Archive for the ‘Provokation der Woche’ Category

Filmpiraterie: Die Industrie kriegt was sie verdient 4

Donnerstag, Juni 11, 2009

Okay, das Thema Filmpiraterie als „Provokation der Woche“ weitet sich so langsam zur „Provokation des Jahres“ aus…wird Zeit das ich wenig voran komme. Meine bisherigen Ergüsse zum Thema finden sich hier, hier und hier.

Einmal die Raubkopie, bitte!

Okay, aus welchen Gründen greift der Durchschnittsmensch eigentlich zu einer Raubkopie?

Nun da wäre zum einen der Sammeltrieb – wenn es etwas gibt, dass man horten und katalogisieren kann, gibt es auch immer jemanden, der genau das macht, auch wenn es noch so sinnlos ist. Jeder kennt sicherlich dieses seltsame Phänomen: ein Bekannter erzählt, dass er sich mehr oder weniger das gesamte Kinoprogramm des letzten Quartals „gezogen“ hat. Auf die Frage hin, was denn gut gewesen sei, stellt sich dann aber heraus, dass er praktisch keinen dieser Filme angesehen hat. Hier geht es einzig um Triebbefriedigung, das Gesammelte selbst hat keinerlei Bedeutung. An solchen Fällen sieht man auch sehr schön wie unsinnig diejenigen Verluststatistiken der Filmindustrie sind, die einfach das illegale Downloadaufkommen eines Films auf Kino- und DVD-Preise umlegen. Es wird so getan als bestünde ein realer Verlust, obwohl es in Wahrheit nie zu Einnahmen gekommen wäre, denn kein Sammelwütiger würde all diese Filme kaufen oder im Kino sehen, wenn er sie nicht mehr illegal downloaden könnte.

Der zweite Grund für den Griff zur Raubkopie besteht in der Geltungssucht. Wir alle wollen Anerkennung und dafür müssen wir „mitreden“ können. Das können wir aber natürlich nur, wenn wir halbwegs informiert sind, d.h. wir müssen den Film sehen. Am besten wäre es natürlich, wenn wir noch dazu zu den ersten gehören, die den Film gesehen haben, damit wir noch etwas mehr mit unserem „kostbaren Wissen“ glänzen können. Und siehe da, im Netz kriegt man manchen Film schon vor dem Kinostart – wie soll der Durchschnittsmensch, dessen Geltungssucht von der Industrie ja begrüßt und gefördert wird (siehe letzter Teil), dieser Versuchung widerstehen?

Der letzte Grund ist der simpelste, aber nachvollziehbarste: Geldmangel. Bei einem Kinokartenpreis der zwischen € 7,50 und € 9,90 liegt, überlegt man sich schon zwei Mal, ob man sich einen Film ansieht (vor allem, wenn man ihn ein paar Monate später zum gleichen Preis auf DVD bekommen kann). Und an dieser Stelle setzt das eigentliche Problem der Filmindustrie ein: die mangelnde Qualität des Produkts. Wenn man für einen miesen Film nach dem anderen horrende Eintrittspreise bezahlt hat, denkt man sich halt irgendwann einfach: „Warum nicht einfach ziehen?“

Was es mit der mangelnden Qualität auf sich hat, sehen wir dann beim nächsten Mal…ja, sorry, ich bin immer noch nicht fertig :)

Filmpiraterie: Die Industrie kriegt was sie verdient 3

Samstag, Mai 9, 2009

Teil 1 und 2 dieses Artikels finden sich hier und hier.

Vertrieb

Einen schlechten Film auf einer obszön großen Anzahl von Kinoleinwänden zu starten, hat – trotz der steigenden Unkosten – einige Vorteile. Von grundlegender Bedeutung ist natürlich die Tatsache, dass wir durch das extreme Überangebot unseres Films überhaupt erst die Grundlage dafür schaffen, dass das Hauptgeschäft am ersten Wochenende nach Filmstart stattfinden kann. Der enorme Werbeaufwand im Vorfeld sollte ja eine entsprechend große Nachfrage erzeugt haben, die natürlich nur befriedigt werden kann, wenn ausreichend Angebot vorhanden ist. Damit ihr euch besser vorstellen könnt weshalb ich von einer Verlagerung des Hauptgeschäfts spreche, vergleichen wir doch mal einfach Star Wars (1977) und Transformers (2007). Transformers spielte am ersten Wochenende in den USA $70.502.384 ein (insgesamt $319.246.193). Um diese Summe zu erreichen brauchte Star Wars (insgesamt $307.263.857) fast zwei Monate!

Eine „nette“ Folge des Überangebots unseres Films ist weiterhin, dass jeder belegte Kinosaal automatisch ein Saal ist, in dem keine Konkurrenz läuft. Wir verknappen also das Filmangebot im Kino und steigern dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass sich unentschlossene Kinobesucher für unser Produkt entscheiden. Was uns aber besonders am Herzen liegt, ist die Beschleunigung der Filmverwertungskette. Logische Konsequenz der Verlagerung des Hauptgeschäfts auf das erste Wochenende ist schließlich, dass der Film relativ schnell wieder aus den Kinos verschwinden wird. Es mag paradox klingen, aber wir wünschen uns, dass unser Film nicht allzu lang in den Kinos läuft. Nur so können wir ihn möglichst schnell auf den äußerst lukrativen DVD-Markt schmeißen(man denke an die berüchtigten Querelen, die den Sin City Start umgaben).

Interessant an diesem Vorgehen ist aber der psychologische „Kollateralschaden“ der beim Kinobesucher entsteht. Adaptieren nämlich die konkurrierenden Verleihe unser Konzept – und das tun sie – so beschleunigt sich die Filmverwertungskette aller Filme. Das Ergebnis ist eine Veränderung der Kinolandschaft und ihrer Wahrnehmung durch den Kinobesucher. Dieser bemerkt natürlich, dass die Filme immer schneller aus dem Programm genommen werden und schließt daraus, dass er Filme, die ihn interessieren, zukünftig möglichst schnell sehen muss, will er sich nicht den Kinogenuss entgehen lassen. Auf diese Weise verstärkt die Industrie die Konditionierung des Zuschauers, die durch das Marketing begonnen wurde: sieh den Film jetzt oder nie!

Weiter geht’s in den nächsten Tagen…

Filmpiraterie: Die Industrie kriegt was sie verdient 2

Donnerstag, April 30, 2009

Marketing

Um zu verstehen welche Rolle das Marketing spielt versetzen wir uns jetzt in einen beliebigen Produzenten, z.B. Jerry Bruckheimer. Nehmen wir an Jerry hat gerade Transformers 15 produziert und muss sich nun eingestehen, dass der Film der absolute Tiefpunkt der Reihe ist. Wie kann er diesen Schrott nur ans Publikum bringen, fragt er sich. Da Jerry nicht auf den Kopf gefallen ist, weiß er natürlich was sein größtes Problem ist: Information. Er muss verhindern, dass der potenzielle Zuschauer die Möglichkeit erhält, sich ein realistisches Bild von dem Film zu machen. Als erstes bringt er also die Kritiker unter seine Kontrolle. Die Wankelmütigen werden mit Werbegeschenken bestochen, die Ängstlichen mit Vertragsklauseln geknebelt und die Unangenehmen einfach nicht zu den Pressevorführungen eingeladen. Schon ist die Presse ausgeschaltet. Jetzt muss er aber auch noch die Mundpropaganda verhindern.

Mundpropaganda – da läuft Jerry ein Schauer über den Rücken. Wie soll man die verhindern? Spätestens, wenn der Film ein oder zwei Wochen gelaufen ist, hat sich herum gesprochen von welch fragwürdiger Qualität er ist. Hmm, großes Problem…aber auch hier findet Jerry eine geniale Lösung. Er muss einfach dafür sorgen, dass sich das Hauptgeschäft auf das erste Wochenende des Filmstarts verlagert. Schafft er es die Menschen davon zu überzeugen, dass sie den Film sofort sehen müssen, kann selbst ein mieser Film Profit abwerfen, denn bis es sich herumgesprochen hat, wie schlecht der Film ist, hat ihn ja schon jeder gesehen. Wir beginnen daher damit den Zuschauer mit Werbung zu bombardieren.

Allein die Oscarkampagne eines Blockbusters kostet in der Regel etwa 10-15 Millionen Dollar – soviel wie die gesamte Slumdog Millionär Produktion! Nun stellt euch einmal vor welche Summen für die internationale Bewerbung solcher Filme ausgegeben werden. Dreamgirls hatte Produktionskosten von etwa 75 Millionen Dollar. Das Werbebudget für diesen Film betrug allerdings weitere 40 Millionen! Und das bei einem Film der nicht gerade das darstellt, was man unter einem Blockbuster versteht. (Kann es einen bei diesen Zahlen noch verwundern, dass es, nachdem ich Filmhass gestartet habe, nur zwei Wochen dauerte, bis ich das erste Mal von einer PR Firma angeschrieben wurde? Ich habe keine Ahnung wie ich in den jeweiligen Verteilern gelandet bin.)

Um den Werbeeffekt zu maximieren muss Jerry aber auch die Kinosäle kontrollieren. Wir starten einen Film daher nicht etwa auf 1331 Leinwänden (E.T., 2. Juli 1982) und steigern die Anzahl bei zunehmenden Erfolg, sondern bringen ihn direkt mit 4000 Vorführkopien (X-Men Origins: Wolverine, 1. Mai 2009) auf den Markt.

Aber dazu mehr beim nächsten Mal…

Filmpiraterie: Die Industrie kriegt was sie verdient

Dienstag, April 28, 2009

Da ich im Moment viel um die Ohren habe, wird die „Provokation der Woche“ diesmal über die gesamte Woche verteilt.

Ich will mich hier nicht mit langen Vorreden aufhalten. Wir alle wissen, dass die Filmindustrie jedes Jahr von neuem über Filmpiraterie, und die damit verbundenen Verluste, jammert. Ich verzichte hier daher darauf noch ein Mal alle Prämissen lang und breit abzuklären. Nur eines sollte ich vielleicht noch kurz klarstellen: Es geht mir hier nicht darum, die organisierte und Profit orientierte Distribution von Raubkopien zu verteidigen. Nichts läge mir ferner. Es geht mir um den einzelnen Bürger und den Versuch ihn zu kriminalisieren.

Logische Konsequenz

Meine These ist simpel: Ich denke die Politik der Filmindustrie zwingt den „kleinen Mann“ geradezu zum Raubkopieren. Da werden Summen für die Werbung eines einzelnen Films ausgegeben, die in keinerlei Verhältnis zu den Kosten des Produkts stehen, um dem potenziellen Kinobesucher den Mund wässrig zu machen. Gleichzeitig sinkt die Qualität der veröffentlichten Filme auf ein nie gekanntes Niveau, was eben jenen Kinobesucher darüber verunsichert, ob es sich wirklich lohnt, das Geld für eine Eintrittskarte auszugeben. Eintrittskarten, die noch dazu immer teurer werden, weil die Verleiher den Kinobesitzern von Jahr zu Jahr eine größere Beteiligung am Einspielergebnis abringen. Will man „mitreden können“ liegt folglich der Griff zur Raubkopie nahe.

Die einzelnen Bestandteile dieses Vorgangs werden die Themen der nächsten Posts sein…

Fanboys sind die Pest

Donnerstag, März 26, 2009

Sie können dir nicht erklären worin die Macht des „einen Ringes“ besteht, wissen aber, seitdem sie den Film gesehen haben, dass „Der Herr der Ringe“ das beste Buch aller Zeiten ist. Sie haben noch nie etwas von der heisenbergschen Unschärferelation gehört, können dir aber versichern, dass eine Antriebstechnologie für Raumschiffe, die auf Delizium Kristallen aufbaut, wesentlich realistischer ist als der ganze esoterische Star Wars Quatsch. Durch göttliche Eingebung ist ihnen außerdem bekannt, dass 08/15 Technologie den dreifachen Preis wert ist, solange nur ein Apfel darauf prangt. Und das schlimmste von allem: sie hängen sich Poster von Lara Croft an die Wand.

Fanboys

Die Rede ist natürlich von Fanboys. Gut, das war nicht schwer zu erraten, stand ja schließlich schon im Titel, aber ich dachte ich erkläre das noch mal für die Michael Bay Fans unter meinen Lesern. Ich hab’ ja ein Herz für den intellektuellen Mittelstand. Egal, bei den Fanboys scheint es sich um eine Art Subspezies des Homo Sapiens zu handeln, die wohl aufgrund von Umweltgiften, durch Mutation (ich vermute chinesisches Spielzeug ist schuld), entstanden ist und die den Niedergang jeglicher Kultur betreiben. Ihr denkt jetzt ich übertreibe mal wieder maßlos und das die paar Fanboys doch harmlos sind, aber ganz so einfach dürft ihr es euch nicht machen. Sicher, vor ein paar Jahren waren Fanboys noch mehr oder weniger kleine Gruppen, die sich um einige ausgewählte Nischenprodukte versammelten. Das war früher!

Mehr mehr mehr!

Mittlerweile haben gewitzte Marketingexperten das Bedürfnis der Jugend nach Zugehörigkeit für sich entdeckt und fördern es so gut es geht: Viral Marketing, interaktive Homepages, Previews, Previews von den Previews, mein Gott, selbst Previews vom Preview eines ersten Artworks, sind an der Tagesordnung – plötzlich erregt das belangloseste Stück Information Aufmerksamkeit. Das Ergebnis ist verheerend. Die Zahl der Fanboys steigt exponential an. Es gibt nicht mehr den Kult um einige wenige Nischenprodukte, sondern eine Art Konsumjunkie Version des alten Fanboys, der sich praktisch jeden Monat ein neues Produkt sucht, dass er abgöttisch lieben kann. Als Konsequenz bricht selbst um die uninteressantesten Produkte ein Hype aus, der seinesgleichen sucht, und für normale Menschen eine echte Belästigung darstellt.

Moderner Faschismus

Das dramatische an dieser Entwicklung ist, dass die Fanboybewegung tatsächlich ernsthafte Auswirkungen hat. In ihrer Getriebenheit streben die Fanboys eine komplette Gleichschaltung der Menschen an. Getreu dem Motto „Wer nicht meiner Meinung ist, ist mein Feind“. Kritik am Kultgegenstand wird zum Sakrileg, das bestraft werden muss und der moderne Fanboy hat das ultimative Mittel um zu bestrafen: Liebesentzug! So wird z.B. eine Zeitschrift, die Kritik übt, einfach nicht mehr gelesen. Das führt die verantwortlichen Redakteure zur Erkenntnis, dass sie bei ihren Artikeln nun nicht mehr nur noch auf die Werbekunden schielen müssen, nein, sie müssen sich auch noch fragen, ob es klug wäre, die Mängel an einem Produkt aufzuzeigen. Das könnte ja einer relativ großen Anzahl von Lesern aufstoßen. Aufklärung ist für den Fanboy schließlich unerträglich, die Verklärung strebt er an. Kritik ist nutzlos, wenn sie ihn nicht in seiner vor Monaten oder Jahren festgelegten Meinung bestätigt. Leidtragende sind diejenigen, die sich tatsächlich noch über die Fachpresse informieren wollen. Bietet diese doch nun dank der Fanboys endgültig nur noch bessere Werbetexte(das gleiche Schicksal kann jeden Blog etc. ereilen).

Sind wir nicht alle ein bisschen Fanboy?

Freilich können wir wohl nur wenig am Phänomen des Fanboys ändern, scheint es doch so, dass der Fanboy nur das offen auslebt, was den meisten von uns schon lange heimlich inne wohnt. Der Fernsehmensch. Wir scheinen in einer Welt zu leben, die die Kunst imitiert – vor allem miese Sitcoms und Soap Operas – und entsprechend bizarr verhalten wir uns. Wenn wir beispielsweise jemanden kennen lernen, finden wir ihn nur sympathisch, wenn er unseren Vorstellungen entspricht. Deswegen tut der Italiener von der Pizzeria um die Ecke immer so als könnte er kein richtiges Deutsch. Und deswegen ist der gleiche Italiener verstimmt, wenn wir ihn als normalen Menschen behandeln und nicht als die exotische Attraktion. Tja, wir verhalten uns eben als wären wir Figuren aus „Friends“ oder „(Trans)sex(ual) and the City“ und erwarten auch das die anderen sich so verhalten…da können wir ja froh sein, wenn wir nur Fanboys werden.

Filme haben eine Teilschuld an Amokläufen

Freitag, März 13, 2009

Die Debatte um Killerspiele und Gewaltfilme ist nach den Geschehnissen von Winnenden wieder voll entbrannt. Eine leidige Diskussion. Leidig, weil sie nach dem altbekannten Schema ablaufen wird. Konservative Politiker, die nicht die geringste Kompetenz in den von ihnen angekreideten Bereichen aufweisen, werden versuchen sich durch den lauten Schrei nach schärferen Gesetzen zu profilieren. Zur Selbstkritik unfähige Jugendliche werden dann weinerlich darüber schimpfen, dass man ihnen ihre Lieblinge wegnehmen will und opportunistische Funktionäre der Grünen werden versuchen sich bei zukünftigen Wahlen günstigere Ausgangspositionen zu sichern, indem sie sich auf die Seite der armen Jugend stellen. Nicht zu vergessen die Lobby der Psychologen, die sich ganz „objektiv“ für bessere Betreuung an Schulen aussprechen wird, um noch mehr Kohle für unnütze Projekte abzustauben. Die Debatte wird vielen individuellen Interessen dienen, aber am eigentlichen Problem mal wieder gar nichts ändern.

Die Realität akzeptieren

Es wird Zeit, dass die Politik die „Realität“ in den Kinderzimmern akzeptiert. Weder Counter Strike noch Hostel sind ernstzunehmende Hinweise für Gewaltbereitschaft. Diese Medienprodukte zeugen nur vom schlechten Geschmack einer ganzen Generation und der Einfallslosigkeit der Produzenten. Es wird aber auch Zeit, dass die Gamer und Filmsüchtigen akzeptieren, dass der unkontrollierte Konsum von Gewalt verherrlichenden Medienprodukten keinesfalls unbedenklich ist. Es stimmt einfach nicht, dass Filme oder Spiele uns nicht wirklich beeinflussen würden. Das bedeutet nicht, dass eine generelle Zensur ausgeübt werden sollte, aber gewisse Veränderungen an den Inhalten wären eine Option – ein Spiel wird nicht besser, wenn es blutiger gestaltet ist. Und wenn man sich gegen derartige Veränderungen entscheidet, was aus Gründen der Freiheit der Kunst durchaus nachvollziehbar wäre, so sollte man doch wenigstens ein gewisses Problembewusstsein bei den Beteiligten schaffen. Es gibt zu viele Eltern die ihre Kleinen vor das „Kinderprogramm“ der privaten Fernsehsender setzen, ohne sich die geringsten Gedanken über die Tauglichkeit der Programminhalte zu machen – Zeichentrick ist halt für Kinder, gell?

Die Schuld der Medien

Und da wären natürlich noch die besagten Psychologen, die ja nur zu gut wissen, woher die Gewaltausbrüche unter Jugendlichen rühren. Ist ja auch nicht schwer diese Ursachen zu erkennen, jeder Schimpanse kann das. Wir leben in einer Gesellschaft, die dem Einzelnen über die Medien permanent den Eindruck vermittelt, dass nur Menschen die gewissen Kriterien entsprechen, einen Wert haben. Wer zu diesen Helden der Gesellschaft gehören will, muss sich beeilen und anstrengen, denn all die anderen Versager wollen schließlich auch ihren Platz im Paradies. Konkurrenz belebt das Geschäft und zerbricht nebenher die nicht ganz so Durchsetzungsfähigen. Es ist Paradox, um nicht zu sagen verlogen, dass wir in unserer angeblichen Aufgeklärtheit den Sozialdarwinismus öffentlich verurteilen und doch gleichzeitig voll ausleben. Solange wir verachtenswerten Müll wie DSDS, Germany’s Next Top Model oder Der Starpraktikant (geht es denn noch dümmer?) in die Wohnzimmer senden, wird auch das größte Anti-Mobbing Programm für Schulen keine Änderung der vorherrschenden Situation herbeiführen.

Du bist allein

Ob es nun um magersüchtige Mädchen oder zum Amoklauf bereite Jungs geht: Die westliche Medienlandschaft ist die Ursache der Probleme. Sie gibt unerreichbare Ziele vor und vermittelt den Eindruck, dass diejenigen, die diese Ziele nicht erreichen können oder wollen, armselig sind. Dank der Medien fühlt sich der Einzelne noch kleiner, schwächer und unbedeutender. Ein durchaus gewünschter Nebeneffekt, erwachsen doch aus diesem Gefühl der Unzulänglichkeit neue Absatzmärkte für miese Actionfilme, Egoshooter und anderen Müll – irgendwie muss man schließlich diese Gefühle verarbeiten. Und sollte dann mal wieder jemand durchdrehen hat man praktischer Weise wieder ein Thema, um die Printmedien am Leben zu halten.

Blah Blah Blah

Seien wir ehrlich: Die Wenigsten von uns wären bereit, die Gesellschaft in dem Ausmaß zu ändern, wie es nötig wäre, um die entstandenen Probleme zu beseitigen. Vermutlich wäre es auch gar nicht möglich. Es ist also egal wie viel über das Thema geredet und geschrieben wird. Es wird sich nichts ändern.

Uwe Boll wird unrecht getan

Dienstag, März 3, 2009

Uwe Boll ist ein Phänomen. Er ist der wohl am meisten gehasste Filmemacher seit bestehen des Mediums. Seine Filme erhalten unterirdische Bewertungen auf imdb.com bevor sie überhaupt veröffentlicht werden und die Internetforen laufen vor Hasstiraden geradezu über. Hasstiraden, die zu den berüchtigten Boxkämpfen zwischen Boll und seinen Kritikern geführt haben. Erreicht hat er diesen einmaligen Zustand indes nicht indem er einen kritischen Film über das Christentum oder den Koran gedreht hat, wie man es in so einem Fall vermuten würde, sondern durch schwache Computer-/Videospielverfilmungen.

Die Fans

Unmengen von pubertierenden Stubenhockern und nostalgischen Nerds lassen ihren Emotionen freien lauf, wenn es um ihre liebsten Spiele geht. Da wird jegliche Rationalität ausgeschaltet und gegenüber einem Film eine Erwartungshaltung aufgebaut, die gar nicht erfüllt werden kann, was schon allein daran liegt, dass die Erfahrung beim Spielen nicht die geringste Ähnlichkeit mit der Filmerfahrung hat und nicht übertragbar ist. Diese Diskrepanz zwischen den beiden Erfahrungswelten hat zum Teil kuriose Auswirkungen. So kann es z.B. durchaus vorkommen, dass ein weinerlicher Fan des Spiels Far Cry sich darüber beschwert, dass Bolls Version der Story des Spiels nicht gerecht wurde. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass das Spiel Far Cry praktisch keine Handlung hat.

Warum Boll doch ein Genie ist

Aber lassen wir das Thema Fans, denn Bolls Filme sind tatsächlich unterdurchschnittlich, ganz unabhängig von der Wahrnehmung der Spielfans. Weshalb vertrete ich dann aber hier die Meinung, dass Boll unrecht getan wird? Nun weil man ihn in der Regel nur als Uwe Boll, den Regisseur, aber nie als Uwe Boll, den Produzenten, betrachtet. Boll mag als Regisseur nichts taugen, als Filmproduzent ist er hingegen ein Genie. Er hat mit nichts angefangen und es schließlich geschafft aus eigener Kraft Millionenprojekte zu stemmen. Was die meisten schlichtweg nicht wissen oder nicht zur Kenntnis nehmen wollen ist, dass Boll ein Independent Filmer ist. Er hat kein Studio im Rücken, und wie viele Independentfilmer haben ohne die Unterstützung eines Studios vergleichbare Summen aufgebracht, um ihre Filme zu realisieren? Vermutlich keine. Mir fallen jetzt zumindest keine ein. Man kann von Bolls Filmen also halten was man will, aber einen gewissen Respekt für seine Arbeit sollte man trotzdem aufbringen.

Und hier noch das letzte Lebenszeichen von Boll, dass mich zum Schreiben dieses Artikels inspirierte:

Schindlers Liste – Eine schwarze Komödie?

Donnerstag, Februar 26, 2009

Okay, bevor mir jetzt hier Anzeigen wegen Volksverhetzung eintrudeln: Ich bin natürlich weder der Meinung das „Schindlers Liste“ eine schwarze Komödie ist, noch das die Verfolgung und Ermordung der Juden im dritten Reich in irgendeiner Form belustigend wäre. Es geht mir hier nicht um das was der Film erzählt, sondern um das wie er es tut!

Nachdem das geklärt ist stellen wir uns jetzt einmal vor, dass Spielbergs Film in ferner Zukunft durch glückliche Umstände in die Hände von Menschen gelangt, die absolut nichts über dieses dunkle Kapitel der Menschheitsgeschichte wissen, dafür aber mit einer großen Portion schwarzen Humors gesegnet sind. Würde sie der Film tatsächlich in ähnlicher Weise ergreifen wie uns? Zum großen Teil bestimmt, aber in einigen Momenten, so behaupte ich, würde sie der Film zum Lachen animieren. Warum? Nun weil Spielbergs fehlende Distanz zum Thema zu einigen fürchterlich naiv inszenierten Szenen geführt hat, die ein Mensch, der sich der historischen Realität des Holocausts nicht bewusst ist, als unfreiwillig komisch wahrnehmen würde.

Rufen wir uns ein paar Szenen ins Gedächtnis (das muss ich jetzt wirklich machen, da ich den Film leider nicht hier habe – meldet euch falls ich etwas falsch erinnere):

1. Etwa ein Dutzend Juden stehen in einer Reihe. Ein Nazioffizier läuft vor ihnen auf und ab und verlangt, dass der Name eines angeblichen Diebes preisgegeben werden soll. Dann erschießt er kurzerhand willkürlich einen der Gefangenen, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen. Bis zu diesem Moment packt uns die Szene. Spielberg hat mal wieder alles richtig gemacht. Doch dann passiert es: Auf die erneute Frage nach dem Dieb, tritt ein Jude vor, deutet auf den Erschossenen, und sagt: „Der war’s!“
Wie soll einer dieser schwarzhumorigen Zukunftsmenschen jetzt noch Mitleid mit dem armen Kerl haben, der erschossen wurde, wenn er wegen der gewitzten Reaktion von dessen Mitgefangen für diesen voller Bewunderung ist?

2. Ein Nazioffizier gerät außer sich und will einen Gefangenen erschießen. Er drückt ab, aber es passiert nichts. Er drückt wieder ab, aber es passiert immer noch nichts. Er lädt die Waffe sicherheitshalber durch und drückt wieder ab, doch sie lässt ihn wieder im Stich. Bis hierhin sind wir wieder ergriffen. Der willkürliche Terror, dem die Juden im Konzentrationslager ausgesetzt sind, macht uns fertig, aber dann schlägt Spielberg erneut zu: Der Nazioffizier nimmt einem anderen Nazi, die Pistole ab, zielt und drückt ab und drückt ab und drückt ab, aber es will sich einfach kein Schuss lösen. Er lädt hastig auch diese Waffe durch, aber auch hier ohne Erfolg. In seiner „Verzweiflung“ prügelt er mit der Waffe auf sein Opfer ein.
Sicherlich sollte diese Steigerung das Gefühl des Terrors verstärken, aber wirkt dass denn wirklich so? Verkommt die gesamte Szene denn nicht eher zu einer absurden Farce, die so aus einem Monty Python Film stammen könnte?

3. Der Lagerkommandant Amon Göth wird hingerichtet. Er steht auf einem Stuhl, einen Strick um den Hals. Er richtet sich noch einmal den Scheitel und sagt: „Heil Hitler!“ Dann tritt ein russischer Soldat an ihn heran und will den Stuhl unter ihm wegtreten, doch es gelingt ihm nicht. Er tritt wieder dagegen und wieder. Teile – sogar Stuhlbeine – brechen vom Stuhl ab, ein zweiter Soldat kommt dem ersten zur Hilfe und tritt ebenfalls gegen den Stuhl, doch Göth will einfach nicht hängen. Insgesamt sechs Tritte braucht es schließlich, um Göths Schicksal zu besiegeln.
Tut mir leid, aber hier kann selbst der tragende Gesang im Hintergrund die Szene nicht retten. Was Spielberg uns zeigt, ist einfach nur bizarr und absurd. Es hätte nur noch gefehlt, dass Göth fröhlich „Always look on the bright side of life“ trällert. Möglich, dass es sich genau so zugetragen hat, aber sollte das der Fall gewesen sein, hätte sich Spielberg hier die viel gerühmte künstlerische Freiheit nehmen sollen.

Ich hoffe dass diese kurzen Analysen gerade den Lesern, denen schwarzer Humor fremd ist, einigermaßen verdeutlichen konnten, weshalb ich Spielberg hier eine schwache Leistung vorwerfe. „Schindlers Liste“ ist kein schlechter Film, aber er wird über Gebühr gelobt – vermutlich weil man im Zusammenhang mit so einem heiklen Thema keinen falschen Eindruck erwecken möchte.

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