Spectah/Seasonfree hatte vor einiger Zeit gefragt, ob ich nicht erklären könnte was es mit den Morphing Effekten auf sich hat. Also gut, ich hab’ gerade etwas Zeit also will ich euch einen kleinen Blick “hinter die Kulissen” geben…sonderlich spektakulär wird das aber nicht, da will ich euch gleich vorwarnen. Außerdem soll das hier kein Tutorial werden(dafür gibt’s bessere Seiten), sondern nur ein kurzer Überblick, damit sich der Otto-Normal-Leser nicht zu Tode langweilt.
Okay, fangen wir mit der Frage an, was Morphing überhaupt ist. Wikipedia hilft:
“Im Gegensatz zur Überblendung (Film) wird beim Morphing ein Bild in ein anderes Bild durch Einsatz von zusätzlichen gezielten Verzerrungen überführt. Dabei versucht man, ausgehend von einem Quellbild, einen möglichst realistischen Übergang zu einem Zielbild zu erzeugen. Der typische Morphing-Prozess besteht deshalb darin, markante Bildelemente (z. B. Gesichtszüge wie Mund und Augen oder Objektränder) in Quell- und Zielbild auszuwählen und so zu verzerren, dass ihre Konturen zur Übereinstimmung gebracht werden können.”
Ich demonstriere das am besten anhand des R8 Clips, den ich hier damals online stellte. Ich nehme also zwei Einstellungen des fahrenden R8, die ich “übereinander” lege. Dann zeichne ich Masken um die (oder entlang der) markanten Stellen im Bild(oder besser gesagt in beiden Bildern!). Die beiden nachfolgenden Bilder illustrieren das.
Hier handelt es sich um die Einstellung aus der ich “heraus” morphe.
Dieses Bild zeigt die Zieleinstellung.
Die gelben Linien stehen entsprechend für den Ursprung und die grünen für das Ziel. Die Software berechnet nun aus diesen beiden Bildern und den darin eingezeichneten Masken, sowie einigen anderen Vorgaben, die ich eingebe (dabei geht es um die grundlegende Vorgehensweise der Software) ein Zwischenbild. Das sieht in diesem Fall wie folgt aus:

Wie ihr sehen könnt, werden die Objekte, die ich per Maske markiert habe, verkleinert und verschoben, ohne ihre “Integrität” zu verlieren. Die unmaskierten Objekte “verwischen” und “verblassen” (daran kann man sehen, das nicht nur verzerrt, sondern auch überblendet wird) dagegen geradezu. An den beiden Steinblöcken auf der rechten Seite könnt ihr den Unterschied zwischen einem maskierten und einem nicht maskierten Objekt gut erkennen. Der “Look” des Effekts hängt also stark davon ab, welche Merkmale man maskiert (oder in welchem Ausmaß man überhaupt maskiert). Beim R8 Clip war die Entscheidung darüber dann auch ein Kompromiß zwischen Ästhetik und mangelnder Zeit(der Effekt wurde für das eigentlich Video dann übrigens noch mal überarbeitet, weil er in der ersten Version noch etwas fehlerhaft war).
So, dass mag sich jetzt recht einfach anhören, ist aber sehr arbeitsaufwändig, da im Fall von sich bewegenden Objekten, wie eben dem R8, die Maskierung für jedes Bild pro Sekunde in der der Morphing Effekt erfolgen soll, angepasst werden muss. Das bedeutet das die Maske für den R8 bei einem Effekt, der eine Länge von einer Sekunde hat, 50 Mal angepasst werden muss (25 Mal Ursprung und 25 Mal Ziel, da eine Sekunde “Film” im Pal Format 25 Bilder hat – vereinfacht gesagt).
Tja, ich hoffe ich habe eure Illusionen über die “aufregende” Arbeit an Morphing Effekten damit endgültig zerstört