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Verblendung – Verdammnis – Vergebung…vergessen.

Seit einigen Tagen läuft der letzte Teil der Millennium-Trilogie, Vergebung, in unseren Kinos. Die ersten beiden Teile waren international ein großer Erfolg – allein der erste Teil hat weltweit fast 100 Millionen Dollar eingespielt – und von allen Seiten wird geflüstert, dass man sich diese Reihe auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Aber ist die Trilogie wirklich so überragend?

Nun eines kann vorweg mit Sicherheit gesagt werden: die deutschen Titel sind Quark. Verblendet war hier nur der für die Titelübersetzung zuständige Lektor/Redakteur des Heyne Verlags. Weshalb man der Millennium Reihe einen pseudo-religiösen Touch verleihen wollte, indem man sich auf die bedeutungsschwangeren Worte “Verblendung”, “Verdammnis” und “Vergebung” verlegte, ist mir schleierhaft. Tatsächlich geht es in allen drei Büchern/Filmen um Männer, die Frauen hassen (so ungefähr heißt der erste Teil im Original). Oder besser: Männer hassen Frauen. Punkt. Stieg Larsson, der verstorbene Autor der Buchreihe, lässt keinen Zweifel daran, dass er dieser Meinung war. Männer, die junge Frauen foltern. Sabbernde Greise, die junge Mädchen vergewaltigen. Ein Vater, der seinem Sohn zeigt wie man Frauen ermordet. Wo man auch hinschaut, in Larssons Romanen scheinen Männer grundsätzlich eine Gefahr für das weibliche Geschlecht zu sein. Ab einem bestimmten Punkt möchte man den weiblichen Charakteren, wenn sie auf der Leinwand mit männlichen Figuren agieren, zurufen: “Lauf weg! Merkst du denn nicht das er ein Mann ist?” Okay, im Kern liegt Larsson ja mit seinem pessimistischen Männerbild richtig. Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der männlichen Gewalt. Kein Zweifel. Doch Larsson verdichtet die negativen Aspekte der männlichen Natur auf eine Weise, dass die Handvoll anständiger Männer in seiner Geschichte wie die Ausnahme, die die Regel bestätigt, erscheint. Wäre ich ein Alien und Larssons Story wäre meine einzige Informationsquelle in Sachen menschlicher Kultur, würde ich vermutlich davon ausgehen, dass ein alltägliches Gespräch unter Männern mit folgendem Satz beginnen würde: “Und wen hast du heute vergewaltigt?” Aber gut, ich schweife ab. Reden wir lieber über die Filme…

Verblendung: Der Journalist Mikael Blomquist und die vom Schicksal (also von den Männern) gebeutelte Hackerin Lisbeth Salander machen Jagd auf einen Serienmörder. Interessanter Weise erweckt der Film gar nicht den Eindruck den Beginn einer Trilogie zu markieren. Bis auf die eine oder andere Frage, die Hauptfiguren betreffend, bleibt die Story dem Zuschauer eigentlich nichts schuldig. Es handelt sich schlicht und einfach um einen Serialkiller-Thriller wie er im Handbuch steht. Spannend, aber nicht ungewöhnlich. Das Genre wird sicherlich nicht neu erfunden. Im Gegenteil, die üblichen Klischees werden auch hier bedient. Dass die Handlung auch noch einige – wenn auch wenige – Längen aufweist verhindert eine überdurchschnittliche Wertung in meinen Augen vollends.

Ein großes Kompliment verdienen die Macher aber allein schon der Optik wegen. Der Film sieht locker zwei bis drei Mal so teuer aus, als er es wohl tatsächlich war (das Budget lag bei etwa 13 Millionen Dollar). Es ist wirklich beeindruckend wie die Schweden mit wenig Mitteln das absolute Maximum erzielen.

6/10

Verdammnis: Hat eigentlich keinen anderen Zweck als die Lücke zum dritten Teil schließen. Erweckt zu Beginn den Anschein das Thema Zwangsprostitution behandeln zu wollen, um dann relativ unmotiviert (um nicht zu sagen schlecht konstruiert) den Fokus auf Lisbeths Hintergrundgeschichte zu verschieben. Von Bedeutung für die die Trilogie umspannende Handlung sind vielleicht 10-15 Minuten. Ansonsten nur mäßig spannend, oftmals banal und vor allem überflüssig. Hier offenbart die Millennium Trilogie das sie tatsächlich „groß“ ist. Großes Fernsehen! Mit Kino hat das nur noch entfernt zu tun. Das grundlegende Problem des Films lässt sich wunderbar an der Figur des Bösewichts Niedermann beschreiben. Im Prinzip handelt es sich um eine clever gezeichnete Figur, die als Spiegelbild für Lisbeth fungieren soll. Lisbeth ist klein und zierlich. Niedermann ist ein muskelbepackter Riese. Lisbeth ist schwarzhaarig. Niedermann fast strohblond. Lisbeth wird von großen seelischer Pein heimgesucht. Niedermann ist unfähig physischen Schmerz wahrzunehmen…und so weiter und so fort. Tja, aber leider bleibt von dieser cleveren Idee auf der Leinwand nichts mehr übrig. Dort sieht der Zuschauer nur einen weiteren Bösewicht aus der Klischeeretorte (eigentlich fast ein klassischer Bondbösewicht – Niedermann ist natürlich Deutscher). Blass inszeniert und in seinem Auftreten fast konturlos. In diesem Sinne versiebt der Film sämtliche seiner (wenigen) guten Ansätze.

Neben dem schwächelnden Drehbuch ist Verdammnis auch auf der visuellen Ebene enttäuschend. Von der Optik des ersten Teils ist dieser Film weit entfernt. Die meisten Kameraeinstellungen wirken nicht gerade als seien sie das Ergebnis eines durchdachten Konzepts (es sei denn das Konzept lautete möglichst mutlos zu agieren). In der einen oder anderen Szene schlägt gar der Videolook durch. Es scheint als hätte sich der Regisseur vorgenommen dem Zuschauer vor Augen zu führen, dass die Trilogie ursprünglich nur als Fernsehproduktion geplant war (die Kinofilme sind übrigens nur gekürzte Fassungen der Fernsehversionen). Für Fernsehmaßstäbe immer noch sehr gut, aber im Kino hat das nichts zu suchen.

3/10

Vergebung: Aufstand der Rentnergang. So hätte mein Vorschlag für die Titelübersetzung an den Heyne Verlag für den dritten Teil gelautet. Eine geheime Altherren-Truppe, deren Mitglieder hohe Staatsämter inne haben (oder hatten), verschwört sich gegen Lisbeth, um zu verhindern, dass die Verwicklungen der Gruppe in kriminelle Geschäfte aufgedeckt werden. Die Serie entwickelt sich nun also zu einer Art Polit-Thriller und macht das wirklich gar nicht so schlecht. Zwar sind auch im dritten Teil fernsehtypische Handlungsbanalitäten zu finden, aber alles in allem ist die Story (vor allem im Vergleich zum zweiten Teil) wieder richtig spannend. Spannend genug auf jeden Fall, um auch über die im dritten Teil vorhandenen visuellen Schwächen hinwegzutrösten. Wer die ersten Teile nicht gesehen hat sei jedoch gewarnt: ohne Vorkenntnisse entfaltet der Film nicht seine volle Wirkung, dürfte Stellenweise sogar richtig langweilig werden.

6/10

Zusammengenommen gebe ich der Trilogie, trotz des sehr schwachen zweiten Teils, noch eine 6/10. Allerdings nur weil ich heute einen guten Tag habe, denn eigentlich müsste man die Filmreihe allein schon deswegen hart abstrafen, weil sie dem Grundthema der Bücher nicht einmal im Ansatz gerecht wird. Ich weiß nicht wie ausführlich die Bücher in ihren Beschreibungen sind, aber es scheint doch recht offensichtlich zu sein, dass Larssons Romane ein Statement gegen die Objektivierung von Frauen durch Männer sind. Die Filme unterliegen aber – wie eigentlich fast alle Kinofilme – genau jenen Mechanismen, die zu einer Objektivierung der Frau führen. Mehr als wie in der Millennium-Trilogie kann man weibliche Darstellerinnen eigentlich nicht ausbeuten. Man hat sich auf jeden Fall sehr viel Mühe gegeben, um die Hauptdarstellerin möglichst oft nackt, beim Sex mit einem Mann, oder einer Frau, inszenieren zu können. Die sehr ausführlich dargestellten Vergewaltigungen würde ich sogar auf eine Ebene mit alten Exploitation Filme stellen. Wer’s braucht…wenigstens im dritten Teil scheint den Machern aber diese Widersprüchlichkeit aufgefallen zu sein. Nackte Haut wurde hier entsprechend auf das notwendige Minimum reduziert.

Fazit: Ein Blick lohnt, aber alles in allem nur guter Durchschnitt, den man nicht zu vergessen braucht, aber vermutlich wird.

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