Archiv für September 2009
Warum hasse ich…Inglourious Basterds?
In der Architekturtheorie gibt es den Begriff des Postmodernismus. Verwendet wird er zumeist, um sich abfällig über diejenigen Bauwerke der Postmoderne zu äußern, die jegliches Maß verloren haben und frei von jedem Geschmack bis in den Exzess Bauelemente der Architekturgeschichte zitieren. Als Rechtfertigung solcher architektonischer Masturbation muss dann in der Regel auch die Geliebte aller Wankelmütigen herhalten: die Ironie. (Ein stichhaltiger Beweis dafür, dass der Humor vieler Architekten wohl keinen Deut besser ist als der der meisten Mathematiker.)
Okay, ihr werdet euch jetzt vermutlich fragen was dieser kleine Exkurs in die Architekturtheorie mit den “Inglourious Basterds” zu tun hat. Nun, wenn es einen Regisseur gibt, dem man getrost vorwerfen könnte, dass seine Werke filmischer Postmodernismus sind, dann Quentin Tarantino. Auch die Basterds sind eine einzige maßlose Ansammlung von Filmzitaten. Da wären die ziemlich offensichtlichen (und unüberhörbaren) Anleihen beim Spaghettiwestern (Grüße von Sergio Leone und Ennio Morricone) oder natürlich der Film Noir. (Mein Gott, selbst die 80′er werden verwurstet.)
Sicher, zitieren ist nichts schlimmes, im Gegenteil der Durchschnittskritiker freut sich über jedes Zitat, kann er dann doch endlich mit seinem ansonsten völlig unverwertbaren cineastischen Wissen glänzen. Insofern sind die Basterds eine wahre Fundgrube ekstatischen Glücks für jeden Cineasten. Der Punkt ist nur, dass die Art und Weise wie Tarantino zitiert oft völlig Sinn- und Stillos erfolgt und schon gar nicht der Filmdramaturgie dient. Sorry, aber Zitieren als Selbstzweck ist Mist, auch wenn es das Geschehen “ironisieren” mag. Gerade der Einsatz der musikalischen Zitate sorgt das eine oder andere Mal für mehr als ein wenig Irritation. (ziemlich interessant, wenn man bedenkt, das Tarantinos Filme ihren Erfolg gerade auch der verwendeten Musik verdankten).
Trotzdem ist Inglourious Basterds ein genialer Film (tut mir leid Moe, wieder ein Film den ich mag;), denn Tarantino gelingt hier etwas, was ich so noch bei keinem anderen Kinobesuch erlebt habe: er offenbart die Unzulänglichkeit der Kinobesucher. Der Film ist eigentlich eine Ohrfeige für alle Tarantinofans. Er mimt die Hure für den Zuschauer, bedient dessen perverse Gelüste nach Gewalt und Blut, um ihn letzten Endes die eigene moralische Verwerflichkeit vor Augen zu führen. Er geht dabei so geschickt vor, dass den meisten Besuchern nicht einmal bewusst wird, das ihnen ihr großes Idol gerade ins Gesicht gespuckt hat. Dabei ist diese “Pointe” recht simpel gestrickt: Tarantino zeigt uns ein Kino voller Nazis, die sich an den Gewaltexzessen eines Propagandafilms ergötzen. Er spiegelt auf dieser Weise geschickt die Reaktionen der realen Zuschauer auf Inglorious Basterds. Der willige Zuschauer wird dazu ermuntert, sich daran zu erfreuen, wie Nazis und Wehrmachtsoldaten abgeschlachtet werden, um dann mit dem Nazipublikum konfrontiert zu werden. Getrost dem Motto: “Wer in den letzten zwei Stunden gelacht und gegrölt hat, ist auch nicht besser als diese Nazis.”
Ich halte eigentlich nichts davon, wenn das Publikum beschimpft wird (oder für blöd verkauft wie in Machwerken á la Armageddon), aber Basterds nehme ich hiervon aus, denn Tarantino fordert seine Zuschauer mit Basterds zum Nachdenken auf…alle Achtung.
9/10
Btw: Der Film sollte unbedingt im Originalton angesehen werden, allein schon wegen Christoph Waltz, der hier wirklich jeden an die Wand spielt.
Was zurzeit ansteht…24.09.2009
Okay, in letzter Zeit geht mal wieder sehr wenig auf filmhass.de. Das liegt in erster Linie daran, dass ich noch etwas von der letzten Prüfung geplättet bin (und mich schon wieder auf die nächste vorbereiten muss) – bei all dem Stress fehlt mir einfach die Muse, um regelmäßig zu posten(lol, irgendwie hab’ ich den Eindruck, dass ich nur noch poste, um zu posten, dass ich eigentlich gerade nicht poste). Zum anderen arbeite ich schon wieder an ein paar Videoclips. Diesmal für Cafecube.de (deren Homepage wird in diesem Zusammenhang in den nächsten Tagen zu einem Blog mutieren).
Das Konzept ist simpel: Werbung die nicht sofort als solche wahrgenommen und aufgrund ihrer “Pointe” (hoffentlich) weitergeleitet wird -> Stichwort “Viral Marketing”. Die Clips sollen im Prinzip rüberkommen, als wären sie von Hinz und Kunz aufgenommen worden. Entsprechend bekommen die Clips von mir den Look eines Homevideos verpasst. Ein Homevideo das sich eben durch einen kleinen Gag aus der Masse hervorhebt (naja, ob es das tun wird, muss sich natürlich erst zeigen). Es kann sicherlich darüber gestritten werden, wie sinnvoll und brauchbar so ein Konzept für die Bewerbung eines kleinen Cafes in Karlsruhe ist, aber letzten Endes geht es bei dem Projekt eigentlich nur um das Ausprobieren. Schaffen wir es mit solchen Videos Klicks zu generieren oder nicht…eine Wette sozusagen.
Der erste Clip ist schon fertig und wird online gestellt, sobald der der Blog auf Cafecube.de installiert worden ist.
Wo der Hass hinfällt 2
The Hurt Locker – Tödliches Kommando
Das Action-Drama von Kathryn Bigelow folgt den letzten 40 Einsatztagen eines Bombenräumkommandos im Irak. Wird das dreiköpfige Team den immer heimtückischer werdenden Sprengfallen der Aufständischen zum Opfer fallen? Oder wird der neue Einsatzleiter – seines Zeichens ein Adrenalinjunkie – ihr Schicksal besiegeln?
The Hurt Locker ist ein recht stimmiger Film. Bigelow nervt den Zuschauer nicht mit den üblichen Klischees (nein, es gibt keine soll-ich-den-blauen-oder-roten-Draht-durchschneiden-Szene) und unnötig übertriebenen Pathos (echte Leistung bei dem Thema). Auch die Mischung von Wackelkamera und ästhetisch ansprechend inszenierten Explosionen funktioniert einwandfrei und intensiviert den beklemmenden, fast klaustrophobischen Eindruck, den die unüberschaubare Szenerie des irakischen Kriegsalltags mit sich bringt. Insoweit ist The Hurt Locker wirklich einen Blick wert, es gibt allerdings auch ein großes “ABER”, denn so eindringlich und überzeugend der Film auch inszeniert sein mag, hinter der Story steht ein großes Fragezeichen. So habe ich mich, als die Credits über die Leinwand flackerten, ernsthaft gefragt, was mir dieser Film überhaupt mitteilen will. Der Film erweckt über 90 Minuten den Eindruck auf etwas hinauszuwollen, weist aber letzten Endes nur darauf hin, dass es eben kriegsgeile Adrenalinjunkies gibt. Ach so, ach ja, is’ ja interessant. Sorry, aber da bleibt der Film den Zuschauern wirklich etwas schuldig.
Alles in allem daher “nur” eine sieben…
7/10
District 9
District 9 ist eine Pseudo-Doku über in Südafrika gelandete Aliens und die dadurch enstehenden “Integrationsprobleme”.
Im Prinzip ist das in der zweiten Hälfte zum Actionfilm mutierende Drama ein simpler Kommentar zu Südafrikas Apartheitsvergangenheit und den derzeitigen Problemen mit Flüchtlingsströmen aus den Nachbarländern. Aber keine Angst, der unpolitische Durchschnittskinogänger wird durch District 9 nicht über Gebühr belastet…Tiefgang besitzt der Film nämlich nicht wirklich. Schon die Hintergrundgeschichte – ein Ripoff von Alien Nation übrigens – strotzt so dermaßen von Logikfehlern, dass schnell klar wird, dass dieser Film keinen Wert auf eine Botschaft legt, sondern einfach nur Unterhalten will(erschreckenderweise ist sogar der Kurzfilm auf dem District 9 basiert durchdachter!). Was solls, unterhaltsam ist der Film nämlich tatsächlich, da stört selbst der völlig unmotivierte Übergang von Pseudo-Dokumentarfilm zu normalen Spielfilm nicht mehr (stellt sich allerdings die Frage, weshalb man so ein Stilmittel wählt, wenn man es eh nicht durchziehen will). Wirklich gut gefallen mir allerdings die computergenerierten Aliens, die eine nie gekannte “Körperlichkeit” aufweisen.
Ich muss gestehen, dass mir der Film trotz seiner Unzulänglichkeiten gefällt, aber objektiv betrachtet ist hier einfach nicht mehr als ein fünf drin.
5/10
Offtopic: Lustiger Abend…
Normalerweise poste ich nichts “privates”, aber das hier wollte ich euch nicht vorenthalten.
Hab’ gerade eine Email vom Prüfungsamt “entdeckt”. Ich solle doch meinem Prüfer mitteilen, dass er endlich das Thema für meine Klausur einreicht, damit ich überhaupt an der Klausur am 07.09 teilnehmen kann. Tja, da war ich baff und zwar gleich aus zweierlei Gründen.
1. Warum ist das Thema noch nicht eingereicht worden? (das hatten wir schon vor ein paar Wochen abgeklärt)
und
2. Warum zum Teufel hatte ich als Datum für die Klausur den 23.09 notiert?
So bescheuert das jetzt klingen mag, aber irgendwie amüsiert mich das gerade. Einen Tag vor dem letztmöglichen Einreichtermin erfahre ich, dass das Thema noch nicht eingegangen ist und dass die Klausur zwei Wochen früher stattfindet als ich dachte. War ja klar…wäre seltsam, wenn nicht irgendetwas in dieser Art passiert wäre.
Was nun? Wird der Admin an der Klausur teilnehmen dürfen? Und wenn ja, wird er überhaupt ausreichend vorbereitet sein – nun da ihm nur noch drei statt neunzehn Tage zur Verfügung stehen – um anständig abzuschneiden?



