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Filme haben eine Teilschuld an Amokläufen

Die Debatte um Killerspiele und Gewaltfilme ist nach den Geschehnissen von Winnenden wieder voll entbrannt. Eine leidige Diskussion. Leidig, weil sie nach dem altbekannten Schema ablaufen wird. Konservative Politiker, die nicht die geringste Kompetenz in den von ihnen angekreideten Bereichen aufweisen, werden versuchen sich durch den lauten Schrei nach schärferen Gesetzen zu profilieren. Zur Selbstkritik unfähige Jugendliche werden dann weinerlich darüber schimpfen, dass man ihnen ihre Lieblinge wegnehmen will und opportunistische Funktionäre der Grünen werden versuchen sich bei zukünftigen Wahlen günstigere Ausgangspositionen zu sichern, indem sie sich auf die Seite der armen Jugend stellen. Nicht zu vergessen die Lobby der Psychologen, die sich ganz „objektiv“ für bessere Betreuung an Schulen aussprechen wird, um noch mehr Kohle für unnütze Projekte abzustauben. Die Debatte wird vielen individuellen Interessen dienen, aber am eigentlichen Problem mal wieder gar nichts ändern.

Die Realität akzeptieren

Es wird Zeit, dass die Politik die „Realität“ in den Kinderzimmern akzeptiert. Weder Counter Strike noch Hostel sind ernstzunehmende Hinweise für Gewaltbereitschaft. Diese Medienprodukte zeugen nur vom schlechten Geschmack einer ganzen Generation und der Einfallslosigkeit der Produzenten. Es wird aber auch Zeit, dass die Gamer und Filmsüchtigen akzeptieren, dass der unkontrollierte Konsum von Gewalt verherrlichenden Medienprodukten keinesfalls unbedenklich ist. Es stimmt einfach nicht, dass Filme oder Spiele uns nicht wirklich beeinflussen würden. Das bedeutet nicht, dass eine generelle Zensur ausgeübt werden sollte, aber gewisse Veränderungen an den Inhalten wären eine Option – ein Spiel wird nicht besser, wenn es blutiger gestaltet ist. Und wenn man sich gegen derartige Veränderungen entscheidet, was aus Gründen der Freiheit der Kunst durchaus nachvollziehbar wäre, so sollte man doch wenigstens ein gewisses Problembewusstsein bei den Beteiligten schaffen. Es gibt zu viele Eltern die ihre Kleinen vor das „Kinderprogramm“ der privaten Fernsehsender setzen, ohne sich die geringsten Gedanken über die Tauglichkeit der Programminhalte zu machen – Zeichentrick ist halt für Kinder, gell?

Die Schuld der Medien

Und da wären natürlich noch die besagten Psychologen, die ja nur zu gut wissen, woher die Gewaltausbrüche unter Jugendlichen rühren. Ist ja auch nicht schwer diese Ursachen zu erkennen, jeder Schimpanse kann das. Wir leben in einer Gesellschaft, die dem Einzelnen über die Medien permanent den Eindruck vermittelt, dass nur Menschen die gewissen Kriterien entsprechen, einen Wert haben. Wer zu diesen Helden der Gesellschaft gehören will, muss sich beeilen und anstrengen, denn all die anderen Versager wollen schließlich auch ihren Platz im Paradies. Konkurrenz belebt das Geschäft und zerbricht nebenher die nicht ganz so Durchsetzungsfähigen. Es ist Paradox, um nicht zu sagen verlogen, dass wir in unserer angeblichen Aufgeklärtheit den Sozialdarwinismus öffentlich verurteilen und doch gleichzeitig voll ausleben. Solange wir verachtenswerten Müll wie DSDS, Germany’s Next Top Model oder Der Starpraktikant (geht es denn noch dümmer?) in die Wohnzimmer senden, wird auch das größte Anti-Mobbing Programm für Schulen keine Änderung der vorherrschenden Situation herbeiführen.

Du bist allein

Ob es nun um magersüchtige Mädchen oder zum Amoklauf bereite Jungs geht: Die westliche Medienlandschaft ist die Ursache der Probleme. Sie gibt unerreichbare Ziele vor und vermittelt den Eindruck, dass diejenigen, die diese Ziele nicht erreichen können oder wollen, armselig sind. Dank der Medien fühlt sich der Einzelne noch kleiner, schwächer und unbedeutender. Ein durchaus gewünschter Nebeneffekt, erwachsen doch aus diesem Gefühl der Unzulänglichkeit neue Absatzmärkte für miese Actionfilme, Egoshooter und anderen Müll – irgendwie muss man schließlich diese Gefühle verarbeiten. Und sollte dann mal wieder jemand durchdrehen hat man praktischer Weise wieder ein Thema, um die Printmedien am Leben zu halten.

Blah Blah Blah

Seien wir ehrlich: Die Wenigsten von uns wären bereit, die Gesellschaft in dem Ausmaß zu ändern, wie es nötig wäre, um die entstandenen Probleme zu beseitigen. Vermutlich wäre es auch gar nicht möglich. Es ist also egal wie viel über das Thema geredet und geschrieben wird. Es wird sich nichts ändern.

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