Archive for the ‘Kritiken’ Category

Warum hasse ich…Alice im Wunderland!?

Donnerstag, März 4, 2010

Ich bin ein großer Fan von Tim Burton, aber um nicht lange drum herum zu reden: sein neuer Film ist Mist. Visuell mal wieder absolut überragend (keine Frage, wer einfach nur wunderschönes Effektkino erleben will, wird diesen Film lieben), aber inhaltlich eine Katastrophe.

Die Story ist so dünn, das der rote Faden an dem sie hängt gar nicht reißen kann: Alice muss Drachen töten – Ende. Wenn die Geschichte wenigstens überzeugend erzählt würde, aber nein, auch hier herrscht der in letzter Zeit im Kino üblich gewordene hoppla-di-hopp-wir-haben-doch-keine-Zeit-Erzählstil vor. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass der Film ja gar nichts zu erzählen hat. Viel schlimmer als der erzählerisch krankende Plot ist aber die verlogene Pseudo-Moral die dem Zuschauer hier aufgetischt wird. Angeblich soll uns der Film verdeutlichen, dass es ganz gut ist, wenn man ein Freigeist, Träumer oder vielleicht sogar leicht Verrückter ist. Tatsächlich bricht der Film aber an allen Ecken und Enden mit dieser Idee und präsentiert uns stattdessen eine für die Konsumgesellschaft weichgespülte und pervertierte Version.

Ein Visionär zu sein heißt hier, dass man weiß wie man Kohle scheffeln kann (Glückwunsch Alice). Des weiteren bedeutet es scheinbar, dass man es sich herausnehmen kann andere Menschen wegen deren Verrücktheit abzukanzeln (was Alice am Ende des Films mit ihrer Tante macht). Verblüffend sind auch die teilweise unglaublich undifferenziert dargestellten Figuren der Geschichte. Da wäre z.B. die weiße Königin, die natürlich durch und durch gut ist und sogar geschworen hat niemals ein Lebewesen zu töten – seltsamer Weise hat diese Figur aber gar kein Problem damit ihre Zaubertränke aus toten Lebwesen zu brauen. Ganz zu schweigen davon, dass Alice die Drecksarbeit für die weiße Königin erledigt, wenn sie gegen den Drachen in den Kampf zieht. Ach ja, wo wir es gerade davon haben: Töten ist natürlich auch eine schlimme Sache, es sei denn Alice tut es…mein Gott, würde sich der Film die Zeit nehmen etwas näher auf diese „Problemzonen“ einzugehen (ich vermute mal, dass das ursprünglich auch so von den Filmemachern geplant war), dann hätte dieser Film richtig Tiefgang! Es ist zum Haare raufen. Die Botschaft der Geschichte lautet eigentlich, dass man bereit sein muss seinen “Kaninchenbau” zu verlassen, um sich weiter zu entwickeln. Tatsächlich unternimmt der Film aber alles, damit der Zuschauer in eben jenem Bau bleibt…tja, wenigstens läuft im Abspann ein seichter Popsong. Die Kids brauchen ja etwas das man ihnen verkaufen kann. Es sind Filme wie dieser, die den Namen Disney in Verruf gebracht haben.

Da der Film visuell großartig geraten ist und bei oberflächlicher Betrachtung durchaus großen Unterhaltungswert besitzt, gibt es von mir trotz allem noch vier Sterne.


4/10

Ps. Der Film basiert nur entfernt auf den beiden Geschichten von Lewis Carroll und ist aufgrund seiner zum Teil recht düsteren Bilder nichts für kleine Kinder.

Wo der Hass hinfällt 26.02.2010

Freitag, Februar 26, 2010

A Serious Man

Der neue Film der Coen Brüder hat mich ehrlich gesagt etwas gelangweilt. Ich vermute das liegt darin begründet – und das mag sich jetzt paradox anhören – das der Film einfach zu gut gemacht ist. Der Film führt uns das “normale” Leben mit all seinen kleinen Problemchen und Absurditäten vor Augen. Und das macht er eben zu gut. Das normale Leben plätschert nunmal nur vor sich hin, wenn man es von aussen betrachtet. Selbst die größten Schicksalschläge sind nicht mehr als eine Randnotiz bei einem Kaffeekränzchen, wenn man nicht selbst betroffen ist und genau diesen Effekt erzielt auch “A Serious Man”. Nach dem Film denkt man sich kurz, das das Leben halt so sei, seufzt, und dann vergisst man den Film wieder.

Ja ich weiß, als Pseudo-Intellektueller sollte ich diesen Film über einen Uni-Dozenten und sein aus dem Ruder laufendes Leben klasse finden…tue ich aber nicht, auch wenn ich zugegebenermaßen ab und zu schmunzeln musste. Es ist ja auch großartig, dass es der Film versteht in jeglicher Hinsicht seine “Botschaft” zu transportieren – das schaffen schließlich die wenigsten Filme – aber was bringt mir das als Zuschauer, wenn mich das Gezeigt gerade deshalb nie so wirklich mitreißt?


4/10

Wolfman

Der Stab von Wolfman liest sich wie ein kleines Who-is-Who der jüngeren Filmgeschichte. Gleich vier Oscarpreisträger (Anthony Hopkins, Benicio Del Toro, Walter Murch und Joe Johnston) haben an diesem Film mitgewirkt (und mit Danny Elfman ein Komponist, der immerhin vier Mal für den Oscar nominiert war). Da sollte doch ein interessanter Film zustande kommen, oder? Die Antwort ist ein klares „Jein“. Die gebotene „Qualität“ schwankt einfach zu sehr, um zu einem anderen Schluss kommen zu können. Man wird einfach nicht das Gefühl los, dass sich der eine oder andere große Namen nur des Geldes wegen auf Wolfman eingelassen hat.

Da wäre Hopkins, der seine Rolle zwar routiniert herunterspielt, aber zugleich den Eindruck hinterlässt, als ob er sich für diesen Film nicht unnötig überanstrengen wolle. Elfman scheint es Hopkins gleich tun zu wollen. Sein Soundtrack ist durchaus stimmungsvoll geraten, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen das große Teile aus Sleepy Hollow (gut, hier kopiert er sich wenigstens selbst) und Bram Stokers Dracula „entlehnt“ wurden. Die Arbeit der Drehbuchautoren scheint ebenfalls diesem Arbeitsprinzip entsprungen und nicht allzu fordernd gewesen zu sein, denn die Story des Originals (The Wolf Man) wurde fast eins zu eins übernommen. Nur um einen klischeehaften Vater-Sohn Zwist und das viktorianische Setting wurde die Story ergänzt (halt das stimmt nicht, es wurden auch noch einige Motive aus anderen Horrorfilmen übernommen, aber darauf will ich nicht näher eingehen, um nicht Gefahr zu laufen die Story zu spoilern). Bequemlichkeit scheint hierfür die einzige Erklärung zu sein…naja, zumindest wird es die Fans des Originals freuen.

Das soll nicht heißen, dass das alles schlecht gemacht wäre, nein, Wolfman ist ein durchaus stimmiges Schauermärchen, es ist nur vielmehr so, dass der Film doch etwas altbacken daher kommt und sich dabei so ernst nimmt, dass man nur verwundert den Kopf schütteln kann.


5/10

Warum hasse ich…Sherlock Holmes ?!

Montag, Februar 1, 2010

Guy Ritchie ist offensichtlich ausgezogen, um die Figur des Sherlock Holmes neu zu erfinden. Bereits die ersten 10 Minuten des Films bieten mehr Action als etwa 75 Prozent aller vorherigen Verfilmungen von Arthur Conan Doyles Krimigeschichten zusammen (und das will etwas heissen, denn Sherlock Holmes ist, neben Dracula, die wohl am meisten auf Zelluloid gebannte Figur in der Geschichte des Kinos). Nein, die ersten Minuten lassen keinen Zweifel: dieser Holmes will anders sein. Aber ist er das auch wirklich?

Nicht wenige Fans, die die Figur des Sherlock Holmes mit Größen wie Peter Cushing oder Basil Rathbone verbinden, dürften reichlich geschluckt haben als ihnen bewusst wurde , dass tatsächlich Robert Downey Jr. für die Rolle besetzt wurde. Eine klare Entscheidung gegen das klassische Erscheinungsbild der Figur (amüsanter Weise entspricht Holmes’ Widersacher – besetzt mit einem sehr gut aufgelegten Mark Strong – ziemlich genau diesem klassischen Bild…Ritchie hat eben Humor). Auch charakterlich scheint sich der “neue” Holmes von seinen “Vorgängern” zu unterscheiden. Dieser Holmes nimmt Drogen, prügelt sich und ist offensichtlich psychisch gestört. Denkt man aber kurz über diese Darstellung nach, wird einem sofort bewusst – gesetz man hat die eine oder andere Conan Doyle Geschichte gelesen – das diese “Erneuerung” eigentlich gar keine ist. Conan Doyle selbst beschreibt den guten Holmes ja als einen selbstverliebten Egomanen, der an einer Form von manischer Depression leidet und eben jenes Leiden durch Drogenkonsum zu behandeln sucht. Dieser Aspekt der Figur wird in der Regel einfach ausgeblendet, so dass nur die Hülle des genialen Detektivs mit dem messerscharfen Verstand übrig bleibt. Im Prinzip sehen wir also keinen “neuen”, sondern den “echten” Sherlock Holmes. Insofern ist die Besetzung der Rolle mit Downey Jr., der Holmes die Anmutung eines traurigen Clowns verleiht, brillant und absolut richtig.

Leider kann Ritchies Inszenierung mit seinem Anspruch der “Erneuerung” nicht mithalten. Sie ist zwar stellenweise recht gewitzt und versprüht den typischen Guy Ritchie Charme, aber des öfteren ist sie auch einfach nur plump. Ich will das an einem Beispiel demonstrieren: Sherlock Holmes Fähigkeit Abläufe aufgrund seiner genialen Kombinationsgabe zu berechnen. Um den Teenies zu zeigen weshalb es eigentlich ganz “cool” ist, ein schlaues Kerlchen zu sein (zumindest ist das meiner Meinung nach die eigentlich Motivation hinter diesen Szenen), zeigt uns Ritchie mehrmals wie Holmes einen Kampf im Voraus berechnet. Wir spulen quasi vor (sehr stylisch mit Timeramps aufgezogen…erinnert stark an Snatch) und hören dabei Holmes Folgerungen, die soweit gehen, dass sie sogar den Zeitraum voraussagen, den die psychologische Genesung des “Opfers” in Anspruch nehmen wird. Das ist drehbuchtechnisch richtig gut, weil es uns eine Menge über die Figur des Sherlock Holmes verrät – was für ein Kerl muss das sein, der nicht nur so eine Fähigkeit besitzt, sondern diese auch noch mt der Kaltblütigkeit eines Psychopathen einsetzt? Das Problem ist nur, dass der Zuschauer dann auch noch die Ausführung zu sehen bekommt. Der Vorgang findet also zweimal statt und das ist schlicht und einfach unnötig wie Kropf und langweilig. Gut, beim ersten Mal trägt es wenigstens inhaltlich noch etwas bei, weil wir Holmes selbstverliebte Reaktion beim Gelingen seiner Aktion beobachten können, aber beim zweiten Mal ist es einfach nur noch eine sinnlose Spielerei. Und gerade dann, wenn diese Spielerei richtig interessant werden könnte – nämlich dann wenn Holmes es mit einem ihm überlegenen Gegner zu tun bekommt – verzichtet Ritchie auf ihren Einsatz! Sorry, aber genau da wäre es doch interessant zu erfahren, was der Figur durch den Kopf geht.

Die CSI typischen wir-ermitteln-und-sehen-Flashbacks-Szenen sind auch nicht gerade originell. Originalität ist grundsätzlich ein überraschend großes Problem des Drehbuchs. Wer heutzutage immer noch seinen Detektiv den Ort des nächsten Mords durch das Aufzeichnen eines Pentagramms auf einer Stadtkarte ermitteln lässt, gehört selbst rituell geopfert. Auch Logikfehler weißt das Drehbuch zuhauf auf (Offensichtlichste Logikfehler! Und das bei Sherlock Holmes…das ist ja an Ironie nicht mehr zu überbieten). Da springen Menschen ins Wasser und sind in der nächsten Einstellung wie durch ein Wunder von der Nässe befreit und eine Verfolgungsjagd, bei der es immer tiefer hinab geht, endet auf einem der höchsten Punkte der Stadt (wenigsten wird das selbstironisch mit einem “Du bist wohl irgendwo falsch abgebogen!” kommentiert), um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Egal, im Prinzip lohnt sich der Kinobesuch nämlich schon allein wegen des großartigen Soundtracks und der überragend animierten Credits (!). Und der Film selbst ist ja trotz seiner Schwächen wirklich sehr unterhaltsam geraten. Witz, Action und spielfreudige Schauspieler…der Daumen geht klar nach oben.


7/10

Warum hasse ich…Das Kabinett des Dr. Parnassus!?

Sonntag, Januar 17, 2010

Eine Kritik über “Das Kabinett des Dr. Parnassus” zu schreiben gestaltet sich ungewöhnlich kompliziert…zumindest in meinem speziellen Fall. Zuerst wollte ich nur ein paar Zeilen schreiben, dann wurde daraus ein Plädoyer für “schlecht” geschriebene/geschnittene Filme, das ich komplett löschte weil es prätentiöser Mist war (also in einem noch größeren Umfang, als das in der Regel ohnehin bei mir der Fall ist) und nun versuche ich mich erneut an einer kürzeren Kritik. Woran liegt das? Nun, Parnassus ist ein etwas ungewöhnlicher Film – inhaltlich wie formal.

Die Story des unsterblichen Dr. Parnassus, der mit seiner heruntergekommen Gauklertruppe durch die Welt tingelt, ist – typisch für einen Film von Terry Gilliam – skurill und verquer. Zentrales Handlungselement ist dabei der Spiegel des Dr. Parnassus. Wer durch diesen hindurch tritt findet sich in der Gedankenwelt des Doktors wieder, die den Besucher mit dessen eigenen Phantasien in surrealen Traumwelten konfrontiert. Um diesen Spiegel herum entwickeln sich mehrere mteinander verwobene Handlungsstränge: ein Wettstreit mit dem Teufel, eine Dreiecksbeziehung innerhalb der Gauklertruppe und die Frage nach der Identität des dubiosen Fremden, der die Gauklertruppe zu neuem Erfolg führt.

Die Resonanz im Kinosaal fiel recht negativ aus. Eine jüngere Zuschauerin, die wohl wegen des massiven Aufgebots männlicher Stars (die Hauptrolle wird episodenweise von Heath Ledger, Johnny Depp, Jude Law und Colin Farell gespielt!) ins Kino gefunden hatte, meinte gar lautstark: “Da is’ denen wohl mal wieder garnix eingefallen.” Dabei dürfte das Problem eher gewesen sein, das “die” zu viele Einfälle hatten. So viele Einfälle, dass der durchschnittlichen Kinogänger, der sein Glück im zur Dauerberieselung geeigneten Mainstreamkino findet (und das meine ich jetzt keineswegs abwertend) einfach “zu” macht. Quasi nebenher macht der Film Aussagen über Liebe, Religion, Medien, Institutionalisierung, Kommerzialisierung, Träume, Glück und so weiter (oder wie es Douglas Adams einmal treffend ausdrückte: “Das Leben, das Universum und der ganze Rest”). Diese Masse an Ideen und Aussagen, die der Film zum Ausdruck bringt, zeigen sich in der Konsequenz aber eben als konfuses und holprig erzähltes Filmkonstrukt – das Teile des Films aufgrund dessen, das Ledger während der Dreharbeiten verstarb, umgeschrieben werden mussten, hatte sicherlich seinen Anteil an dieser Misere.

Das Problem besteht aber nicht nur aus einem überfrachteten Drehbuch und dem chaotischen Schnitt, sondern es ist auch der Umstand, das bei Gilliam Genie und Unsinn (nein, nicht wahnsinn ;-) ) dicht beieinander liegen. In einem Moment überrascht uns der Film z.B. mit subtilen, intelligenten Überlegungen zur menschlichen Existenz und im nächsten Moment kriegt man eine Holzhammermetaphorik um die Ohren gehauen, dass man sich für den Regisseur fremdschämt. So ist Gilliam halt. Trotz allem ist der Film meiner Meinung nach absolut sehenswert. Parnassus gleicht einem wundervollen Gemälde, das bekritzelt, zerknüllt, zerissen und mit Tesafilm wieder zusammengesetzt wurde. Es mag auf den ersten Blick hässlich und keines weiteren Blickes würdig zu sein, aber wer sich die Mühe macht sich etwas länger damit zu beschäftigen kann immer die Schönheit des ursprünglichen Bilds erkenne. Der Film ist letzten Endes ein großartiges Werk über die Auseinandersetzung mit dem inneren Schweinehund, das sich leider selbst ein Bein stellt.


8/10

Wo der Hass hinfällt 30.12.2009

Mittwoch, Dezember 30, 2009

Avatar
Der teuerste Film aller Zeiten und ich widme ihm nur eine Kurzkritik – ich denke, das sagt schon einiges darüber aus, was ich von dem Film halte. Tatsächlich koche ich gerade noch nebenher, während ich diese Zeilen schreibe. Ihr seht die Auseinadersetzung mit diesem Film ist mir ungemein wichtig.

Okay, das hat jetzt bei euch vermutlich doch ein falsches Bild von meinem Kinoerlebnis erzeugt, denn Avatar ist keineswegs ein mieser Film. Technisch ist er brillant umgesetzt und über weite Strecken auch durchaus unterhaltsam inszeniert, aber ich finde einfach, dass das insgesamt ein bißchen wenig ist, für einen Film mit einem solchen Budget. Abseits der Effektorgie bleibt nämlich nicht viel Beeindruckendes übrig. Da wäre die naive, kitschige und wenig originelle Öko-Thriller Story, die in erster Linie die Entdeckung Südamerikas und die damit einhergehende Ausrottung der Ureinwohner verarbeitet. Weshalb der Film zweieinhalb Stunden Laufzeit benötigt, um diese platte Verneinung des westlichen Lebensstils (Gott sei dank bin ich als Deutscher in Sachen Selbsthass vorzüglich ausgebildet worden) zu zelebrieren, bleibt ein Rätsel…das Ganze hätte nämlich, so wie es hier dargestellt wird, auch in 60 Minuten abgehandelt werden können. Und ausgerechnet der Part des Handlung, der durchaus interessante Ansätze hat – die Auswirkungen des “Rollenspiels” auf den Spieler – kommt viel zu kurz. Auch “schauspielerisch” ist der Film nicht überzeugend. Die computergenerierten “Indianer” zeichnen sich nicht gerade durch subtiles Minenspiel aus, aber gut, da stehen ihnen einige ihrer menschlichen Kollegen in nichts nach.

Egal, machen wir es kurz. Avatar lohnt sich nur in der 3D Version und dann auch nur für diejenigen, die noch nie einen 3D Film im Kino erlebt haben. Allen anderen empfehle ich auf die DVD/Blu-Ray zu warten. Generell gilt: muss man nicht gesehen haben.


6/10

Gamer
Wir befinden uns mal wieder in der nahen Zukunft und natürlich wird die Menschheit auch wieder durch eine böse Macht (in diesem Fall ein Medienkonzern) korrumpiert und bedroht. “Gamer” ist die x-te Auflage der bekannten orwellschen “Big Brother”-Story und bedient sich dabei bei so ziemlich allem was Sci-Fi Kino zu bieten hat (ein bißchen “Running Man“, ein Schuss “Blade Runner“, und so weiter). In dieser Version geht es dann – ganz im Trend unserer Zeit – um eine Gesellschaft in der Computerspiele mit echten Menschen, in die sich der Spieler “einlinkt”, umgesetzt werden.

Allerdings muss ich zugeben, dass der Film seine Sache, trotz des konfusen Drehbuchs (oder vielleicht sogar deswegen !?), gar nicht mal so schlecht macht. Im Prinzip sind es nämliche gerade die Dinge, die der Film objektiv betrachtet schlecht macht, die ihm ein gewissen Charme verleihen. So ist die Action fürchterlich langweilig inszeniert, löst beim Zuschauer also genau das gleiche Gefühl aus, das er auch hätte, wenn er jemandem tatsächlich beim Spielen eines Videospiels zuschauen würde. Auch das Kostümbild und das Set-Design sind nicht das Gelbe vom Ei, aber genau das erweckt überhaupt erst ein klein wenig den Eindruck einer tatsächlich möglichen Version der Zukunft. Die Realität zeichnet sich eben vor allem durch die Geschmacklosigkeit ihrer Bewohner aus ;-) . Wirklich schade, das der Film seinen sozialkritischen Ansatz völlig gegen den Baum fährt und den Zuschauer dann auch noch mit einem ziemlich sinnfreien Ende quält, das genau auf die Gesellschaft zugeschnitten ist, die der Film eigentlich kritisieren wollte. Hätten die Filmemacher sich da ein wenig zusammengerissen hätte “Gamer” das Potenzial zur Kult-Trashperle gehabt.

Hat aus seinen “Schwächen” leider nicht genug gemacht ;-)


5/10

Wolfgang gibt sich die Ehre

Dienstag, Dezember 1, 2009

In letzter Zeit gab es ja immer wieder Beschwerden, dass ich zu wenig Kritiken veröffentliche. Tja, sorry, aber was soll ich machen? Vielleicht meinen “Kritikern” die Chance geben es besser zu machen!? Also, hier kommt Wolfgang: ein alter Kumpel von der Uni und treuer Blogleser, der mich gerne daran erinnert, dass ich mal wieder eine Kritik schreiben könnte ;-) Die folgenden beiden Kritiken stammen also NICHT aus meiner Feder, sondern sind allein das Produkt von Wolfgangs Gehirnwindungen. Er ist übrigens solo, mag Philosophie, Filme und Ruinen (das leite ich zumindest davon ab, dass er in Duisburg lebt ;D )…also Mädels, falls euch seine Kritiken umhauen leite ich euch gerne seine Emailadresse weiter ;-D.

Das soll übrigens nur ein Gastspiel bleiben…

500 Days of Summer

Alle Jahre wieder, Herbstzeit ist Chickflick-Zeit. Dieses Mal gibt es „500 Days of Summer“. Ein Film der gleich am Anfang damit prahlt, dass er keine Liebesgeschichte ist. Aber er will noch mehr. Mit einem Anspruch auf Realismus kommt er daher, indem er gleich damit einsteigt uns eine psychische Analyse der beiden Hauptdarsteller vorzusetzen. ER (Tom) ist dem Glauben an die große Liebe verfallen, hervorgerufen durch britische Popmusik und einem falschen Verständnis des Filmes „The Graduate“. SIE (Summer) ist desillusioniert und glaubt nicht an die große Liebe bzw. dass man ohne die große Liebe glücklich sein kann. Durch die Scheidung ihrer Eltern ist sie seit der Kindheit traumatisiert und hat ein gestörtes Empfindungsleben beim Haareschneiden.

Er trifft sie am Arbeitsplatz und es ist für ihn die Liebe auf den ersten Blick. Fade out und die Stimme aus dem Off verspricht uns, dass keine Liebesgeschichte gezeigt wird. Nach diesen viel versprechenden 2:10 Minuten, geht der Film los und das Unheil nimmt seinen Lauf. Die Erwartungen sind hoch, denn etwas überrascht und neugierig war ich schon, denn ich habe damit gerechnet einen Film vorgesetzt zu bekommen vom Kaliber würdig eines Aston Kutcher und einer Cameron Diaz. Um es kurz zu machen: Der Film ist am Ende genau das was er ausgibt nicht zu sein, aber etwas anders. Zwei bemerkenswerte Sachen des Filmes:
1.Die Rollen von Mann und Frau sind in diesem Film verkehrt. ER glaubt an die große Liebe des Lebens und sie gibt sich realitätsgebunden und desillusioniert. Das hält der Film nicht durch, denn sowas wollte man dem 08/15 Zuschauer, dem Konsumenten solcher Filme wohl doch nicht vorsetzen. Im Filmverlauf wird dem Zuschauer vorgegaukelt, dass eine Charakterentwicklung der beiden Stattfinde was nicht der Fall ist. SIE gibt sich den ganzen Film über als Mann, der keine feste Bindung und emotionale Verpflichtung will. ER gibt die anhänglich Frau, von Liebe beflügelt und schließlich tief stürzend. Gegen Ende könnte der Eindruck entstehen, die Rollen tauschen sich wieder in den normal Zustand: Er desillusioniert, sie Liebesprophetin. Aber nein! Sie heiratet jemanden anderen und es stellt sich raus sie hat eigentlich die ganze Zeit nur desillusioniert getan, ließ sich von der Liebe leiten und fand einfach Mister Right. Er scheint nur seine Liebesvorstellung aufgegeben zu haben, denn am Ende glaubt er stark genug an die Liebe und findet doch noch seine Aphrodite.
2.Ein cooles Element die „Split-Screen-Szene“. Er besucht Ihre Feier, will noch mal anbandeln. Das Bild teilt sich beim Eintritt in das Treppenhaus, in links „Erwartung“ und rechts „Realität“. Beide Teilbilder zeigen den Ablauf des Besuches der Party, nur eben einmal seiner Vorstellung nach und einmal wie es tatsächlich abläuft. Hab ich so noch nicht gesehen in einem Chick-Flick und die Darstellung war schon recht realitätsgetreu.

Absolut grauenhaft und mies, sind die Interview-Szenen in denen der Film unterbrochen wird durch (fiktive?) Interviews mit Charakteren des Filmes, die Ihre Einstellung und Haltung zum Thema Liebe wiedergeben. Warum so plump um Identifizierung mit einem Charakter gebuhlt wird, hat sich mir nicht erschlossen. Dass diese Interviews den „Fluß“ des Filmes stören kann man nicht sagen, denn einen kontinuierlichen Film bekommt man nicht geboten, sondern nur eine Abfolge von Vor- und Rückblenden die immer mit einem Tages-Zähler angekündigt werden. Das KANN man sich noch gefallen lassen, aber die Interviews sind einfach zu viel des Guten. Aber einen richtigen Vorwurf kann man dem Film daraus auch nicht machen, denn er springt nur auf den neusten Hollywoodtrend auf. Den Film durch Interviews mit der Kamera bzw. dem Zuschauer aufzubrechen ist In, so macht es auch Woody Allen in „Whatever Works“. (Solange die sich nicht zu Hopkins Slipstream Exzess hinreißen lassen, muss man diese neue Art wohl zähneknirschend über sich ergehen lassen.)
Ach ja, 500 Days of Summer will eine dieser typischen Comdedy-Drama-Romance Filme sein. Falls mir einer die Szene sagen kann, die lustig ist oder den Film als Komödie durchgehen lässt, der kann sich bitte bei mir melden.

Der Film ist weder Komödie, noch Drama, noch Romanze. Eigentlich ist der Film Nichts, denn Marc Webb war so nett einen Stoff zu verfilmen, der nüchtern betrachtet total belanglos ist, nämlich die verflossene Liebe. (Mal ehrlich, früher haben sie wenigstens die große Liebe verfilmt. Klar, davon sind wir satt, aber mir jetzt die Liebe „zwischen“ der großen Liebe zu verfilmen ist irgendwie armselig. Das ist so als ob ich Indiana Jones beim Unterrichten und Müllrausbringen filme und am Ende andeute dass er sich jetzt bald auf die Suche nach der Bundeslade macht.) Mit viel Wohlwollen kann der Film solide 6 Stern kriegen, obwohl nur 4 verdient hätte wegen der frechen Story, der nichtvorhanden Charakterentwicklung und dem Interviewstyle.) Die Bewertung auf IMDB von 8,1und die Aufnahme in die Top250 ist ein müder Witz… Im Anbetracht der traurigen Wahrheit, dass diese Filmrubrik wirklich nahe dem Boden ist was Niveau und Stil angeht, muss er aber 7 Troststerne bekommen.

The Final Destination – 180 abgestürzt

Der vierte Teil einer Triologie. Immer wenn es mehrere Sequels eines Filmes gibt, sollte der geschulte Zuschauer nicht mehr fragen „Und wie war der Film?“, sondern „Wie schlimm ist es?“ – Es ist sehr schlimm.
Noch bevor richtig in den Film eingestiegen wird, macht sich eine schaurige Vorahnung breit. Warum zeigen sie mir während der Intro Credits (?) ein Best-Of der Unfälle der ersten drei Teile? Schon wieder so eine Art Serienfetisch: „Was bisher geschah“. Eigentlich müsste ich jetzt was zum Inhalt oder Story des Filmes sagen. Die ist aber so dünn, das ich hier mal drauf verzichte. Viel interessanter ist, auf die Merkmale der Serie einzugehen, die auch im vierten Teil stereotypisch sind.

1.Der Tod ist unpersönlich. Die Leben der Opfer sind nicht a la Scream in den Händen eines maskierten Killers, sondern in denen des Schicksals. Das Schicksal tritt als anonyme Kraft auf, als Wind, als unsichtbarer Schraubenschlüssel und bringt Alle um die Ecke die dran sind.
2.Es gibt immer einen „Seher“. Er hat eine Vision des Schlüsselereignisses und setzt die Rangfolge der Sterbenden zusammen. Hat er die Rangfolge der Sterbenden ausgeknobelt, versucht er das Schicksal auszutricksen und in den Unfall – das Werk des Schicksals – einzugreifen. Scheinbar funktioniert dies, doch am Ende kommt der Twist, dass eh Alle sterben müssen und das Schicksal allmächtig ist.
3.Nach all den Teenie-Horror B-Movies weiß jeder, dass der Farbige als erstes – zumindest auf jeden Fall – sterben muss. Im vierten Teil der Saga will der sogar dem Schicksal entkommen, indem er einen misslungenen Selbstmord versucht.

Die drei Punkte summieren die gesamte Story des Filmes. (Klingt komisch, ist aber so.)
Der Film ist das Resultat eines Dranges zum Ausschlachten. Mehr Todesfälle, mehr Action und weniger Story!, so scheint die Forderung gewesen sein und das wird auch abgeliefert. Von Story lässt sich gar nicht sprechen. Der vierte Teil von Final Destination benutzt Story wie ein Pornofilm, nämlich nur um eine kurze Pause zwischen der Action zu entschuldigen. Die Schauspieler sind mies, das Script ist noch mieser und die „Unfälle“ sind ganz nett, aber entweder so ähnlich schon in den vorherigen Teilen gezeigt worden oder nichts Besonderes. Insgesamt scheint Final Destination in die gleiche Rubrik wie die Alien Reihe zu gehören: man tut sich selbst einen Gefallen wenn man die letzten Teile nicht ansieht. Die Idee, der vom Schicksal in Szene gesetzten Unfällen mit Todesfolge für die schäbigen Schauspieler ist ganz nett, aber dass der vierte (und hoffentlich letzte) Teil nur noch freche Geldabzocke ist verdient nicht mehr als 3 Sterne.

Warum hasse ich…Pandorum?

Samstag, November 14, 2009

Stellt euch vor ihr erwacht auf einem Raumschiff – ihr erinnert euch nicht an eure Vergangenheit, ihr wisst nicht weshalb ihr euch übehaupt an Bord befindet und ihr seit allein…oder lauert da etwas in der Dunkelheit auf euch? So ergeht es der Hauptfigur in “Pandorum“, Bower, der wir in Christian Alvarts Science-Fiction-Thriller durch die Story folgen.

Der Film beginnt auch entsprechend wie ein Kammerspiel-Psycho-Thriller. Was tun wenn man allein in der Dunkelheit ist, an einem Ort den man nicht kennt – nur mit der eigenen Angst bewaffnet. Leider gibt der Film diese durchaus interessante Ausgangsituation sehr schnell zugunsten einer 08/15-Actionstory auf. Die “Elysium”, so der Name des Raumschiffes, ist nämlich alles andere als unbewohnt und Bowers “Weg zu sich selbst” entwickelt sich alsbald zum simplen Kampf ums nackte Überleben, wie man ihn schon tausend Mal zuvor gezeigt bekommen hat. Generell hat man das Gefühl, dass alles schon mal gesehen zu haben. Ein bißchen “Event Horizon“, eine Touch “Sunshine” und austauschbarer Horror alá “Silent Hill” – von den verschieden Videospielen, bei denen sich die Macher für’s Design bedient haben, ganz zu schweigen. Wenn der Film diese Vorbilder dann wenigstens halbwegs erreichen würde, aber…das ist nun mal leider nicht der Fall (kein gutes Zeichen, wenn man mit Event Horizon oder Silent Hill nicht wirklich mithalten kann ;-) ).

Ich würde sagen “Pandorum” ist wieder einmal ein typisches Beispiel für einen Film, der mehr sein will, als er kann. Da wird hochtrabend die Frage nach dem moralfreien Raum gestellt und die einzige Antwort die uns der Film liefert, lautet: irgendeiner wird dich schon bestrafen, wenn du sündigst. Nein, welch’ tiefgründige Auseinandersetzung hat sich der Autor da mit den grundlegenden Problemen der Moralphilosophie geliefert. Ich bin beeindruckt. Dann will Alvart auch noch schnell die Grenzen von geistiger Gesundheit und Wahnsinn ausloten und kratzt dabei nicht mal an der Oberfläche der menschlichen Psyche, aber hey, wofür soll man sich ernsthaft Gedanken zu so einem Thema machen, wenn man auch einfach ein paar gängige Klischees auspacken kann und dann das Ganze mit ein paar Standardeffekten garniert. (Der VFX-Supervisor zum Regisseur: “Ey, ich hab’ ‘ne brillante Idee. Wie wäre es wenn wir die Geisteskrankheit mit Überblendungen, Wackelkamera, und kamerablitzartigen Gloweffekten darstellen. Das hat die Welt noch nicht gesehen…außer bei so ziemlich jedem Film der letzten 15 Jahre, der sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat.” Der Regisseur: “Spitze, das machen wir. Da kommt mir auch ‘ne klasse Idee. Wie wäre es wenn es sich bei der Geisteskrankheit um eine dissoziative Identitätsstörung handelt. Das hat die Welt noch nie gesehen…außer bei so ziemlich jedem Film der letzten 15 Jahre, der sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat.” Da setzt der Kameramann ein und sagt: “Super, das bringt mich auf ‘ne Idee…” Und wenn sie nicht gestorben sind, dann klopfen sie sich immer noch gegenseitig auf die Schulter.)

Was den Film dann endgültig in die Hölle für schmutzige, kleine B-Movies schickt, sind die handwerklichen Unzulänglichkeiten. Immer wieder mal gibt es die obligatorische, völlig unnütze Rückblende, die uns nichts wichtiges erzählt, dafür aber völlig deplatziert wirkt und den Rhythmus des Films stört. Entsprechend wenig überzeugt auch der Schnitt, der, sagen wir mal, uninspiriert ist. Die Kameraarbeit ist eigentlich okay, verfährt aber nach dem “Wir-halten-halt-mal-drauf”-Prinzip. Und so weiter und so fort…

Ich freue mich jedes Mal, wenn ein deutscher Regisseur den Sprung ins internationale Geschäft schafft und ich halte Alvart auch für durchaus talentiert (sein “Antikörper” mag Längen gehabt haben, hat aber deutlich gezeigt, dass der Mann einiges drauf hat), aber “Pandorum” ist ein großer Schritt in die falsche Richtung. Für Fans des Genres taugt der Film sicherlich zur Unterhaltung, aber selbst die werden das eine oder andere Mal den Kopf schütteln. Beispielsweise, wenn Bower praktisch aus dem Nichts immer wieder ein Knick-Licht hervorzaubert…früher ging den Helden nie die Munition aus, heute haben sie immer ein “Streichholz” bei sich…


4/10

Warum hasse ich…Assassins Creed:Lineage?

Dienstag, Oktober 27, 2009

Seit heute steht auf Youtube eine offizielle Webserie zu dem gleichnamigen Spiel. Da dachte ich mir, hey, warum nicht mal was neues machen und was anderes als einen Kinofilm besprechen.

Glücklicherweise kann sich dann auch gleich jeder seine eigene Meinung dazu bilden:

Die Episode ist übrigens deutsch synchronisiert, also lasst euch nicht davon abschrecken, dass im Intro nur Untertitel laufen.

Okay, was hasse ich nun an dieser Episode? Eine Menge. In erster Linie stößt mir vor allem die Klischeehaftigkeit des Ganzen auf. Da wäre die Einführungssequenz, die die obligatorische Stimme aus dem Off aufweißt, die uns mit dämlichen, im besten Falle belanglosen, Infos füttert. Braucht man nicht, zumindest nicht auf diese, das Tempo unnötig verschleppende, langweilige Art. Der Held ist dann natürlich auch ein “ehrenhafter” Attentäter, der nicht aus dem Hinterhalt angreift, wie es für einen Attentäter normal wäre, sondern sich seinen Gegnern von Angesicht zu Angesicht stellt. Ich schlage vor die Macher schlagen noch mal das Wort Assassine im Lexikon nach, da scheint es ja doch noch gewisse Wissenslücken zu geben.

Aber lassen wir das Thema Klischees und schauen uns lieber das Handwerkliche an. Skript? Nicht vorhanden. Kamera? Okay, aber mehr nicht. Das Licht ist sogar richtig mies. Es sieht zwar alles “hübsch” aus, aber auch sehr nach Theaterbühne, was nicht zuletzt an den “Sets” liegt, die allesamt direkt aus dem Computer kommen und denen man diesen Ursprung leider Gottes wirklich ansieht. Nein, das mag teuer und aufwändig gewesen sein, taugt aber trotzdem nichts. Zu den Darstellern sag ich mal lieber nichts…wenn schon dem Hauptdarsteller jegliches Charisma abgeht, was soll denn dann der Rest noch großartig rausreißen?

Ne, Fans des Spiels werden sicherlich feucht, wenn sie sich diese Webserie reinziehen, aber alle anderen sollten nicht ihre Zeit damit verschwenden. Es sei denn sie befinden sich im absoluten Notstand und brauchen ihre tägliche Dosis ästhetisch inszenierter Gewalt. Ich bin mal so gnädig und geb’ der Serie 3 von 10 Punkten, weil das Production Value für eine Webserie unverhältnismäßig hoch ist, und das muss man ja auch würdigen.


3/10

Warum hasse ich…Inglourious Basterds?

Mittwoch, September 30, 2009

In der Architekturtheorie gibt es den Begriff des Postmodernismus. Verwendet wird er zumeist, um sich abfällig über diejenigen Bauwerke der Postmoderne zu äußern, die jegliches Maß verloren haben und frei von jedem Geschmack bis in den Exzess Bauelemente der Architekturgeschichte zitieren. Als Rechtfertigung solcher architektonischer Masturbation muss dann in der Regel auch die Geliebte aller Wankelmütigen herhalten: die Ironie. (Ein stichhaltiger Beweis dafür, dass der Humor vieler Architekten wohl keinen Deut besser ist als der der meisten Mathematiker.)

Okay, ihr werdet euch jetzt vermutlich fragen was dieser kleine Exkurs in die Architekturtheorie mit den “Inglourious Basterds” zu tun hat. Nun, wenn es einen Regisseur gibt, dem man getrost vorwerfen könnte, dass seine Werke filmischer Postmodernismus sind, dann Quentin Tarantino. Auch die Basterds sind eine einzige maßlose Ansammlung von Filmzitaten. Da wären die ziemlich offensichtlichen (und unüberhörbaren) Anleihen beim Spaghettiwestern (Grüße von Sergio Leone und Ennio Morricone) oder natürlich der Film Noir. (Mein Gott, selbst die 80′er werden verwurstet.)
Sicher, zitieren ist nichts schlimmes, im Gegenteil der Durchschnittskritiker freut sich über jedes Zitat, kann er dann doch endlich mit seinem ansonsten völlig unverwertbaren cineastischen Wissen glänzen. Insofern sind die Basterds eine wahre Fundgrube ekstatischen Glücks für jeden Cineasten. Der Punkt ist nur, dass die Art und Weise wie Tarantino zitiert oft völlig Sinn- und Stillos erfolgt und schon gar nicht der Filmdramaturgie dient. Sorry, aber Zitieren als Selbstzweck ist Mist, auch wenn es das Geschehen “ironisieren” mag. Gerade der Einsatz der musikalischen Zitate sorgt das eine oder andere Mal für mehr als ein wenig Irritation. (ziemlich interessant, wenn man bedenkt, das Tarantinos Filme ihren Erfolg gerade auch der verwendeten Musik verdankten).

Trotzdem ist Inglourious Basterds ein genialer Film (tut mir leid Moe, wieder ein Film den ich mag;), denn Tarantino gelingt hier etwas, was ich so noch bei keinem anderen Kinobesuch erlebt habe: er offenbart die Unzulänglichkeit der Kinobesucher. Der Film ist eigentlich eine Ohrfeige für alle Tarantinofans. Er mimt die Hure für den Zuschauer, bedient dessen perverse Gelüste nach Gewalt und Blut, um ihn letzten Endes die eigene moralische Verwerflichkeit vor Augen zu führen. Er geht dabei so geschickt vor, dass den meisten Besuchern nicht einmal bewusst wird, das ihnen ihr großes Idol gerade ins Gesicht gespuckt hat. Dabei ist diese “Pointe” recht simpel gestrickt: Tarantino zeigt uns ein Kino voller Nazis, die sich an den Gewaltexzessen eines Propagandafilms ergötzen. Er spiegelt auf dieser Weise geschickt die Reaktionen der realen Zuschauer auf Inglorious Basterds. Der willige Zuschauer wird dazu ermuntert, sich daran zu erfreuen, wie Nazis und Wehrmachtsoldaten abgeschlachtet werden, um dann mit dem Nazipublikum konfrontiert zu werden. Getrost dem Motto: “Wer in den letzten zwei Stunden gelacht und gegrölt hat, ist auch nicht besser als diese Nazis.”

Ich halte eigentlich nichts davon, wenn das Publikum beschimpft wird (oder für blöd verkauft wie in Machwerken á la Armageddon), aber Basterds nehme ich hiervon aus, denn Tarantino fordert seine Zuschauer mit Basterds zum Nachdenken auf…alle Achtung.


9/10

Btw: Der Film sollte unbedingt im Originalton angesehen werden, allein schon wegen Christoph Waltz, der hier wirklich jeden an die Wand spielt.

Schlechte Besprechung – Gute Bewertung !?

Wo der Hass hinfällt 2

Freitag, September 18, 2009

The Hurt Locker – Tödliches Kommando

Das Action-Drama von Kathryn Bigelow folgt den letzten 40 Einsatztagen eines Bombenräumkommandos im Irak. Wird das dreiköpfige Team den immer heimtückischer werdenden Sprengfallen der Aufständischen zum Opfer fallen? Oder wird der neue Einsatzleiter – seines Zeichens ein Adrenalinjunkie – ihr Schicksal besiegeln?

The Hurt Locker ist ein recht stimmiger Film. Bigelow nervt den Zuschauer nicht mit den üblichen Klischees (nein, es gibt keine soll-ich-den-blauen-oder-roten-Draht-durchschneiden-Szene) und unnötig übertriebenen Pathos (echte Leistung bei dem Thema). Auch die Mischung von Wackelkamera und ästhetisch ansprechend inszenierten Explosionen funktioniert einwandfrei und intensiviert den beklemmenden, fast klaustrophobischen Eindruck, den die unüberschaubare Szenerie des irakischen Kriegsalltags mit sich bringt. Insoweit ist The Hurt Locker wirklich einen Blick wert, es gibt allerdings auch ein großes “ABER”, denn so eindringlich und überzeugend der Film auch inszeniert sein mag, hinter der Story steht ein großes Fragezeichen. So habe ich mich, als die Credits über die Leinwand flackerten, ernsthaft gefragt, was mir dieser Film überhaupt mitteilen will. Der Film erweckt über 90 Minuten den Eindruck auf etwas hinauszuwollen, weist aber letzten Endes nur darauf hin, dass es eben kriegsgeile Adrenalinjunkies gibt. Ach so, ach ja, is’ ja interessant. Sorry, aber da bleibt der Film den Zuschauern wirklich etwas schuldig.

Alles in allem daher “nur” eine sieben…


7/10

District 9

District 9 ist eine Pseudo-Doku über in Südafrika gelandete Aliens und die dadurch enstehenden “Integrationsprobleme”.

Im Prinzip ist das in der zweiten Hälfte zum Actionfilm mutierende Drama ein simpler Kommentar zu Südafrikas Apartheitsvergangenheit und den derzeitigen Problemen mit Flüchtlingsströmen aus den Nachbarländern. Aber keine Angst, der unpolitische Durchschnittskinogänger wird durch District 9 nicht über Gebühr belastet…Tiefgang besitzt der Film nämlich nicht wirklich. Schon die Hintergrundgeschichte – ein Ripoff von Alien Nation übrigens – strotzt so dermaßen von Logikfehlern, dass schnell klar wird, dass dieser Film keinen Wert auf eine Botschaft legt, sondern einfach nur Unterhalten will(erschreckenderweise ist sogar der Kurzfilm auf dem District 9 basiert durchdachter!). Was solls, unterhaltsam ist der Film nämlich tatsächlich, da stört selbst der völlig unmotivierte Übergang von Pseudo-Dokumentarfilm zu normalen Spielfilm nicht mehr (stellt sich allerdings die Frage, weshalb man so ein Stilmittel wählt, wenn man es eh nicht durchziehen will). Wirklich gut gefallen mir allerdings die computergenerierten Aliens, die eine nie gekannte “Körperlichkeit” aufweisen.

Ich muss gestehen, dass mir der Film trotz seiner Unzulänglichkeiten gefällt, aber objektiv betrachtet ist hier einfach nicht mehr als ein fünf drin.


5/10

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