Archiv für die Kategorie „Kritiken“
Das Motto lautet HASS…
Ich hatte heute mit Philipp ein aufschlussreiches Gespräch über das Userverhalten auf Blogs. Im Detail ging es um Höflichkeit gegenüber dem Admin. Dabei hat er mir eröffnet, dass er meine Kritik zu Terminator – Salvation zwar unterirdisch fand, das aber nicht posten wollte, um mich nicht vor den Kopf zu stoßen. Das „gehört sich ja nicht“ in der schillernden Welt der Weblogs. Da ich doch schwer vermute, dass es vielen Lesern meines Blogs ähnlich geht, will ich hier für alle etwas klarstellen:
Ihr findet eine meiner Kritiken schlecht…sagt es!
Ihr findet meine Clips mies…schreit es heraus!
Ihr hasst meinen Stil…flüstert mir davon!
Ich bin an negativem Feedback ebenso interessiert, wie an positivem. Dieser Blog hat den Hass schließlich im Namen und im Programm. Kritik ist absolut erwünscht und sie muss auch keineswegs konstruktiv sein…solange es nicht in sinnlosen Beschimpfungen endet, ist alles erlaubt. Dieser Blog ist nicht zur Selbstbeweihräucherung gedacht – davon betreibe ich genug in der Realität – sondern soll eine offene und ehrliche Kommunikation ermöglichen.
Ihr müsst euch halt darauf gefasst machen, dass ich eine andere Meinung vertrete…oder wie eine beleidigte Leberwurst schmolle
Warum hasse ich…Terminator – Salvation ?
Man könnte wohl sagen, dass ein guter Film nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt, vielleicht sogar eine Art Botschaft besitzt, die er dem Zuschauer näher bringt. Nun Salvation bedeutet Erlösung und über Erlösung habe ich tatsächlich intensiv nachgedacht, während ich im Kino saß. Ja, eigentlich habe ich mich sogar richtig nach Erlösung gesehnt, insofern hat der neue Terminator seine Mission erfolgreich ausgeführt.
Ich wollte erlöst werden von der katastrophalen Schauspielerführung. Wieso hatte ich im Vorfeld überhaupt geglaubt, dass Regisseur McG zur Abwechslung mal anständige Arbeit leistet? Und man muss schon ein richtig dämlicher Regisseur sein, um aus einer Darstellerin wie Helena Bonham Carter eine derart miese Performance herauszuholen (Die Frau könnte ein Holzbrett spielen und man würde im Regelfall denken: „Wow, dieses Brett…was für ein Brett! Ich will daraus ein Haus bauen.“). Neben Carter bietet auch der Großteil der anderen Darsteller eine fragwürdige Leistung. Ein eindeutiger Beweis dafür, dass die Schuld beim Regisseur zu suchen ist, denn eine einzelne schwache Performance kann schon mal vorkommen, aber wenn sie so gehäuft auftreten, wie in Terminator – Salvation, sollte sich der Regisseur einsacken lassen. (Auch Bale liefert nur Alibiarbeit, indem er den ganzen Film über „tiefsinnig“ vor sich hin starrt. Gott sei dank ist zumindest Sam Worthington zu ertragen.)
Ich wollte erlöst werden von den Brechreiz auslösenden Dialogen. Meine Ohren fangen immer noch zu bluten an, wenn ich mich nur an diese verbalen Krampfadern zurückerinnere. Schon in der ersten Szene des Films wird man schonungslos mit der Unfähigkeit des Drehbuchautors konfrontiert – ich sage nur: „So schmeckt also der Tod“. Zusammen mit McG’s absolutem Mangel an Einfühlungsvermögen ergibt sich dann das cineastische Äquivalent zu Tschernobyl. Das die Story völlig belanglos ist und in einem an Schwachsinnigkeit nicht mehr zu überbietenden Ende gipfelt, macht den Bock dann auch nicht mehr Fett, wie man so schön sagt. Von den fürchterlich erzwungenen Referenzen auf die früheren Filme fange ich lieber erst gar nicht an…
Salvation heißt aber auch Seelenheil und um mein Seelenheil habe ich gefürchtet, als ich feststellen musste, dass diese 200 Millionen Dollar Produktion den Zuschauer tatsächlich mit teils halbgaren Effekten abspeist. So zum Beispiel in der besten Szene des Films…Schwarzeneggers Auftritt. Man zeigt uns Roland Kickingers Body und Arnolds hübsches Gesicht, dass per Computereffekt über Kickingers Visage gelegt wurde. Der Effekt ist okay, aber für einen Hollywood Blockbuster unter aller Sau. Ich kann mir richtig vorstellen wie sich McG und die Effektfuzzis darauf geeinigt haben, das Ganze als absichtliche Hommage an die Prothesenszenen aus dem ersten Teil zu verkaufen, um die offensichtliche Künstlichkeit zu erklären Trotzdem, wie kann es sein, dass in einer solchen Riesenproduktion Effekte auftauchen, auch wenn es nur einige wenige sind, die man als gerade noch ausreichend bezeichnen kann? Auch die Second Unit(das sind die Jungs die das “langweilige” Zeugs aufnehmen) Aufnahmen haben mich schockiert. Da sind ja manche Serien überzeugender ausgeleuchtet.
Ich würde diesem Machwerk eigentlich nur 2 Punkte geben, aber das wäre wohl etwas ungerecht, denn es handelt sich schließlich um einen Popcorn-Actionfilm und bei diesen kommt es nun mal vor allem auf die Action an. Davon gibt es dann auch reichlich und nett inszeniert ist sie noch dazu. Actionfans werden also bestens unterhalten – solange niemand spricht.
4/10
Intern: Kleine Änderungen…
Wolfgang hat mich letztens darauf hingewiesen – richtigerweise, wie ich finde – dass meinen Reviews etwas die Filmhass Note abgeht. Deswegen werde ich mich in Zukunft stärker auf die Schwächen der besprochenen Filme beziehen, auch wenn es sich eigentlich um durchaus akzeptable Filme handelt. Das soll natürlich nicht heißen, dass ich ab sofort aus Prinzip auf den unsinnigsten Belanglosigkeiten herumreiten werde, zumindest will ich versuchen diesen „Zustand“ zu vermeiden, aber ich werde definitiv die (eklatanten) Schwächen stärker herausarbeiten.
Auf diese Weise verleihe ich dem 10-Punkte Rating auch einen größeren Sinn…es gibt dann sozusagen, die „objektive“ Einstufung abseits meiner Hasstiraden wieder.
PS.
Ja, ich poste jetzt wieder regelmäßiger…hoffe ich
Ferner Liefen 3
Crank 2
Chev Chelios rennt seinem Herz hinterher (nein, das ist keine Metapher) und legt dabei die halbe Stadt um.
Crank war ein dämlicher, doch unterhaltsamer Film. Bei Crank 2 hatten sich die Macher nun offensichtlich vorgenommen, den ersten Teil in allen Belangen zu übertreffen. Das ist ihnen auch zum Teil „gelungen“. Crank 2 ist nämlich tatsächlich wesentlich dämlicher als der erste Teil geraten. Leider hat sich das nicht gerade positiv auf den Unterhaltungswert ausgewirkt. Kurz gesagt: der Film ist infantil und langweilig. Ja, langweilig! Sicher, es wird im Sekundentakt geprügelt, geschossen und gevögelt, doch ohne den Hauch einer Story, und der Film hat nun mal keine, packen einen die Geschehnisse einfach nicht. Da müssen sich Kinobesucher mit schwacher Blase keine Sorgen machen, wenn sie mal kurz das Örtchen aufsuchen: sie verpassen garantiert nichts, weil sich der Film im Prinzip die ganze Zeit wiederholt. Crank 2 hat insofern viel Ähnlichkeit mit einem Porno (auf die er ja auch ständig verweist), denn irgendwie wünscht man sich die ganze Zeit vorspulen zu können, um schneller zu den „interessanten“ Szenen zu gelangen. Wenn ich 14 und Jungfrau wäre (das dürfte wohl die Zielgruppe von Crank 2 sein), würde ich diesen Film vielleicht amüsant finden, aber so…
Pluspunkte kann der Film nur bei der Montage sammeln. Deren Konzept ist zwar mittlerweile auch nicht mehr originell, dafür aber wenigstens sauber und stimmig umgesetzt.
2/10
X-Men Origins: Wolverine
Wie kam der Mann mit dem Backenbart zu seinen glänzenden Klingen? X-Men Origins: Wolverine klärt uns auf.
Eigentlich gibt es über den Film nicht viel zu sagen. Die Inszenierung von Regisseur Gavin Hood schlingert zwischen Mittelmaß und Kitsch (Jetzt mal im Ernst: wie viele Einstellungen, in denen der Held, ob seiner Trauer, schreiend die Fäuste gen Himmel reckt, kann man dem Publikum heutzutage noch aufdrücken?) und das Drehbuch erweckt mit seiner Einfallslosigkeit und den schwachen Twists den Eindruck, dass der Autorenstreik noch anhält. Trotzdem hat der Film einen überraschend hohen Unterhaltungswert. Die Chemie zwischen Hugh Jackman und Liev Schreiber stimmt einfach. Was Drehbuch und Inszenierung dem Zuschauer vorenthalten, erschaffen die Beiden durch Leinwandpräsenz. Der Film wird deswegen zwar noch nicht zu einem Meisterwerk, aber immerhin vor dem Absturz gerettet.
Zwischenzeitlich hat sich übrigens geklärt, weswegen der Verleiher der Presse im Vorfeld einen Maulkorb verpasst hatte…die Kinoversion unterscheidet sich scheinbar nicht – sieht man mal von Effekten und Musik ab – von dem im Netz zirkulierenden Workprint.
6/10
Ferner Liefen 2
Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile.
Harter Cop. Noch härterer Krimineller. Schnelle Autos. Ein Mord. Ein Drogenboss. Rache. Film vorbei. Mehr gibt es eigentlich nicht über die Story des vierten Teils der Fast & Furious Reihe zu sagen. Ich wundere mich eigentlich immer noch darüber, dass dieser Film in den USA am ersten Wochenende 70 Millionen Dollar eingespielt hat. Was hat die Leute ins Kino getrieben? Der Film ist eigentlich das Abziehbild eines Abziehbildes eines…ihr versteht schon was ich meine. Ein Klischee jagt das nächste. Da gibt es beispielsweise den nervigen, inkompetenten FBI Agenten, der dem „guten“ Cop ständig in die Parade fährt. Schussverletzungen lösen bei unserem Helden außerdem höchstens unangenehmen Juckreiz aus und natürlich ist ein getuntes Auto die Lizenz zum „Frauen flachlegen“. Hinzu kommt dann das in den letzten Jahren für Hollywood Filme typisch gewordene, verquere Gangstarap Weltbild (Bullen sind eigentlich auch nur Gangster und, besonders schön, wer nicht den Mumm hat einem Kerl den Kopf wegzublasen, kann kein Held sein!?). Von hier aus könnt ihr euch wohl selbst ein Bild malen.
Die Inszenierung ist dabei okay, aber überraschend bieder. Die „Originalteile“ mögen zwar wieder die Hauptrollen spielen, aber ansonsten mangelt es ganz schön Originalität. Gerade auf ästhetischer Ebene hatte ich mir wesentlich mehr von Fast & Furious erhofft (okay, das war auch die einzige Ebene auf der ich mir etwas erhofft habe). Gut, der Film ist zumindest kurzweilig, daher drücke ich noch mal ein Auge zu und gebe dem Film:
5/10
Forbidden Kingdom
Looser wird aus der Gegenwart in das antike (mythologische) China katapultiert, um zu lernen wie man Leuten in den Hintern tritt (und nebenbei befreit er noch den Monkey King). Wie der eine oder andere hier vielleicht schon anhand dieses kurzen Storyabrisses erkannt hat, orientiert sich Forbidden Kingdom tatsächlich an den einschlägigen Looser-muss-sich-durchsetzen-Filmen der 80’er Jahre. Nostalgiker werden daher vermutlich recht schnell dem Charme dieses Films erliegen. Alle anderen wird dagegen wohl nur eines interessieren: Jackie Chan und Jet Li in einem Film – da hüpft das Herz eines jeden Martial Arts Fans. Schade nur, das diese Vereinigung mindestens 15 Jahre zu spät kommt, denn man merkt den Beiden (vor allem Chan) in den Kampfszenen doch recht deutlich das Alter an. Aber auch abseits der Kampfszenen wirkt der Film etwas angestaubt (und das beziehe ich jetzt nicht auf den 80’er Verweis). Das mag sich jetzt hochtrabend anhören, aber mir fehlt hier die Vision des Regisseurs! Der Film wirkt beliebig, als hätte sich die Crew jeden Tag eingefunden und ausgelost, wie die Arbeit an diesem Tag angegangen wird.
Alles in allem ist Forbidden Kingdom ein unterhaltsamer Film, aber nichts was man gesehen haben muss.
6/10
Tintenherz
Was wäre wenn man die Welt die sich hinter den Seiten eines Buches verbirgt zum Leben erwecken könnte? Eine Frage auf die man keine Antwort haben will, wenn man sich dafür Tintenherz ansehen muss. Der Film dürfte mit Sicherheit eine der schlechtesten – vielleicht sogar die schlechteste – Literaturverfilmungen der letzten zehn Jahre sein. Der Film macht einfach alles falsch. Die Story entwickelt sich im Buch langsam und bezieht daraus einen Großteil ihrer Spannung. Im Film werden die Figuren dagegen so durch die Story gehetzt, dass überhaupt keine Spannung aufkommen mag, weil man sich nur fragt, was das alles denn soll. Auch das Casting ist zum Großteil miserabel. Wer kauft z.B. Brendan Fraser die Rolle eines Buchrestaurateurs ab? Und das Frasers Stimme Bücher zum Leben erwecken soll, kann man ja auch nur unter „schlechter Scherz“ verbuchen. Allerdings muss man das auch und vor allem dem Regisseur ankreiden, denn die Inszenierung ist jenseits von Gut und Böse. Ideenlos, uninspiriert und einfach langweilig.
2/10
Ferner liefen 1
Da ich heute gesundheitlich angeschlagen bin (Symptome deuten laut Google Recherche auf Herzinfarkt…lol), dachte ich mir, ich nutze die Zeit, um mehrere Filme, die ich in den letzten Wochen gesehen habe, die aber eine längere Kritik nicht wert wären, kurz abzuhandeln.
Underworld III
Werwolf Romeo trifft auf Vampir Julia in mittelalterlicher Underworld. Eine nennenswerte Story gibt es nicht, die Hauptdarstellerin spielt unterirdisch – vermutlich um dem Filmtitel ihre Referenz zu erweisen – und spätestens ab der zweiten Hälfte des Films sollte man das fehlen jeglicher Logik einfach akzeptieren. Trotzdem fand ich den Film überraschend unterhaltsam. Vielleicht liegt es daran, dass ich nach dem desaströsen zweiten Teil meine Erwartungshaltung ganz nach unten geschraubt hatte, aber im Prinzip liefert der Film das was er liefern soll: schnörkellose Fantasy Action mit einem guten Schuss Atmosphäre. Fantasy ist halt einfach kein Genre, das einen Citizen Kane nach dem anderen liefert (das war „Der Herr der Ringe“ übrigens auch nicht).
6/10
Slumdog Millionär
Okay, ihr werdet euch jetzt fragen, weshalb ich ausgerechnet diesem Film keine längere Kritik gönne. Nun, ich denke in den letzten Wochen wurde so viel über Danny Boyles Oscarabräumer geschrieben – positiv wie negativ – das es mittlerweile einfach uninteressant wäre, mehr als einen kurzen Abriss der eigenen Meinung zu liefern. Machen wir es kurz und schmerzlos: der Film ist gut. Es handelt sich um klassisches Hollywoodkino vom feinsten (lustige Sache, wenn man bedenkt, dass es eigentlich sich um einen Independentfilm handelt). Es kommt also eigentlich ganz darauf an, ob man Hollywoodkino mag. Fragt euch also selber: will ich einen Film sehen, der mir das Gefühl gibt, dass jeder seinen Weg gehen kann, egal, wie steinig er sein mag(Boyle hat die Geschichte im Nachhinein als eine Art Rocky Story bezeichnet)? Will ich einen Film sehen, der mir das Gefühl gibt, dass die Liebe am Ende siegt? Falls ihr diese Fragen mit ja beantwortet, dann ist Slumdog Millionär euer Film des Jahres.
8/10
Punisher Warzone
Frank Castle ist angepisst, weil böse Buben seiner Familie schlimme Dinge angetan haben. Es werden Menschen sterben – sehr viele Menschen. Das quasi Sequel zum äußerst lahmen Punisher von 2004 versucht alles besser als der Vorgänger zu machen und macht stattdessen alles schlechter. Diesmal spielt Ray Stevenson den Punisher, d.h. eigentlich scheint er Steven Segal zu spielen, der versucht den Punisher zu spielen – zumindest lässt Stevensons ausgefeilte Mimik diesen Schluss zu. Der Grad der Gewaltverherrlichung ist dabei nicht mehr zu steigern. Da schmeißt der Punisher schon mal einen Wehrlosen von einem Hochhaus, um ihn auf einem Zaunpfahl aufzuspießen und springt dann hinterher(!) um ihn auch noch das Genick zu brechen. Sehr schön ist auch die Bestrafung eines fetten, glatzköpfigen Rockers, der einfach nur auf dem Boden eines Fahrstuhls sitzt – vermutlich hatte er den Kopfschuss wegen seines Übergewichts verdient. Ich glaube es erübrigt sich, darauf hinzuweisen, dass das Skript, die Inszenierung usw, allesamt nicht gerade berauschend sind.
3/10
The International
Clive Owen packt die böseste Bank der Welt an ihren Eiern. Die Story hat zugegebenermaßen einen naiven Touch, aber das gleicht der Film relativ gut aus. Die Darsteller machen ordentliche Arbeit (bei Owen reicht allein die Leinwandpräsenz), Regisseur Tykwer hat den Film einwandfrei in Szene gesetzt und das Ergebnis unterhält. Was will man mehr. Wer mal wieder einen halbwegs guten Thriller sehen will, bitteschön. Naja, andererseits fehlt dem Film dann doch der letzte Biss und das Thema hätte sicherlich auch wesentlich mehr hergegeben, als der Film daraus gemacht hat.
7/10
Genug…sollte das mein letzter Eintrag in diesem Blog sein, war es wohl doch ein Herzinfarkt.
Intern: Bewertungssystem
Ich habe mich heute entschieden ein Wertungssystem für die Kritiken einzuführen. Es ist das typische 10 Punktesystem, dass die meisten von euch sicherlich schon von anderen Seiten kennen:
Oh mein Gott, meine Augen und Ohren bluten!
Ist das mein Kreislauf, oder warum habe ich das Bedürfnis mich zu übergeben?
Wo hat der Kerl das Geld für die Produktion her?
Geht gerade noch so, wenn ich nicht allzu lange am Stück auf die Leinwand schaue.
Nicht gerade berauschend, aber man überlebt es.
Ist in Ordnung.
Guter Film, aber da sind so ein paar Kleinigkeiten…
Wirklich gut und überzeugend.
Den Film muss man gesehen haben.
Ein 90 Minuten andauernder Orgasmus!
Sollte ein Film meiner Meinung nach auf zwischen zwei Punkten stehen, runde ich entsprechend auf oder ab. Die alten Kritiken habe ich bereits aktualisiert.
RocknRolla
Guy Ritchie ist wieder da. Nach dem katastrophalen Swept Away und dem wenig beachteten Revolver hat er hat sich allem Anschein nach wieder auf seine Wurzeln besonnen und liefert uns mit RocknRolla eine schräge Gangsterkomödie ganz im Stile seiner, das Genre prägenden, Filme Bube, Dame, König, grAs und Snatch. In Tradition der letztgenannten Filme besteht auch bei RocknRolla die Handlung eigentlich nur in einer Verkettung von unglücklichen Vorfällen und Missverständnissen, die dazu führen, dass allerlei zwielichtige Figuren sich gegenseitig jagen und die Knochen brechen – auf die gewohnt coole und amüsante Weise versteht sich. Es gibt also wieder bizarre Situationen und schräge Charaktere en mas.
Stilistische Orgie
Weshalb Ritchies Filme einen so großen Einfluss hatten, wird dann auch bei RocknRolla von Beginn an deutlich. Würde es das Wort „stylish“ nämlich nicht geben, hätte man es bestimmt für Ritchies Filme kreiert. Die Bilder, der Schnitt oder aber auch der Einsatz der Musik lassen den Filmbegeisterten einfach einmal mehr in Bewunderung verfallen, so geschickt verflechtet Ritchie die einzelnen Departments des filmischen Handwerks miteinander. Das typische Guy-Ritchie-Gangsterfilm-Gefühl, dass in den letzten Jahren so oft, meist mit wenig Erfolg, zu kopieren versucht wurde, stellt sich umgehend ein.
Kein Feuer
Das Problem ist nur, dass der Funke nicht wirklich überspringen will. Vielleicht liegt es daran, dass die „Coolness“ der Figuren diesmal zu aufgesetzt wirkt. Vielleicht liegt es auch an der konfusen Struktur des Drehbuchs, die wohl der Tatsache geschuldet ist, dass es sich um den ersten Teil einer Trilogie handelt, und auf Grund dessen sich noch nicht einmal eine richtige männliche Hauptrolle ausmachen lässt (bei den Frauen ist das einfacher, da es praktisch nur eine Frau im Film gibt, die mehr als drei Sätze sagen darf!). Ein bisschen kommt man sich da wie bei einer traurigen Ausgabe des Herzblatts vor. Keiner der drei Kandidaten entspricht den gewünschten Anforderungen. Da wäre Archie, der zwar die Story erzählt, dafür aber nur gelegentlich im Film auftaucht. Dann gibt es noch One Two, der tatsächlich die meiste Leinwandzeit eingeräumt bekommt, was sich aber nicht wirklich aus der Story ergibt, sondern vielmehr daraus – so zumindest meine Vermutung – dass die Figur von Gerard Butler gespielt wird, dem größten „Namen“ im Film. Und schließlich wäre da noch Johnny Quid, auf den sich der Fokus erst gegen Ende des Films verschiebt, der aber immerhin der titelgebende RocknRolla ist. Hier fehlt dem Film eindeutig etwas feinschliff. Gut möglich, dass Ritchie beim Schreiben der Trilogie den Überblick verloren hat. Vielleicht überzeugt der Film aber auch nicht wirklich, weil Ritchie mit RocknRolla kein Stück weiter gegangen ist, als er es mit Snatch tat: Die coolen Stories, die die Figuren zum Besten geben, hat man alle so ähnlich schon mal gehört. Das gleiche gilt für das coole Gehabe und so weiter.
Fan oder nicht Fan, das ist hier die Frage
Der Film ist durchaus unterhaltsam und besticht, wie gesagt, durch seinen großartigen Look, aber letzten Endes, kann ich ihn nur denjenigen empfehlen, die bereits Fans von Ritchies bisherigen Gangsterkomödien sind. Der Rest sollte sich lieber Snatch ausleihen, um Ritchie auf seinem Höhepunkt zu erleben, und sich dann fragen, ob man dem RocknRolla eine Chance geben will.
6/10
Gran Torino
Walter Kowalski hat genug. Genug von seinen Kindern und Enkeln, die ihn als nicht mehr ernstzunehmenden Erblasser betrachten. Genug von seinem Viertel, das über die Jahre immer weiter herunter gekommen ist. Und natürlich hat er vor allem genug von den asiatischen Nachbarn, die sich auf seinem Rasen breit machen. Es wird wieder Zeit das Gewehr auszupacken…oder nicht?
In seinem Gedenken
Wenn man sich die aktuellen Kritiken zu Gran Torino zu Gemüte führt, könnte man meinen Clint Eastwood sei vor kurzem verstorben. So liest sich mancher Artikel wie ein Nachruf auf das Urgestein des Hollywoodkinos. Von seinen Errungenschaften ist die Rede, von dem Mythos Eastwood und seiner Integrität wird da ehrfurchtsvoll gestammelt – da wird selbst denjenigen das Herz schwer, die Eastwood früher als Inbegriff des reaktionären Actionkinos verteufelt haben. Der Grund ist nachvollziehbar: Gran Torino ist vermutlich Eastwoods letzter Auftritt als Schauspieler.
Ach, den Film gibt es ja auch noch
Es entsteht der Eindruck, dass der Film in der Kritik hinter all den Sentimentalitäten zurücktritt und zur Nebensache wird. Schnell wird Gran Torino noch zum Meisterwerk erklärt – über Tote will man schließlich nichts Schlechtes sagen. Dabei ist diese formale Krönung von Eastwoods Werk völlig unnötig, denn Gran Torino ist ein überzeugender Film, der keines falschen Zuspruchs bedarf: Die Story ist simpel, aber packend und Eastwood zeigt einmal mehr, weshalb er über Jahrzehnte hinweg als die Verkörperung des “gerechten” Lynchmörders schlechthin galt. Die eigentliche Leistung des Films besteht jedoch darin, dass es sich um eine der wenigen guten Reflektionen über das Genre handelt. Eastwood gelingt es all die typischen Klischees, die uns in Rachethrillern begegnen, auf clevere Weise zu dekonstruieren und beschert uns dadurch, quasi nebenher, einen der brillantesten Showdowns der Filmgeschichte.
Kein Meisterwerk
Gran Torino ist aber sicherlich kein Meisterwerk. Man merkt ihm in manchen Szenen einfach an, dass er mit nur fünf Drehwochen etwas schnell abgedreht wurde. Darunter hat vor allem die darstellerische Qualität mancher Schauspieler gelitten, gelegentlich aber auch die Inszenierung, die in der einen oder anderen Sequenz etwas beliebig daher kommt. Und selbst das Skript offenbart die eine oder andere Schwäche – manches kann man der Geschichte einfach nicht abnehmen – die dann aber meist durch Eastwoods Präsenz oder die ironische Grundstimmung, die den Film generell auszeichnet, aufgefangen wird. Die angeführten Mängel sind aber bei weitem nicht ausreichend, um dem Film als Gesamtwerk zu schaden. Ich habe sie hier nur aufgezählt, um verständlich zu machen, weshalb ich nicht ganz mit den Kritiken, die den Film proforma in den Himmel loben, konform gehe.
Gran Torino kann ich bedenkenlos jedem empfehlen. Eastwoods letzte Darbietung als Schauspieler ist – mal amüsant, mal emotional ergreifend – ein würdiger, aber vor allem überzeugender Abgang von der Bühne und zugleich auch ein weiterer Beweis seines Könnens als Regisseur.
8/10
//Nachtrag
Mir ist gerade aufgefallen, dass die deutsche Synchronisation sehr “gewöhnungsbedürftig” ist. Schaut euch den Film also lieber im Original an.
Doku: The Pervert’s Guide To Cinema
Copyright P GUIDE LTD
Der Philosoph und Psychologe Slavoj Žižek führt uns in die Welt des Kinos ein. Der Film stammt zwar von 2006, aber ich will ihm hier trotzdem ein wenig Platz einräumen, denn es handelt sich um einen echten Geheimtipp für alle perversen Cineasten.
Žižek
Žižek ist das Enfant terrible der Philosophie. Er liebt es zu provozieren (und schlägt daher auch mal gerne vor Bücher zu verbrennen), erklärt die europäische Kultur anhand der Bauweise ihrer Toiletten (und wirkt dabei wie ein koksender Wahnsinniger) und hat eine ausgeprägte Liebe zum Film, den er für die ultimative perverse Kunst hält. Entsprechend unterhaltsam fallen dann auch Žižeks Ausführungen in „The Pervert’s Guide to Cinema“ aus.
Neo trifft Groucho
Copyright P GUIDE LTD
Die Doku will nicht erklären wie Film gemacht wird, vielmehr geht es darum aufzuzeigen was Film mit uns macht, wenn wir ihn konsumieren. Žižek analysiert Klassiker der Filmgeschichte – von den Marx Brothers bis Matrix – und zeigt uns dabei nicht nur die verschiedenen Ebenen auf denen Film funktioniert, sondern erzählt uns vor allem etwas über unser eigenes Innenleben. Man sollte allerdings nicht den Fehler machen und den Film oder Žižek zu ernst zu nehmen. Ironische, übersteigerte Behauptungen sind eines der am meisten verwendeten Stilmittel in dieser Dokumentation (so z.B. wenn erklärt wird, warum Blumen eigentlich verboten gehören).
Ich nix verstehen
Wer mit Untertiteln nichts anfangen kann, sollte jedoch gute Englischkenntnisse besitzen, da es von dem Film leider keine Fassung mit deutscher Synchronisation gibt. Hinzu kommt, dass Žižeks slowenischer Akzent manch einem zusätzlich Verständnisprobleme bereiten könnte. Andererseits muss man sagen, dass der Film nur im Original seine volle Stärke entfaltet, gerade weil Žižeks Akzent den Gesamteindruck abrundet.
„The Pervert’s Guide to Cinema“ ist unterhaltsam und intelligent zugleich. Wer Filme nicht nur konsumieren will, sondern sich wirklich für das Medium (oder Psychologie) interessiert, sollte unbedingt einen Blick riskieren.
8/10



