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Fanboys sind die Pest
Sie können dir nicht erklären worin die Macht des „einen Ringes“ besteht, wissen aber, seitdem sie den Film gesehen haben, dass „Der Herr der Ringe“ das beste Buch aller Zeiten ist. Sie haben noch nie etwas von der heisenbergschen Unschärferelation gehört, können dir aber versichern, dass eine Antriebstechnologie für Raumschiffe, die auf Delizium Kristallen aufbaut, wesentlich realistischer ist als der ganze esoterische Star Wars Quatsch. Durch göttliche Eingebung ist ihnen außerdem bekannt, dass 08/15 Technologie den dreifachen Preis wert ist, solange nur ein Apfel darauf prangt. Und das schlimmste von allem: sie hängen sich Poster von Lara Croft an die Wand.
Fanboys
Die Rede ist natürlich von Fanboys. Gut, das war nicht schwer zu erraten, stand ja schließlich schon im Titel, aber ich dachte ich erkläre das noch mal für die Michael Bay Fans unter meinen Lesern. Ich hab’ ja ein Herz für den intellektuellen Mittelstand. Egal, bei den Fanboys scheint es sich um eine Art Subspezies des Homo Sapiens zu handeln, die wohl aufgrund von Umweltgiften, durch Mutation (ich vermute chinesisches Spielzeug ist schuld), entstanden ist und die den Niedergang jeglicher Kultur betreiben. Ihr denkt jetzt ich übertreibe mal wieder maßlos und das die paar Fanboys doch harmlos sind, aber ganz so einfach dürft ihr es euch nicht machen. Sicher, vor ein paar Jahren waren Fanboys noch mehr oder weniger kleine Gruppen, die sich um einige ausgewählte Nischenprodukte versammelten. Das war früher!
Mehr mehr mehr!
Mittlerweile haben gewitzte Marketingexperten das Bedürfnis der Jugend nach Zugehörigkeit für sich entdeckt und fördern es so gut es geht: Viral Marketing, interaktive Homepages, Previews, Previews von den Previews, mein Gott, selbst Previews vom Preview eines ersten Artworks, sind an der Tagesordnung – plötzlich erregt das belangloseste Stück Information Aufmerksamkeit. Das Ergebnis ist verheerend. Die Zahl der Fanboys steigt exponential an. Es gibt nicht mehr den Kult um einige wenige Nischenprodukte, sondern eine Art Konsumjunkie Version des alten Fanboys, der sich praktisch jeden Monat ein neues Produkt sucht, dass er abgöttisch lieben kann. Als Konsequenz bricht selbst um die uninteressantesten Produkte ein Hype aus, der seinesgleichen sucht, und für normale Menschen eine echte Belästigung darstellt.
Moderner Faschismus
Das dramatische an dieser Entwicklung ist, dass die Fanboybewegung tatsächlich ernsthafte Auswirkungen hat. In ihrer Getriebenheit streben die Fanboys eine komplette Gleichschaltung der Menschen an. Getreu dem Motto „Wer nicht meiner Meinung ist, ist mein Feind“. Kritik am Kultgegenstand wird zum Sakrileg, das bestraft werden muss und der moderne Fanboy hat das ultimative Mittel um zu bestrafen: Liebesentzug! So wird z.B. eine Zeitschrift, die Kritik übt, einfach nicht mehr gelesen. Das führt die verantwortlichen Redakteure zur Erkenntnis, dass sie bei ihren Artikeln nun nicht mehr nur noch auf die Werbekunden schielen müssen, nein, sie müssen sich auch noch fragen, ob es klug wäre, die Mängel an einem Produkt aufzuzeigen. Das könnte ja einer relativ großen Anzahl von Lesern aufstoßen. Aufklärung ist für den Fanboy schließlich unerträglich, die Verklärung strebt er an. Kritik ist nutzlos, wenn sie ihn nicht in seiner vor Monaten oder Jahren festgelegten Meinung bestätigt. Leidtragende sind diejenigen, die sich tatsächlich noch über die Fachpresse informieren wollen. Bietet diese doch nun dank der Fanboys endgültig nur noch bessere Werbetexte(das gleiche Schicksal kann jeden Blog etc. ereilen).
Sind wir nicht alle ein bisschen Fanboy?
Freilich können wir wohl nur wenig am Phänomen des Fanboys ändern, scheint es doch so, dass der Fanboy nur das offen auslebt, was den meisten von uns schon lange heimlich inne wohnt. Der Fernsehmensch. Wir scheinen in einer Welt zu leben, die die Kunst imitiert – vor allem miese Sitcoms und Soap Operas – und entsprechend bizarr verhalten wir uns. Wenn wir beispielsweise jemanden kennen lernen, finden wir ihn nur sympathisch, wenn er unseren Vorstellungen entspricht. Deswegen tut der Italiener von der Pizzeria um die Ecke immer so als könnte er kein richtiges Deutsch. Und deswegen ist der gleiche Italiener verstimmt, wenn wir ihn als normalen Menschen behandeln und nicht als die exotische Attraktion. Tja, wir verhalten uns eben als wären wir Figuren aus „Friends“ oder „(Trans)sex(ual) and the City“ und erwarten auch das die anderen sich so verhalten…da können wir ja froh sein, wenn wir nur Fanboys werden.



