandlung über Film – auch wenn sich der Titel gewaltig danach anhört. Das Buch stellt vielmehr eine Art Anleitung zum Auflösen von Szenen dar. Auf etwa 700 Seiten versucht der Autor, Daniel Arijon, unter Verwendung von über 1500 Zeichnungen, alle Varianten aufzuzählen, die in Frage kommen, um aus einzelnen Einstellungen eine überzeugende Szene zusammenzufügen. Nun ist Arijon nicht gerade ein begnadeter Autor (die ersten dreißig Seiten des Buches könnte man getrost herausreißen), aber das macht nichts, denn Arijons Talent reicht vollkommen aus, um kurz und sachlich darzustellen, was in der jeweiligen Konstellation von Kamera und Darsteller zu beachten ist.

Bilder

Im Prinzip ist ja auch nur die Bebilderung von Bedeutung. In der Regel zeigt uns Arijon jeweils eine schematische Übersicht „über das Set“, in der die Bewegungen der Darsteller und Kameras eingezeichnet sind, und einige Skizzen, die die Kameraperspektiven wiedergeben sollen. Zusammen mit Arijons knappen Bemerkungen ergibt sich dann in fast allen Fällen ein klares Bild für den Leser. Die Qualität der Zeichnungen ist dabei völlig ausreichend, wenn auch nicht berauschend. Schräge Beobachtung am Rande: Die Zeichnungen haben eine sexistische Tendenz. So sind Frauen in vielen Zeichnungen leicht oder gar nicht bekleidet, während Männer im gleichen Bild voll angezogen dargestellt werden. Das Buch ist also nicht unbedingt für den feministischen Filmkreis Unterföhringen geeignet.

Allumfassend?

Viel wichtiger ist der Inhalt und der überzeugt durchaus. Den Rechercheaufwand für dieses Buch will ich mir gar nicht vorstellen. Egal ob Bewegung im Bild, Kamerabewegung, Bildaufteilung, Dialoge usw., dieses Buch scheint zu allem mehr als nur etwas beitragen zu können. Das macht es gerade für Anfänger oder Filmschaffende, die sich einfach nur ein bisschen inspirieren lassen wollen, interessant. Andererseits muss man aber auch sagen, dass der Sinn dieses Buchs durchaus in Zweifel gezogen werden kann. Zum einen entsteht beim Lesen des Buchs der Eindruck, dass man Szenen nur so auflösen kann, wie es Arijon beschreibt, was schlichtweg falsch ist und zum anderen hat sich doch der eine oder andere kleine Fehler in die Bilder und Beschreibungen eingeschlichen, was gerade für diejenigen, die sich blindlings auf dieses Werk verlassen, unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen könnte.

Fazit

Für Filmschaffende eine durchaus lohnende Anschaffung(zumindest für die, die sich mit der Auflösung von Szenen herumschlagen müssen):

Bewertung für Filmschaffende
8/10

Für Filmbegeisterte dürfte das Buch hingegen weit weniger interessant sein. Ich kann mir zwar durchaus vorstellen, dass auch ein Filmfan Arijons Ausführungen zumindest etwas interessant finden könnte, aber das er dafür 34 € zahlen würde, scheint mir nun wirklich ein Ding der Unmöglichkeit zu sein:

Bewertung für Filmfans
2/10

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