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The Warriors: Wie ein dreißig Jahre alter Film Sin City locker in die Tasche steckt!
Als ich mich gestern ein wenig auf My Life In Reverse umgesehen habe, ist mir mal wieder aufgefallen wie viele kleine (und große) Filmperlen der Mehrheit der Filmenthusiasten unbekannt sind. Also will ich zur Abwechslung darauf verzichten Filme niederzumachen und stattdessen einen meiner Lieblinge anpreisen.
In den USA ist “The Warriors” ein Stück Popkultur. In Europa kennt den Film praktisch niemand (ausgenommen ein paar Kids, die sich das schwache gleichnamige Videospiel reingezogen haben). Nun man muss sicherlich nicht alles kennen was in den USA Ruhm erlangt hat, aber in diesem speziellen Fall entgeht dem Kinofan einiges, denn „The Warriors“ ist aus gutem Grund zum Kultfilm geworden.
Der Erfolg des Films ist dabei nicht in erster Linie das Verdienst von Regisseur Walter Hill, der sich wie viele Regisseure seiner Generation am Werk des brillanten Akira Kurosawa orientierte als er “The Warriors” drehte (was sich besonders deutlich im Showdown – eine offensichtliche Hommage an Yojimbo – wiederspiegelte). Es lag auch nicht allein an dem großartigen Soundtrack, der den Film auf eine andere Ebene katapultiert und ihn streckenweise allein anzutreiben scheint. Ganz sicher lag es auch nicht an der Story. Die ist nämlich – wie bei den meisten Actionfilmen – eher dämlich, stellenweise unfreiwillig komisch und recht pubertär: die Warriors müssen sich eine Nacht lang durch das Gebiet feindlicher Gangs schlagen (im wahrsten Sinne des Wortes). Aus diesem Grund empfehle ich hier auch ausdrücklich den 2005 erschienen Director’s Cut, der sich selbst nicht mehr so ernst nimmt und die Verweise zum Medium des Comics noch stärker herausarbeitet…was die Story auf ein akzeptables Level hebt.
Nein, was “The Warriors” wirklich einzigartig macht, ist sein Look. Einige Szenen wirken derart stilisiert, dass man sie getrost als sich bewegende expressionistische Gemälde bezeichnen darf. Vor allem die Eröffnungssequenz muss in ihrer drastischen Bildästhetik manchem Kinogänger 1979 wie ein Schlag ins Gesicht vorgekommen sein. Was Kamermann Andrew Laszlo hier, wenn auch nur in einigen wenigen Einstellungen, fabrizierte dürfte den heutigen Zuschauer, der das visuelle Extrem gewohnt ist, nicht mehr sonderlich kratzen. Vor dreißig Jahren aber war das schlichtweg unglaublich und nahm im Prinzip eine Optik vorweg, für die Sin City Jahrzehnte später gefeiert werden sollte (und das in Farbe…jeder der etwas Erfahrung mit Fotografie gesammelt hat, weiß das es wesentlich einfacher ist ein stimmungsvolles Schwarzweißbild zu erschaffen).
Und das Beste daran? Der Look war ein “Unfall”. Das verfügbare Filmmaterial war nicht sonderlich lichtempfindlich und das Budget lies kein großes Lichtequipment zu, also filmte Laszlo einfach “auf gut Glück”. Das Ergebnis ist Filmgeschichte…
Richtigstellung: Punisher Comics
Vor ein paar Wochen ließ ich mich in meiner Kurzkritik zu Punisher Warzone zu der Aussage hinreißen, dass die Comics, die dem Film als Vorlage dienten, Mist seien. Eine Aussage die einen Sturm der Entrüstung auslöste (okay, ich bekam eine einzige Email von Moritz), weswegen ich versprach mir eben jene Comics anzuschauen und gegebenenfalls meine Aussage zu korrigieren. Ich hab‘ mir also einige Ausgaben von Garth Ennis Version des Punishers besorgt und gelesen. Mein Fazit:
Die Comics, die unter dem Label „MAX“ veröffentlicht wurden, sind tatsächlich überraschend unterhaltsam und entbehren nicht eines gewissen Anspruchs (nein, es ist nicht mit Jane Austen zu vergleichen). Von einem Autor wie Garth Ennis hätte ich auch nicht weniger erwartet. Allerdings muss ich sagen, dass auch Ennis Version keineswegs kohärent die Motivation des Punishers erklärt. In einigen Ausgaben wird der Punisher als Person dargestellt, die aus einem höheren Prinzip heraus tötet. In anderen wiederum muss Vietnam als Auslöser herhalten – eine Variante die Ennis aber selbst in „The Tyger“ in Frage stellt und stattdessen auf die traumatische Kindheit von Frank Castle verweist. Aber alle diese Erklärungen werden dann in dem in der Zukunft spielenden „The End“ über Bord geworfen: hier ist der Punisher ein Massenmörder, der zwar etwas von Prinzipien brabbeln mag, aber tatsächlich einfach nur seelisch gestört ist. Der verantwortliche Zeichner Richard Corben geht sogar soweit, dass er Castles Gesicht in einem der letzten Bilder zu der Fratze von Horrorfilm Ikone Michael Myers verzerrt. Aber gut, das ändert nicht wirklich etwas an der Qualität der Comics, denen ich, je nach Ausgabe, fünf bis acht von zehn möglichen Punkten geben würde.
Eines sei aber klargestellt: an meiner Bewertung des Films ändern die Comics nichts. Der Film bleibt in meinen Augen Schrott. Es gibt zwar Überschneidungen zwischen Comic und Film, doch der Comic ist dem Film in allen Belangen überlegen und wo der Comic hart an der Grenze des Vertretbaren ist, scheitert der Film sang und klanglos.



