Archiv für die Kategorie „Kritiken“

Eclipse – oder haben Twilight Fans schon mal einen guten Vampirfilm gesehen?

Ich habe kein Problem mit dem Twilight Franchise. Ich bin mir sogar sicher, dass die Bücher ihre Daseinsberechtigung haben. Gut möglich das sie sogar literarische Meisterwerke sind, die der weiblichen Seele all das geben und abverlangen, was es braucht um etwas Harmonie und Glück zu erzeugen. Wer weiß? Ich habe sie nicht gelesen. Im Endeffekt ist es mir auch schlichtweg gleich, ob ihr euch abends mit Harry Potter in die Kiste legt oder von glitzernden Sex And The City Vampiren träumt. Jedem das seine. Was ich allerdings nicht abhaben kann, ist das sinnentleerte, grundlose Hypen von höchstens mittelmäßigen Filmen. Und seien wir ehrlich, die Twilight Filme haben die Hysterie, die um sie herum entstanden ist, bisher nicht ansatzweise rechtfertigen können.

Der erste Teil war okay. Als Teeny Liebesfilm absolut akzeptabel, wenn auch nicht mehr als ein Abziehbild klischeehafter, pubertärer Liebesvorstellungen. Dass der Film auf der Action- und Effektebene versagte ist dabei bedeutungslos. Schließlich handelt es sich hierbei um Aspekte filmischen Schaffens die dem Großteil der Zielgruppe wohl mit ziemlicher Sicherheit am Allerwertesten vorbei gehen. Ich würde dem Film daher guten Gewissens eine 5 von 10 geben. Der zweite Teil war hingegen, wie es bei Fortsetzungen meist der Fall ist, so etwas wie der hässliche Bruder. Die Lovestory – damit meine ich das kastrierte Etwas, dass die Handlung des ersten Teils fortsetzen sollte – wird noch infantiler und überzeugt einfach gar nicht mehr. In Grauen versetzt wird der Zuschauer nur durch noch schlechtere Effekte und Actionsequenzen als man sie aus dem ersten Teil kannte. Und hier ist das von Bedeutung, da das Augenmerk von den Machern bekanntlich mit Absicht auf die Actionebene verschoben wurde, um auch die männlichen Kinogänger anzusprechen. Der Film ist bei allem Wohlwollen gerade mal eine 2 von 10. Früher wurden derartig schlechte Literaturverfilmungen noch von den Fans abgestraft, heutzutage scheint es dagegen der Fall zu sein, dass die Fans so sehr nach einer Leinwandfassung ihres Lieblingsschinkens lechzen, dass sie alles ohne wenn und aber absegnen. Es kann natürlich auch sein, dass Twilight Fans einfach grundsätzlich nicht wissen was einen guten Kinofilm ausmacht.

Nach all dem neuerlichen Geschrei und den Versicherungen, dass der dritte Teil mit Abstand der Beste der Reihe sei, habe ich mich tatsächlich dazu durchringen können Eclipse eine Chance zu geben. Und ich kann bestätigen, dass die Erträglichkeitskurve wieder nach oben verläuft. Der Film ist deutlich besser als der zweite Teil…er ist allerdings immer noch deutlich schlechter als der erste. Das Skript scheint eine Mischung aus einer schlechten Folge von Buffy und einer durchwachsenen Episode von Verliebt in Berlin zu sein. Die Story konzentriert sich wie im zweiten Teil auf eine schwach konstruierte Dreiecksbeziehung. Da ist Bella, die aus dem Off allerhand Belanglosigkeiten vor sich hin „telenovelat“, Edward, der die Idee des knallharten Softies so perfekt verkörpert, dass man sich fragt, ob diese Figur nicht einfach asexuell ist und natürlich Jacob, der wie gehabt von einem hoffnungslos überforderten Taylor Lautner gespielt wird. Lautner, der nicht nur wie eine 80’er Jahre Actionfigur aus Plastik aussieht, sondern auch spielt als wäre er eine. Die Beziehung zwischen diesen Figuren ist insofern schwach konstruiert, als das jegliche Interaktion zwischen den Charakteren auf hanebüchene Weise vom Autor erzwungen wird. Wieder und wieder werden, zum Teil völlig unlogische, Vorwände gefunden, um Schein-Konflikte entstehen zu lassen. Seinen Höhepunkt erreicht dieses Treiben gegen Ende des Films, wenn Edward Bella an einen „sicheren“ Ort bringt, an dem sie zu erfrieren droht und natürlich nur Jacobs Körperwärme sie retten kann, während Edward den beiden beim Kuscheln nur zusehen darf. Wow, Daumen hoch. Das reicht schon an die perversen Allmachtsphantasien eines leicht sadistisch veranlagten Vierzehnjährigen heran. Weiter will ich auf die dramaturgischen Schwächen des Skripts nicht eingehen – dafür ist mir meine Zeit zu schade – glaubt mir einfach, wenn ich euch versichere, dass Eclipse für angehende Autoren eine Fundgrube an Überlegungen ist, wie man ein Drehbuch nicht(!) schreiben sollte (unnütze Rückblenden, sinnlose Actionsequenzen, hoffnungslos verwurstete Handlungsstruktur und vor allem Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen…etc.).


Aber hey, immerhin hat man mit David Slade einem echten Experten in Sachen Vampiraction das Ruder übergeben – dann sollte die Inszenierung doch zumindest in dieser Hinsicht etwas taugen, oder? Von wegen. Die Effekte sind gegenüber dem zweiten Teil nur unwesentlich besser gelungen. Etwas Lächerlicheres als die computergenerierten Plüsch-Wau-Waus, die sich in der Twilight Saga Werwölfe nennen, wird man auf jeden Fall so schnell bei keinem größeren Hollywoodfilm mehr finden. Das gilt sowohl fürs Design als auch für die technische Ausführung – die Verwandlungen gehören zu den lieblosesten Transformationen, die ich jemals gesehen habe. Die Inszenierung der Actionsequenzen ist auch nicht wirklich überzeugend. Die Sequenzen wirken deplatziert und scheinen meist nur deshalb stattzufinden, weil man Angst hatte, dass die Zuschauer einschlafen könnten, wenn nicht wenigstens jede halbe Stunde jemand durch den Wald gehetzt wird. Tatsächlich scheint Slades Vorstellung von interessanter Action auf abgetrennte, herumfliegende Körperteile beschränkt zu sein (ohne einen einzigen Blutspritzer wohlgemerkt!). Sehr originell. Auch abseits von Action und Effekten ist Slades Arbeit im besten Fall durchschnittlich. Das zeigt sich vor allem in den Details. Das z.B. die ach so animalischen Werwölfe in ihrer menschlichen Form wie geleckt aussehen, hatte der zweite Teil ja schon in Stein gemeißelt. Dass diese Naturburschen, die nur mit Shorts bekleidet herumlaufen, Turnschuhe tragen, will aber einfach gar nicht ins Konzept passen. Was für ein animalischer Kerl…hat wohl Angst sich die Füße schmutzig zu machen. Das mag euch unwichtig, ja auf geradezu lächerliche Weise unbedeutend erscheinen, aber macht euch bewusst, dass das ein klares Anzeichen dafür ist, dass sich die Verantwortlichen nie wirklich mit der Figur eines indianischen Werwolfs auseinandergesetzt haben. Die Inszenierung wurde stattdessen nach Schema F herunter gedudelt. Fertig. Lieblos nenne ich das. Der Film ist es gar nicht wert, dass ich mich noch länger mit ihm auseinandersetze…

Fazit:
Eclipse ist belanglose Dutzendware, die eigentlich direkt auf den DVD Markt geschmissen gehört. Eines steht fest: meine masochistische Ader ist definitiv nicht stark genug ausgeprägt, dass ich mir auch noch den vierten Teil ansehen werde.


4/10

//Nachtrag
Ich habe die ersten beiden Teile übrigens zusammen mit meiner Frau angesehen und sie war wesentlich härter in ihrem Urteil als ich (die Bücher kennt sie ebenfalls nicht).

Bright Falls – Es gibt auch gute Videospielwebserien…

Vor einiger Zeit habe ich mich hier über die aufwändige, aber insgesamt sehr schlechte Live-Action Webserie zu dem PC- und Videospiel “Assassins Creed” ausgelassen. Nun bin ich vor einigen Tagen über eine nicht ganz so aufwändige, dafür aber wesentlich bessere Webserie – sie bewegt sich auf dem Niveau einer besseren Us-Fernsehserie – zu einem Videospiel gestolpert: “Bright Falls”, das die Vorgeschichte für das Spiel Alan Wake liefert.

BF ist ein Mystery-Thriller der von den Arbeiten David Lynchs und Stephen Kings beeinflusst worden zu sein scheint. Die Story wirkt zumindest wie eine Mischung aus den bizarren Traumwelten Lynchs und Kings Geschichten über Kleinstädte, in die der Horror einzieht. Da ich selbst gerade an einer Webserie arbeite finde ich das Projekt natürlich recht interessant. Interessant, weil die stimmungsvollen, in reichlich Schatten getauchten Bilder und der Thriller Plot ein wenig in die Richtung gehen, die mir ursprünglich für mein eigenes Projekt vorschwebte und ich daher die Möglichkeit habe anhand von „Bright Falls“ meine eigenen Überlegungen zur Herstellung einer Krimi/Thriller Webserie zu überprüfen.

Im Prinzip gibt es nur eine Frage, die mich als Filmemacher interessiert: Wie bringe ich möglichst viele Menschen dazu meine Arbeit anzusehen? Da ist BF als Serie durchaus aufschlussreich, weil sie vieles richtig zu machen scheint, aber es trotzdem nicht schafft, ihr „Publikum“ zu halten. Von Folge zu Folge verliert die Serie um die 100.000 Klicks (die Serie hat insgesamt 6 Folgen). Nur die letzte Folge legt hingegen zu. Dazu gleich mehr. (Den Gedanken, dass nicht jeder etwas für Mystery-Thriller übrig hat, lasse ich im Weiteren außer Acht, da BF ja gezielt an Fans des Spiels gerichtet ist)

Aber beginnen wir mit der ersten Folge.

Einen erstklassigen Fehlstart nenne ich das. Warum? Weil der Zielgruppe (zur Erinnerung es geht um ein actionlastiges Videospiel) offensichtlich die Schauwerte fehlten, um am Ball zu bleiben. Wie ich darauf komme? Durch das Ausschlussverfahren. Wie ich schon erwähnte legt die Serie mit der letzten Folge entgegen dem Trend noch einmal zu (um etwa 27.000 Klicks). Allem Anschein nach wurde die letzte Episode von den Usern also häufiger an Freunde weitergeleitet als es zuvor der Fall war. Es stellt sich also die Frage, warum das der Fall ist.

Handwerklich sind alle Folgen recht gut gemacht. Ob Kamera, Licht, Schnitt oder Ton, das alles ist durchaus überzeugend. Einzig beim Set-Design, den VFX und den SFX sind kleine Ausreißer nach unten zu verzeichnen, die aber nicht wirklich ins Gewicht fallen dürften. Handwerkliche Mängel werden also nicht der Grund für den hohen Rückgang an Klicks sein. Die Story ist auch nicht schlecht geschrieben. Die geheimnisvolle Handlung mag dem einen oder anderen zu viele Fragen offen lassen, aber bei Lost funktionierte das auch. Des Weiteren gibt es einen funktionierenden Spannungsbogen, der alle Folgen umfasst, um die Zuschauer bei der Stange zu halten. Zusätzlich hat jede Folge ihren eigenen kleinen Handlungs-„Höhepunkt“, so dass man auch auf der dramaturgischen Ebene keine handwerklichen „Missetaten“ attestieren könnte. Tatsächlich unterscheidet sich die letzte Episode nur in einem vom Rest der Serie: sie gibt der Zielgruppe was sie erwartet. Das wäre zum einen die Hauptfigur des Spiels, Alan Wake, die tatsächlich erst am Ende der letzten Folge zum ersten Mal richtig in Erscheinung tritt. Und zum anderen hätten wir da eine simple aber wirkungsvolle Effektaufnahme von zum Leben erwachenden Schatten. Solche lebenden Schatten sind wohl ein wichtiger Bestandteil des Spiels und daher etwas was die User sehen wollen.

Das Dilemma der Serie besteht mehr oder weniger darin, dass die Macher ein gutes Produkt abliefern wollten. Eine Story die sich Zeit nimmt, um uns in ihre Wirren einzuführen. Eine Kamera, die uns mit eindringlichen Bildern tiefer in die Handlung saugen will. Allein die Fans pfeiffen drauf. Sie wollen ihren Star sehen und ein paar Effekte…um es überspitzt zu sagen: die Fans legen das Verhalten eines Pornokonsumenten an den Tag, der sich aus Versehen einen Film mit „Handlung“ ausgeliehen hat und nun entnervt abschaltet, weil er auch nach längerem vorspulen immer noch nicht beim „Wesentlichen“ angelangt ist.

Als Schluss sollte man daraus nun nicht ziehen, dass man in jede Episode mindestens eine sinnlose Explosion einbauen sollte. Allerdings muss man beim Schreiben einer derartigen Serie wohl oder übel berücksichtigen, dass die Mehrheit der potenziellen Zuschauer einen Knalleffekt braucht, um auch die nächste Episode anzuklicken.

The Warriors: Wie ein dreißig Jahre alter Film Sin City locker in die Tasche steckt!

Als ich mich gestern ein wenig auf My Life In Reverse umgesehen habe, ist mir mal wieder aufgefallen wie viele kleine (und große) Filmperlen der Mehrheit der Filmenthusiasten unbekannt sind. Also will ich zur Abwechslung darauf verzichten Filme niederzumachen und stattdessen einen meiner Lieblinge anpreisen. ;-)

In den USA ist “The Warriors” ein Stück Popkultur. In Europa kennt den Film praktisch niemand (ausgenommen ein paar Kids, die sich das schwache gleichnamige Videospiel reingezogen haben). Nun man muss sicherlich nicht alles kennen was in den USA Ruhm erlangt hat, aber in diesem speziellen Fall entgeht dem Kinofan einiges, denn „The Warriors“ ist aus gutem Grund zum Kultfilm geworden.

Der Erfolg des Films ist dabei nicht in erster Linie das Verdienst von Regisseur Walter Hill, der sich wie viele Regisseure seiner Generation am Werk des brillanten Akira Kurosawa orientierte als er “The Warriors” drehte (was sich besonders deutlich im Showdown – eine offensichtliche Hommage an Yojimbo – wiederspiegelte). Es lag auch nicht allein an dem großartigen Soundtrack, der den Film auf eine andere Ebene katapultiert und ihn streckenweise allein anzutreiben scheint. Ganz sicher lag es auch nicht an der Story. Die ist nämlich – wie bei den meisten Actionfilmen – eher dämlich, stellenweise unfreiwillig komisch und recht pubertär: die Warriors müssen sich eine Nacht lang durch das Gebiet feindlicher Gangs schlagen (im wahrsten Sinne des Wortes). Aus diesem Grund empfehle ich hier auch ausdrücklich den 2005 erschienen Director’s Cut, der sich selbst nicht mehr so ernst nimmt und die Verweise zum Medium des Comics noch stärker herausarbeitet…was die Story auf ein akzeptables Level hebt.

Nein, was “The Warriors” wirklich einzigartig macht, ist sein Look. Einige Szenen wirken derart stilisiert, dass man sie getrost als sich bewegende expressionistische Gemälde bezeichnen darf. Vor allem die Eröffnungssequenz muss in ihrer drastischen Bildästhetik manchem Kinogänger 1979 wie ein Schlag ins Gesicht vorgekommen sein. Was Kamermann Andrew Laszlo hier, wenn auch nur in einigen wenigen Einstellungen, fabrizierte dürfte den heutigen Zuschauer, der das visuelle Extrem gewohnt ist, nicht mehr sonderlich kratzen. Vor dreißig Jahren aber war das schlichtweg unglaublich und nahm im Prinzip eine Optik vorweg, für die Sin City Jahrzehnte später gefeiert werden sollte (und das in Farbe…jeder der etwas Erfahrung mit Fotografie gesammelt hat, weiß das es wesentlich einfacher ist ein stimmungsvolles Schwarzweißbild zu erschaffen).

Und das Beste daran? Der Look war ein “Unfall”. Das verfügbare Filmmaterial war nicht sonderlich lichtempfindlich und das Budget lies kein großes Lichtequipment zu, also filmte Laszlo einfach “auf gut Glück”. Das Ergebnis ist Filmgeschichte…

Verblendung – Verdammnis – Vergebung…vergessen.

Seit einigen Tagen läuft der letzte Teil der Millennium-Trilogie, Vergebung, in unseren Kinos. Die ersten beiden Teile waren international ein großer Erfolg – allein der erste Teil hat weltweit fast 100 Millionen Dollar eingespielt – und von allen Seiten wird geflüstert, dass man sich diese Reihe auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Aber ist die Trilogie wirklich so überragend?

Nun eines kann vorweg mit Sicherheit gesagt werden: die deutschen Titel sind Quark. Verblendet war hier nur der für die Titelübersetzung zuständige Lektor/Redakteur des Heyne Verlags. Weshalb man der Millennium Reihe einen pseudo-religiösen Touch verleihen wollte, indem man sich auf die bedeutungsschwangeren Worte “Verblendung”, “Verdammnis” und “Vergebung” verlegte, ist mir schleierhaft. Tatsächlich geht es in allen drei Büchern/Filmen um Männer, die Frauen hassen (so ungefähr heißt der erste Teil im Original). Oder besser: Männer hassen Frauen. Punkt. Stieg Larsson, der verstorbene Autor der Buchreihe, lässt keinen Zweifel daran, dass er dieser Meinung war. Männer, die junge Frauen foltern. Sabbernde Greise, die junge Mädchen vergewaltigen. Ein Vater, der seinem Sohn zeigt wie man Frauen ermordet. Wo man auch hinschaut, in Larssons Romanen scheinen Männer grundsätzlich eine Gefahr für das weibliche Geschlecht zu sein. Ab einem bestimmten Punkt möchte man den weiblichen Charakteren, wenn sie auf der Leinwand mit männlichen Figuren agieren, zurufen: “Lauf weg! Merkst du denn nicht das er ein Mann ist?” Okay, im Kern liegt Larsson ja mit seinem pessimistischen Männerbild richtig. Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der männlichen Gewalt. Kein Zweifel. Doch Larsson verdichtet die negativen Aspekte der männlichen Natur auf eine Weise, dass die Handvoll anständiger Männer in seiner Geschichte wie die Ausnahme, die die Regel bestätigt, erscheint. Wäre ich ein Alien und Larssons Story wäre meine einzige Informationsquelle in Sachen menschlicher Kultur, würde ich vermutlich davon ausgehen, dass ein alltägliches Gespräch unter Männern mit folgendem Satz beginnen würde: “Und wen hast du heute vergewaltigt?” Aber gut, ich schweife ab. Reden wir lieber über die Filme…

Verblendung: Der Journalist Mikael Blomquist und die vom Schicksal (also von den Männern) gebeutelte Hackerin Lisbeth Salander machen Jagd auf einen Serienmörder. Interessanter Weise erweckt der Film gar nicht den Eindruck den Beginn einer Trilogie zu markieren. Bis auf die eine oder andere Frage, die Hauptfiguren betreffend, bleibt die Story dem Zuschauer eigentlich nichts schuldig. Es handelt sich schlicht und einfach um einen Serialkiller-Thriller wie er im Handbuch steht. Spannend, aber nicht ungewöhnlich. Das Genre wird sicherlich nicht neu erfunden. Im Gegenteil, die üblichen Klischees werden auch hier bedient. Dass die Handlung auch noch einige – wenn auch wenige – Längen aufweist verhindert eine überdurchschnittliche Wertung in meinen Augen vollends.

Ein großes Kompliment verdienen die Macher aber allein schon der Optik wegen. Der Film sieht locker zwei bis drei Mal so teuer aus, als er es wohl tatsächlich war (das Budget lag bei etwa 13 Millionen Dollar). Es ist wirklich beeindruckend wie die Schweden mit wenig Mitteln das absolute Maximum erzielen.

6/10

Verdammnis: Hat eigentlich keinen anderen Zweck als die Lücke zum dritten Teil schließen. Erweckt zu Beginn den Anschein das Thema Zwangsprostitution behandeln zu wollen, um dann relativ unmotiviert (um nicht zu sagen schlecht konstruiert) den Fokus auf Lisbeths Hintergrundgeschichte zu verschieben. Von Bedeutung für die die Trilogie umspannende Handlung sind vielleicht 10-15 Minuten. Ansonsten nur mäßig spannend, oftmals banal und vor allem überflüssig. Hier offenbart die Millennium Trilogie das sie tatsächlich „groß“ ist. Großes Fernsehen! Mit Kino hat das nur noch entfernt zu tun. Das grundlegende Problem des Films lässt sich wunderbar an der Figur des Bösewichts Niedermann beschreiben. Im Prinzip handelt es sich um eine clever gezeichnete Figur, die als Spiegelbild für Lisbeth fungieren soll. Lisbeth ist klein und zierlich. Niedermann ist ein muskelbepackter Riese. Lisbeth ist schwarzhaarig. Niedermann fast strohblond. Lisbeth wird von großen seelischer Pein heimgesucht. Niedermann ist unfähig physischen Schmerz wahrzunehmen…und so weiter und so fort. Tja, aber leider bleibt von dieser cleveren Idee auf der Leinwand nichts mehr übrig. Dort sieht der Zuschauer nur einen weiteren Bösewicht aus der Klischeeretorte (eigentlich fast ein klassischer Bondbösewicht – Niedermann ist natürlich Deutscher). Blass inszeniert und in seinem Auftreten fast konturlos. In diesem Sinne versiebt der Film sämtliche seiner (wenigen) guten Ansätze.

Neben dem schwächelnden Drehbuch ist Verdammnis auch auf der visuellen Ebene enttäuschend. Von der Optik des ersten Teils ist dieser Film weit entfernt. Die meisten Kameraeinstellungen wirken nicht gerade als seien sie das Ergebnis eines durchdachten Konzepts (es sei denn das Konzept lautete möglichst mutlos zu agieren). In der einen oder anderen Szene schlägt gar der Videolook durch. Es scheint als hätte sich der Regisseur vorgenommen dem Zuschauer vor Augen zu führen, dass die Trilogie ursprünglich nur als Fernsehproduktion geplant war (die Kinofilme sind übrigens nur gekürzte Fassungen der Fernsehversionen). Für Fernsehmaßstäbe immer noch sehr gut, aber im Kino hat das nichts zu suchen.

3/10

Vergebung: Aufstand der Rentnergang. So hätte mein Vorschlag für die Titelübersetzung an den Heyne Verlag für den dritten Teil gelautet. Eine geheime Altherren-Truppe, deren Mitglieder hohe Staatsämter inne haben (oder hatten), verschwört sich gegen Lisbeth, um zu verhindern, dass die Verwicklungen der Gruppe in kriminelle Geschäfte aufgedeckt werden. Die Serie entwickelt sich nun also zu einer Art Polit-Thriller und macht das wirklich gar nicht so schlecht. Zwar sind auch im dritten Teil fernsehtypische Handlungsbanalitäten zu finden, aber alles in allem ist die Story (vor allem im Vergleich zum zweiten Teil) wieder richtig spannend. Spannend genug auf jeden Fall, um auch über die im dritten Teil vorhandenen visuellen Schwächen hinwegzutrösten. Wer die ersten Teile nicht gesehen hat sei jedoch gewarnt: ohne Vorkenntnisse entfaltet der Film nicht seine volle Wirkung, dürfte Stellenweise sogar richtig langweilig werden.

6/10

Zusammengenommen gebe ich der Trilogie, trotz des sehr schwachen zweiten Teils, noch eine 6/10. Allerdings nur weil ich heute einen guten Tag habe, denn eigentlich müsste man die Filmreihe allein schon deswegen hart abstrafen, weil sie dem Grundthema der Bücher nicht einmal im Ansatz gerecht wird. Ich weiß nicht wie ausführlich die Bücher in ihren Beschreibungen sind, aber es scheint doch recht offensichtlich zu sein, dass Larssons Romane ein Statement gegen die Objektivierung von Frauen durch Männer sind. Die Filme unterliegen aber – wie eigentlich fast alle Kinofilme – genau jenen Mechanismen, die zu einer Objektivierung der Frau führen. Mehr als wie in der Millennium-Trilogie kann man weibliche Darstellerinnen eigentlich nicht ausbeuten. Man hat sich auf jeden Fall sehr viel Mühe gegeben, um die Hauptdarstellerin möglichst oft nackt, beim Sex mit einem Mann, oder einer Frau, inszenieren zu können. Die sehr ausführlich dargestellten Vergewaltigungen würde ich sogar auf eine Ebene mit alten Exploitation Filme stellen. Wer’s braucht…wenigstens im dritten Teil scheint den Machern aber diese Widersprüchlichkeit aufgefallen zu sein. Nackte Haut wurde hier entsprechend auf das notwendige Minimum reduziert.

Fazit: Ein Blick lohnt, aber alles in allem nur guter Durchschnitt, den man nicht zu vergessen braucht, aber vermutlich wird.

Warum hasse ich…Robin Hood!?

Oberflächlich betrachtet ist Robin Hood ein einigermaßen unterhaltsamer und ziemlich durchschnittlicher Hollywoodstreifen. Ein Saubermann als Held, viel Action und eine nicht allzu fordernde Story. Bei näherer Betrachtung fällt aber recht schnell auf, dass sich Ridley Scotts neuer Film in erster Linie durch Widersprüchlichkeiten auszeichnet.

Das fängt schon in der Person des Robin Hood an. Der ist ein netter, aufrichtiger und geradezu ritterlicher Kerl – eben ein Held wie er im Bilderbuch steht. Warum das widersprüchlich sein soll? Nun zu Beginn des Films wird dem Zuschauer erzählt, dass die Kinder Nottinghams “verwildert” im anliegenden Wald hausen und die Gegend terrorisieren, weil sich ihre Väter auf einem Kreuzzug im heiligen Land befinden. Ohne Vorbild kein wohlerzogenes Kind lautet die psychologische Gleichung, die der Drehbuchautor hier heranzieht (er ist offensichtlich Abonnent der „Psychologie Heute“ und der Meinung, dass alleinerziehende Mütter ihre Kinder “verwildern” lassen). Dumm nur, dass auch Robin bereits mit sechs Jahren von seinem Vater “in die Welt der Männer entlassen” wurde. Warum aber wird aus Robin (seine Mutter wird erst gar nicht erwähnt. Da zeichnet sich doch ein Bild ab…vielleicht sollte sich der Drehbuchautor auf ein klärendes Gespräch mit seiner Mutter treffen) ein moralisch einwandfreier Gutmensch, der für das “Richtige” eintritt, während die Kinder Nottinghams am Rad drehen?

Nein, es ist doch ziemlich offensichtlich, dass die Figur des Robin Hoods am Reisbrett entworfen wurde, um die hoffnungslos zerfahrene Story halbwegs glaubhaft beieinander zu halten. Er ist ein bisschen der kämpferische Aufständische alá Spartakus, ein wenig ein Feldherr wie George Washington, noch dazu der Typ der irgendwie die Magna Carta durchgesetzt hat und wenn es hart auf hart kommt auch ein eloquenter Rhetoriker, der es selbst mit Cicero aufgenommen hätte (kein Wunder, ist sein Vater doch ein philosophischer Steinmetz gewesen…lol, das ist eine dermaßen dümmliche Idee, dass ich sie nicht auch noch extra durch den Kakao zu ziehen brauche). Vor allem aber ist der gute Robin ein Mann aus der Mitte des Volks – der Zuschauer muss sich ja identifizieren können – auch wenn das bedeutet, dass man sich völlig von einer glaubwürdigen Charakterzeichnung verabschiedet. Als ob es dem Zuschauer Probleme bereiten könnte sich mit diesem bis zur Unkenntlichkeit glattgeschmirgelten Tausendsassa zu identifizieren.

Widersprüchlichkeit findet sich aber auch auf der visuellen Ebene. Als geradezu legendär daneben würde ich beispielsweise den Showdown bezeichnen. Die bösen Franzosen landen an der Küste Englands und Robin versucht sie mit seinen Mannen zurückzuschlagen. Aus unerfindlichen Gründen hat sich Scott für diese Invasion die Landung der Alliierten in der Normandie im zweiten Weltkrieg zum Vorbild genommen. Die Landungsboote der Franzosen wirken wie mittelalterliche Vorgänger jener Boote, die die Amerikaner verwendeten. Auch werden die französischen Truppen zum großen Teil, noch bevor sie die Boote verlassen können, vom Pfeilhagel der Engländer niedergemetzelt. Genauso wie es damals den armen Schweinen ging, die von deutschen MG-Stellungen niedergemäht wurden. Vollends auf den Gipfel getrieben wird diese Übereinstimmung, wenn Scott dem Zuschauer auch noch Bilder des sich vom Blut Rot färbenden Meereswassers präsentiert. Was aber will uns der Regisseur mit dieser Analogie sagen? Das die Franzosen arm dran sind und Robin Hood eigentlich auch nur ein besserer Nazi ist? Oder bedeutet das alles vielleicht doch nur, das Ridley Scott mit der Zeit zu einem dermaßen ignoranten Stümper mutiert ist, dass er mittlerweile glaubt er könne seine Zuschauer völlig nach Belieben mit Bildern aus dem Fundus des kollektiven Unterbewusstseins füttern, weil sie sowieso nicht in der Lage wären, eins und eins zusammen zu zählen? Aber vielleicht bemerkt der gute Mann einfach generell nicht mehr was er tut.

Nur noch mit dem Kopf schütteln kann ich auch, wenn ich sehe, dass der Film, der ja in gewisser Weise ein „Robin Hood Begins“ sein will, es nicht einmal fertig bringt, dem Zuschauer zu erklären, warum Robin den Beinamen “Hood” verliehen bekommt. Robin heißt in Scotts Version eigentlich Longstride, gibt sich im Verlauf der Geschichte als Sir Loxley aus (dieser Name wird den meisten aus früheren Verfilmungen des Stoffs schon eher bekannt vorkommen), um dann am Ende des Films plötzlich als Robin Hood bezeichnet zu werden. Allein es wird nicht einmal im Ansatz zu erklären versucht, woher dieser Name kommt. Das ist Beispielhaft für die gesamte Handlung, die insgesamt den Eindruck hinterlässt, als würden Handlungselemente wahllos aufgegriffen, fallengelassen, verdreht oder schlichtweg vergessen. Hier zeigt sich aufs deutlichste, was das mehrmalige Umschreiben eines Drehbuchs für negative Konsequenzen haben kann (vielleicht ist der Film aber auch im Schnitt verstümmelt worden). Ich vermute, dass hier in einem Ausmaß am Skript herumgedoktert wurde, dass der Autor, Brian Helgeland, der für die letzte Fassung des Drehbuchs verantwortlich zeichnet, bei einigen Szenen selbst nicht mehr wusste, weshalb sie ursprünglich im Skript standen. Nach dem Motto: „Wofür war das noch mal? Egal, hört sich cool an. Lassen wir drin“.

Aus einigen Szenen lassen sich nämlich noch durchaus gewisse Theorien zur Namensentstehung ableiten. “Hood” was so viel wie Kapuze heißt, könnte man im Zusammenhang mit einem Gesetzesbrecher als Maskierung interpretieren. Siehe da, der Anführer der verwilderten, diebischen Kinder trägt eine Maske (wie aus einem schlechten Horrorfilm). Da liegt die Vermutung nahe, dass in einer früheren Fassung des Drehbuchs aus eben jenem maskierten Anführer Robin Hood werden sollte. Dann wäre auch die erwähnte psychologische Gleichung im Zusammenhang mit Longstrides Vorgeschichte keineswegs mehr widersprüchlich. So aber handelt es sich einfach nur um eine seltsame Figur, die im Prinzip grundlos in die Geschichte eingefügt wurde.

Tja, Robin Hood will originell sein, ist aber nur ein klischeehafter Mix aus einem halben Dutzend anderer Verfilmungen des Stoffs. An sich wäre das ja tolerierbar, würde der Film nicht den Fehler begehen und dem Zuschauer weismachen wollen, dass er die “wahre” Geschichte hinter dem Mythos erzählen würde…wer so anmaßend ist, wird von mir entsprechend hart beurteilt.

4/10

Lang ist’s her…

Sorry, dass ich so lange nichts mehr von mir hab‘ hören lassen, aber zu Abwechslung habe ich dafür tatsächlich einen triftigen Grund: ich bin in den Stand der Ehe eingetreten. Die Vorbereitungen dafür haben mir in den letzten Wochen einfach keine Zeit für den Blog gelassen. Aber gut, mein Privatleben hat hier nichts zu suchen, also werde ich nicht weiter darauf eingehen. :-p

Den einen oder anderen Film habe ich natürlich in letzter Zeit gesehen, aber ich denke es macht wenig Sinn jetzt noch ein paar richtige Kritiken zu Filmen „rauszuhauen“ , die bereits wieder aus den Kinos verschwunden sind…außerdem fehlt mir dafür ehrlich gesagt im Moment die Muse ;-) . Also werde ich stattdessen einfach nur ein Fazit von zwei drei Sätzen zu jedem Film liefern. Wer es genauer wissen will kann seinem Unmut ja in den Kommentaren Luft machen (beim nächsten Mal gibt es dann wieder ausführlichere Kritiken).

Auftrag Rache
Solider Thriller, der leider zu oft von knallharter Action zu fürchterlich naivem Kitsch wechselt. Mel Gibson ist alt geworden, hat‘s aber noch drauf.
6/10

Das Bildnis des Dorian Gray
Qualitativ betrachtet eine einzige Berg- und Talfahrt und zwar in fast jedem filmischen Aspekt. Vor allem an der schwankenden Leistung der Darsteller und der Effekte (ich sag nur grottige Mystery-Rückblenden) dürfte sich mancher Zuschauer das Cineasten-Herz blutig gerieben haben. Alles in allem aber immer noch passabel und unterhaltsam.
5/10

From Paris with Love
Tja, Jason Statham war nicht zu kriegen, also hat man sich John Travolta gekrallt…wtf? Im Ernst, wer kauft dem dicken Johnny denn die Rolle eines agilen Kung Fu geübten CIA-Agenten ab? Vermutlich sollte dieser Besetzungscoup von der Story ablenken, die den Eindruck hinterlässt, als wäre sie von einem vollautomatischen Computerprogramm zusammengestückelt worden. Allerdings muss ich dem Film zugestehen, dass er zumindest streckenweise ganz amüsant ist.
4/10

Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest
Etwas träge kommt die episodenhafte Erzählung dieses Cop-Dramas daher, aber letzten Endes wird der Zuschauer nicht enttäuscht. Gut besetzt und überzeugend gespielt, aber leider fügt der Film dem Genre nichts hinzu was man nicht schon zig Mal gesehen hat…
6/10

Kampf der Titanen
Macht nicht mal ansatzweise den Versuch die wenigen Lücken zwischen dem Actionsequenzen mit so etwas wie einer Story zu füllen – aber das war ja zu erwarten. Schlimmer ist da schon der fragwürdige Einsatz der 3D Technologie, den man höchstens als „alibimäßig“ umschreiben kann. KdT zeigt wie unzeitgemäß 3D sein kann…
3/10

Warum hasse ich…Alice im Wunderland!?

Ich bin ein großer Fan von Tim Burton, aber um nicht lange drum herum zu reden: sein neuer Film ist Mist. Visuell mal wieder absolut überragend (keine Frage, wer einfach nur wunderschönes Effektkino erleben will, wird diesen Film lieben), aber inhaltlich eine Katastrophe.

Die Story ist so dünn, das der rote Faden an dem sie hängt gar nicht reißen kann: Alice muss Drachen töten – Ende. Wenn die Geschichte wenigstens überzeugend erzählt würde, aber nein, auch hier herrscht der in letzter Zeit im Kino üblich gewordene hoppla-di-hopp-wir-haben-doch-keine-Zeit-Erzählstil vor. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass der Film ja gar nichts zu erzählen hat. Viel schlimmer als der erzählerisch krankende Plot ist aber die verlogene Pseudo-Moral die dem Zuschauer hier aufgetischt wird. Angeblich soll uns der Film verdeutlichen, dass es ganz gut ist, wenn man ein Freigeist, Träumer oder vielleicht sogar leicht Verrückter ist. Tatsächlich bricht der Film aber an allen Ecken und Enden mit dieser Idee und präsentiert uns stattdessen eine für die Konsumgesellschaft weichgespülte und pervertierte Version.

Ein Visionär zu sein heißt hier, dass man weiß wie man Kohle scheffeln kann (Glückwunsch Alice). Des weiteren bedeutet es scheinbar, dass man es sich herausnehmen kann andere Menschen wegen deren Verrücktheit abzukanzeln (was Alice am Ende des Films mit ihrer Tante macht). Verblüffend sind auch die teilweise unglaublich undifferenziert dargestellten Figuren der Geschichte. Da wäre z.B. die weiße Königin, die natürlich durch und durch gut ist und sogar geschworen hat niemals ein Lebewesen zu töten – seltsamer Weise hat diese Figur aber gar kein Problem damit ihre Zaubertränke aus toten Lebwesen zu brauen. Ganz zu schweigen davon, dass Alice die Drecksarbeit für die weiße Königin erledigt, wenn sie gegen den Drachen in den Kampf zieht. Ach ja, wo wir es gerade davon haben: Töten ist natürlich auch eine schlimme Sache, es sei denn Alice tut es…mein Gott, würde sich der Film die Zeit nehmen etwas näher auf diese „Problemzonen“ einzugehen (ich vermute mal, dass das ursprünglich auch so von den Filmemachern geplant war), dann hätte dieser Film richtig Tiefgang! Es ist zum Haare raufen. Die Botschaft der Geschichte lautet eigentlich, dass man bereit sein muss seinen “Kaninchenbau” zu verlassen, um sich weiter zu entwickeln. Tatsächlich unternimmt der Film aber alles, damit der Zuschauer in eben jenem Bau bleibt…tja, wenigstens läuft im Abspann ein seichter Popsong. Die Kids brauchen ja etwas das man ihnen verkaufen kann. Es sind Filme wie dieser, die den Namen Disney in Verruf gebracht haben.

Da der Film visuell großartig geraten ist und bei oberflächlicher Betrachtung durchaus großen Unterhaltungswert besitzt, gibt es von mir trotz allem noch vier Sterne.


4/10

Ps. Der Film basiert nur entfernt auf den beiden Geschichten von Lewis Carroll und ist aufgrund seiner zum Teil recht düsteren Bilder nichts für kleine Kinder.

Wo der Hass hinfällt 26.02.2010

A Serious Man

Der neue Film der Coen Brüder hat mich ehrlich gesagt etwas gelangweilt. Ich vermute das liegt darin begründet – und das mag sich jetzt paradox anhören – das der Film einfach zu gut gemacht ist. Der Film führt uns das “normale” Leben mit all seinen kleinen Problemchen und Absurditäten vor Augen. Und das macht er eben zu gut. Das normale Leben plätschert nunmal nur vor sich hin, wenn man es von aussen betrachtet. Selbst die größten Schicksalschläge sind nicht mehr als eine Randnotiz bei einem Kaffeekränzchen, wenn man nicht selbst betroffen ist und genau diesen Effekt erzielt auch “A Serious Man”. Nach dem Film denkt man sich kurz, das das Leben halt so sei, seufzt, und dann vergisst man den Film wieder.

Ja ich weiß, als Pseudo-Intellektueller sollte ich diesen Film über einen Uni-Dozenten und sein aus dem Ruder laufendes Leben klasse finden…tue ich aber nicht, auch wenn ich zugegebenermaßen ab und zu schmunzeln musste. Es ist ja auch großartig, dass es der Film versteht in jeglicher Hinsicht seine “Botschaft” zu transportieren – das schaffen schließlich die wenigsten Filme – aber was bringt mir das als Zuschauer, wenn mich das Gezeigt gerade deshalb nie so wirklich mitreißt?


4/10

Wolfman

Der Stab von Wolfman liest sich wie ein kleines Who-is-Who der jüngeren Filmgeschichte. Gleich vier Oscarpreisträger (Anthony Hopkins, Benicio Del Toro, Walter Murch und Joe Johnston) haben an diesem Film mitgewirkt (und mit Danny Elfman ein Komponist, der immerhin vier Mal für den Oscar nominiert war). Da sollte doch ein interessanter Film zustande kommen, oder? Die Antwort ist ein klares „Jein“. Die gebotene „Qualität“ schwankt einfach zu sehr, um zu einem anderen Schluss kommen zu können. Man wird einfach nicht das Gefühl los, dass sich der eine oder andere große Namen nur des Geldes wegen auf Wolfman eingelassen hat.

Da wäre Hopkins, der seine Rolle zwar routiniert herunterspielt, aber zugleich den Eindruck hinterlässt, als ob er sich für diesen Film nicht unnötig überanstrengen wolle. Elfman scheint es Hopkins gleich tun zu wollen. Sein Soundtrack ist durchaus stimmungsvoll geraten, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen das große Teile aus Sleepy Hollow (gut, hier kopiert er sich wenigstens selbst) und Bram Stokers Dracula „entlehnt“ wurden. Die Arbeit der Drehbuchautoren scheint ebenfalls diesem Arbeitsprinzip entsprungen und nicht allzu fordernd gewesen zu sein, denn die Story des Originals (The Wolf Man) wurde fast eins zu eins übernommen. Nur um einen klischeehaften Vater-Sohn Zwist und das viktorianische Setting wurde die Story ergänzt (halt das stimmt nicht, es wurden auch noch einige Motive aus anderen Horrorfilmen übernommen, aber darauf will ich nicht näher eingehen, um nicht Gefahr zu laufen die Story zu spoilern). Bequemlichkeit scheint hierfür die einzige Erklärung zu sein…naja, zumindest wird es die Fans des Originals freuen.

Das soll nicht heißen, dass das alles schlecht gemacht wäre, nein, Wolfman ist ein durchaus stimmiges Schauermärchen, es ist nur vielmehr so, dass der Film doch etwas altbacken daher kommt und sich dabei so ernst nimmt, dass man nur verwundert den Kopf schütteln kann.


5/10

Warum hasse ich…Sherlock Holmes ?!

Guy Ritchie ist offensichtlich ausgezogen, um die Figur des Sherlock Holmes neu zu erfinden. Bereits die ersten 10 Minuten des Films bieten mehr Action als etwa 75 Prozent aller vorherigen Verfilmungen von Arthur Conan Doyles Krimigeschichten zusammen (und das will etwas heissen, denn Sherlock Holmes ist, neben Dracula, die wohl am meisten auf Zelluloid gebannte Figur in der Geschichte des Kinos). Nein, die ersten Minuten lassen keinen Zweifel: dieser Holmes will anders sein. Aber ist er das auch wirklich?

Nicht wenige Fans, die die Figur des Sherlock Holmes mit Größen wie Peter Cushing oder Basil Rathbone verbinden, dürften reichlich geschluckt haben als ihnen bewusst wurde , dass tatsächlich Robert Downey Jr. für die Rolle besetzt wurde. Eine klare Entscheidung gegen das klassische Erscheinungsbild der Figur (amüsanter Weise entspricht Holmes’ Widersacher – besetzt mit einem sehr gut aufgelegten Mark Strong – ziemlich genau diesem klassischen Bild…Ritchie hat eben Humor). Auch charakterlich scheint sich der “neue” Holmes von seinen “Vorgängern” zu unterscheiden. Dieser Holmes nimmt Drogen, prügelt sich und ist offensichtlich psychisch gestört. Denkt man aber kurz über diese Darstellung nach, wird einem sofort bewusst – gesetz man hat die eine oder andere Conan Doyle Geschichte gelesen – das diese “Erneuerung” eigentlich gar keine ist. Conan Doyle selbst beschreibt den guten Holmes ja als einen selbstverliebten Egomanen, der an einer Form von manischer Depression leidet und eben jenes Leiden durch Drogenkonsum zu behandeln sucht. Dieser Aspekt der Figur wird in der Regel einfach ausgeblendet, so dass nur die Hülle des genialen Detektivs mit dem messerscharfen Verstand übrig bleibt. Im Prinzip sehen wir also keinen “neuen”, sondern den “echten” Sherlock Holmes. Insofern ist die Besetzung der Rolle mit Downey Jr., der Holmes die Anmutung eines traurigen Clowns verleiht, brillant und absolut richtig.

Leider kann Ritchies Inszenierung mit seinem Anspruch der “Erneuerung” nicht mithalten. Sie ist zwar stellenweise recht gewitzt und versprüht den typischen Guy Ritchie Charme, aber des öfteren ist sie auch einfach nur plump. Ich will das an einem Beispiel demonstrieren: Sherlock Holmes Fähigkeit Abläufe aufgrund seiner genialen Kombinationsgabe zu berechnen. Um den Teenies zu zeigen weshalb es eigentlich ganz “cool” ist, ein schlaues Kerlchen zu sein (zumindest ist das meiner Meinung nach die eigentlich Motivation hinter diesen Szenen), zeigt uns Ritchie mehrmals wie Holmes einen Kampf im Voraus berechnet. Wir spulen quasi vor (sehr stylisch mit Timeramps aufgezogen…erinnert stark an Snatch) und hören dabei Holmes Folgerungen, die soweit gehen, dass sie sogar den Zeitraum voraussagen, den die psychologische Genesung des “Opfers” in Anspruch nehmen wird. Das ist drehbuchtechnisch richtig gut, weil es uns eine Menge über die Figur des Sherlock Holmes verrät – was für ein Kerl muss das sein, der nicht nur so eine Fähigkeit besitzt, sondern diese auch noch mt der Kaltblütigkeit eines Psychopathen einsetzt? Das Problem ist nur, dass der Zuschauer dann auch noch die Ausführung zu sehen bekommt. Der Vorgang findet also zweimal statt und das ist schlicht und einfach unnötig wie Kropf und langweilig. Gut, beim ersten Mal trägt es wenigstens inhaltlich noch etwas bei, weil wir Holmes selbstverliebte Reaktion beim Gelingen seiner Aktion beobachten können, aber beim zweiten Mal ist es einfach nur noch eine sinnlose Spielerei. Und gerade dann, wenn diese Spielerei richtig interessant werden könnte – nämlich dann wenn Holmes es mit einem ihm überlegenen Gegner zu tun bekommt – verzichtet Ritchie auf ihren Einsatz! Sorry, aber genau da wäre es doch interessant zu erfahren, was der Figur durch den Kopf geht.

Die CSI typischen wir-ermitteln-und-sehen-Flashbacks-Szenen sind auch nicht gerade originell. Originalität ist grundsätzlich ein überraschend großes Problem des Drehbuchs. Wer heutzutage immer noch seinen Detektiv den Ort des nächsten Mords durch das Aufzeichnen eines Pentagramms auf einer Stadtkarte ermitteln lässt, gehört selbst rituell geopfert. Auch Logikfehler weißt das Drehbuch zuhauf auf (Offensichtlichste Logikfehler! Und das bei Sherlock Holmes…das ist ja an Ironie nicht mehr zu überbieten). Da springen Menschen ins Wasser und sind in der nächsten Einstellung wie durch ein Wunder von der Nässe befreit und eine Verfolgungsjagd, bei der es immer tiefer hinab geht, endet auf einem der höchsten Punkte der Stadt (wenigsten wird das selbstironisch mit einem “Du bist wohl irgendwo falsch abgebogen!” kommentiert), um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Egal, im Prinzip lohnt sich der Kinobesuch nämlich schon allein wegen des großartigen Soundtracks und der überragend animierten Credits (!). Und der Film selbst ist ja trotz seiner Schwächen wirklich sehr unterhaltsam geraten. Witz, Action und spielfreudige Schauspieler…der Daumen geht klar nach oben.


7/10

Warum hasse ich…Das Kabinett des Dr. Parnassus!?

Eine Kritik über “Das Kabinett des Dr. Parnassus” zu schreiben gestaltet sich ungewöhnlich kompliziert…zumindest in meinem speziellen Fall. Zuerst wollte ich nur ein paar Zeilen schreiben, dann wurde daraus ein Plädoyer für “schlecht” geschriebene/geschnittene Filme, das ich komplett löschte weil es prätentiöser Mist war (also in einem noch größeren Umfang, als das in der Regel ohnehin bei mir der Fall ist) und nun versuche ich mich erneut an einer kürzeren Kritik. Woran liegt das? Nun, Parnassus ist ein etwas ungewöhnlicher Film – inhaltlich wie formal.

Die Story des unsterblichen Dr. Parnassus, der mit seiner heruntergekommen Gauklertruppe durch die Welt tingelt, ist – typisch für einen Film von Terry Gilliam – skurill und verquer. Zentrales Handlungselement ist dabei der Spiegel des Dr. Parnassus. Wer durch diesen hindurch tritt findet sich in der Gedankenwelt des Doktors wieder, die den Besucher mit dessen eigenen Phantasien in surrealen Traumwelten konfrontiert. Um diesen Spiegel herum entwickeln sich mehrere mteinander verwobene Handlungsstränge: ein Wettstreit mit dem Teufel, eine Dreiecksbeziehung innerhalb der Gauklertruppe und die Frage nach der Identität des dubiosen Fremden, der die Gauklertruppe zu neuem Erfolg führt.

Die Resonanz im Kinosaal fiel recht negativ aus. Eine jüngere Zuschauerin, die wohl wegen des massiven Aufgebots männlicher Stars (die Hauptrolle wird episodenweise von Heath Ledger, Johnny Depp, Jude Law und Colin Farell gespielt!) ins Kino gefunden hatte, meinte gar lautstark: “Da is’ denen wohl mal wieder garnix eingefallen.” Dabei dürfte das Problem eher gewesen sein, das “die” zu viele Einfälle hatten. So viele Einfälle, dass der durchschnittlichen Kinogänger, der sein Glück im zur Dauerberieselung geeigneten Mainstreamkino findet (und das meine ich jetzt keineswegs abwertend) einfach “zu” macht. Quasi nebenher macht der Film Aussagen über Liebe, Religion, Medien, Institutionalisierung, Kommerzialisierung, Träume, Glück und so weiter (oder wie es Douglas Adams einmal treffend ausdrückte: “Das Leben, das Universum und der ganze Rest”). Diese Masse an Ideen und Aussagen, die der Film zum Ausdruck bringt, zeigen sich in der Konsequenz aber eben als konfuses und holprig erzähltes Filmkonstrukt – das Teile des Films aufgrund dessen, das Ledger während der Dreharbeiten verstarb, umgeschrieben werden mussten, hatte sicherlich seinen Anteil an dieser Misere.

Das Problem besteht aber nicht nur aus einem überfrachteten Drehbuch und dem chaotischen Schnitt, sondern es ist auch der Umstand, das bei Gilliam Genie und Unsinn (nein, nicht wahnsinn ;-) ) dicht beieinander liegen. In einem Moment überrascht uns der Film z.B. mit subtilen, intelligenten Überlegungen zur menschlichen Existenz und im nächsten Moment kriegt man eine Holzhammermetaphorik um die Ohren gehauen, dass man sich für den Regisseur fremdschämt. So ist Gilliam halt. Trotz allem ist der Film meiner Meinung nach absolut sehenswert. Parnassus gleicht einem wundervollen Gemälde, das bekritzelt, zerknüllt, zerissen und mit Tesafilm wieder zusammengesetzt wurde. Es mag auf den ersten Blick hässlich und keines weiteren Blickes würdig zu sein, aber wer sich die Mühe macht sich etwas länger damit zu beschäftigen kann immer die Schönheit des ursprünglichen Bilds erkenne. Der Film ist letzten Endes ein großartiges Werk über die Auseinandersetzung mit dem inneren Schweinehund, das sich leider selbst ein Bein stellt.


8/10

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