Artikel-Schlagworte: „Kritiken“

Warum hasse ich…Inglourious Basterds?

In der Architekturtheorie gibt es den Begriff des Postmodernismus. Verwendet wird er zumeist, um sich abfällig über diejenigen Bauwerke der Postmoderne zu äußern, die jegliches Maß verloren haben und frei von jedem Geschmack bis in den Exzess Bauelemente der Architekturgeschichte zitieren. Als Rechtfertigung solcher architektonischer Masturbation muss dann in der Regel auch die Geliebte aller Wankelmütigen herhalten: die Ironie. (Ein stichhaltiger Beweis dafür, dass der Humor vieler Architekten wohl keinen Deut besser ist als der der meisten Mathematiker.)

Okay, ihr werdet euch jetzt vermutlich fragen was dieser kleine Exkurs in die Architekturtheorie mit den “Inglourious Basterds” zu tun hat. Nun, wenn es einen Regisseur gibt, dem man getrost vorwerfen könnte, dass seine Werke filmischer Postmodernismus sind, dann Quentin Tarantino. Auch die Basterds sind eine einzige maßlose Ansammlung von Filmzitaten. Da wären die ziemlich offensichtlichen (und unüberhörbaren) Anleihen beim Spaghettiwestern (Grüße von Sergio Leone und Ennio Morricone) oder natürlich der Film Noir. (Mein Gott, selbst die 80′er werden verwurstet.)
Sicher, zitieren ist nichts schlimmes, im Gegenteil der Durchschnittskritiker freut sich über jedes Zitat, kann er dann doch endlich mit seinem ansonsten völlig unverwertbaren cineastischen Wissen glänzen. Insofern sind die Basterds eine wahre Fundgrube ekstatischen Glücks für jeden Cineasten. Der Punkt ist nur, dass die Art und Weise wie Tarantino zitiert oft völlig Sinn- und Stillos erfolgt und schon gar nicht der Filmdramaturgie dient. Sorry, aber Zitieren als Selbstzweck ist Mist, auch wenn es das Geschehen “ironisieren” mag. Gerade der Einsatz der musikalischen Zitate sorgt das eine oder andere Mal für mehr als ein wenig Irritation. (ziemlich interessant, wenn man bedenkt, das Tarantinos Filme ihren Erfolg gerade auch der verwendeten Musik verdankten).

Trotzdem ist Inglourious Basterds ein genialer Film (tut mir leid Moe, wieder ein Film den ich mag;), denn Tarantino gelingt hier etwas, was ich so noch bei keinem anderen Kinobesuch erlebt habe: er offenbart die Unzulänglichkeit der Kinobesucher. Der Film ist eigentlich eine Ohrfeige für alle Tarantinofans. Er mimt die Hure für den Zuschauer, bedient dessen perverse Gelüste nach Gewalt und Blut, um ihn letzten Endes die eigene moralische Verwerflichkeit vor Augen zu führen. Er geht dabei so geschickt vor, dass den meisten Besuchern nicht einmal bewusst wird, das ihnen ihr großes Idol gerade ins Gesicht gespuckt hat. Dabei ist diese “Pointe” recht simpel gestrickt: Tarantino zeigt uns ein Kino voller Nazis, die sich an den Gewaltexzessen eines Propagandafilms ergötzen. Er spiegelt auf dieser Weise geschickt die Reaktionen der realen Zuschauer auf Inglorious Basterds. Der willige Zuschauer wird dazu ermuntert, sich daran zu erfreuen, wie Nazis und Wehrmachtsoldaten abgeschlachtet werden, um dann mit dem Nazipublikum konfrontiert zu werden. Getrost dem Motto: “Wer in den letzten zwei Stunden gelacht und gegrölt hat, ist auch nicht besser als diese Nazis.”

Ich halte eigentlich nichts davon, wenn das Publikum beschimpft wird (oder für blöd verkauft wie in Machwerken á la Armageddon), aber Basterds nehme ich hiervon aus, denn Tarantino fordert seine Zuschauer mit Basterds zum Nachdenken auf…alle Achtung.


9/10

Btw: Der Film sollte unbedingt im Originalton angesehen werden, allein schon wegen Christoph Waltz, der hier wirklich jeden an die Wand spielt.

Schlechte Besprechung – Gute Bewertung !?

Wo der Hass hinfällt 2

The Hurt Locker – Tödliches Kommando

Das Action-Drama von Kathryn Bigelow folgt den letzten 40 Einsatztagen eines Bombenräumkommandos im Irak. Wird das dreiköpfige Team den immer heimtückischer werdenden Sprengfallen der Aufständischen zum Opfer fallen? Oder wird der neue Einsatzleiter – seines Zeichens ein Adrenalinjunkie – ihr Schicksal besiegeln?

The Hurt Locker ist ein recht stimmiger Film. Bigelow nervt den Zuschauer nicht mit den üblichen Klischees (nein, es gibt keine soll-ich-den-blauen-oder-roten-Draht-durchschneiden-Szene) und unnötig übertriebenen Pathos (echte Leistung bei dem Thema). Auch die Mischung von Wackelkamera und ästhetisch ansprechend inszenierten Explosionen funktioniert einwandfrei und intensiviert den beklemmenden, fast klaustrophobischen Eindruck, den die unüberschaubare Szenerie des irakischen Kriegsalltags mit sich bringt. Insoweit ist The Hurt Locker wirklich einen Blick wert, es gibt allerdings auch ein großes “ABER”, denn so eindringlich und überzeugend der Film auch inszeniert sein mag, hinter der Story steht ein großes Fragezeichen. So habe ich mich, als die Credits über die Leinwand flackerten, ernsthaft gefragt, was mir dieser Film überhaupt mitteilen will. Der Film erweckt über 90 Minuten den Eindruck auf etwas hinauszuwollen, weist aber letzten Endes nur darauf hin, dass es eben kriegsgeile Adrenalinjunkies gibt. Ach so, ach ja, is’ ja interessant. Sorry, aber da bleibt der Film den Zuschauern wirklich etwas schuldig.

Alles in allem daher “nur” eine sieben…


7/10

District 9

District 9 ist eine Pseudo-Doku über in Südafrika gelandete Aliens und die dadurch enstehenden “Integrationsprobleme”.

Im Prinzip ist das in der zweiten Hälfte zum Actionfilm mutierende Drama ein simpler Kommentar zu Südafrikas Apartheitsvergangenheit und den derzeitigen Problemen mit Flüchtlingsströmen aus den Nachbarländern. Aber keine Angst, der unpolitische Durchschnittskinogänger wird durch District 9 nicht über Gebühr belastet…Tiefgang besitzt der Film nämlich nicht wirklich. Schon die Hintergrundgeschichte – ein Ripoff von Alien Nation übrigens – strotzt so dermaßen von Logikfehlern, dass schnell klar wird, dass dieser Film keinen Wert auf eine Botschaft legt, sondern einfach nur Unterhalten will(erschreckenderweise ist sogar der Kurzfilm auf dem District 9 basiert durchdachter!). Was solls, unterhaltsam ist der Film nämlich tatsächlich, da stört selbst der völlig unmotivierte Übergang von Pseudo-Dokumentarfilm zu normalen Spielfilm nicht mehr (stellt sich allerdings die Frage, weshalb man so ein Stilmittel wählt, wenn man es eh nicht durchziehen will). Wirklich gut gefallen mir allerdings die computergenerierten Aliens, die eine nie gekannte “Körperlichkeit” aufweisen.

Ich muss gestehen, dass mir der Film trotz seiner Unzulänglichkeiten gefällt, aber objektiv betrachtet ist hier einfach nicht mehr als ein fünf drin.


5/10

Schlechte Besprechung – Gute Bewertung !?

Okay, da sich einige darüber wundern, weshalb Filme die ich „heruntermache“ zum Teil gute Bewertungen erhalten, muss ich wohl noch einmal näher erklären, wie meine Bewertungen zustande kommen. Meine letzten Ausführungen zu dem Thema sind wohl doch zu knapp ausgefallen. Das hätte mir aber klar sein müssen, wundern sich doch auch die meisten Leute, die mich persönlich kennen darüber, wenn ich einen Film niedermache und im Anschluss daran erkläre, dass er gut gewesen sei. Der erste Impuls ist bei mir eben (fast) immer die Frage: „Wie hätte man es besser machen können?“

1. Alle Kritiken fangen mit der Phrase „Warum hasse ich…“ an, völlig unabhängig davon, ob ich den Film tatsächlich hasse, schlecht oder genial finde. Es geht einzig darum den Leser auf meinen „Stil“ einzustimmen. Kurzkritiken, die ich früher unter „Ferner liefen“ zusammenfasste, heißen jetzt „Wo der Hass hinfällt“.

2. Ich konzentriere mich in den Kritiken vor allem auf die negativen Aspekte einer Produktion. Schließlich heißt dieser Blog Filmhass. Da würde es wenig Sinn machen darüber zu schreiben wie sehr ich diesen und jenen Film liebe…das kommt eh selten vor. In solchen Fällen werde ich euch aber informieren ;) Dieses Vorgehen mag zugegebenermaßen die Gefahr beherbergen eintönig zu werden, aber dieses Risiko gehe ich ein, in der Hoffnung diesem Blog auch tatsächlich eine Daseinsberechtigung zu geben. Es gibt einfach zu viele Portale und Blogs zum Thema Film, die kein wirkliches Profil haben. Dann doch lieber ein schlechtes, als gar keins ;)

3. Es geht nicht um Belanglosigkeiten. Soll heißen, dass ich nicht vorhabe auf unwichtigen Details herumzureiten, um aus Prinzip einen Film schlecht zu machen. Ich rede über die Dinge, die mich wirklich gestört haben. Das ist natürlich auch eine Frage des persönlichen Geschmacks, aber gut…

4. Es geht um den Unterhaltungswert! Das ist das wichtigste Kriterium für meine abschließende Bewertung. Das bedeutet, dass ein Film eine gute Bewertung einheimsen kann, auch wenn mir vieles an ihm übel aufgestoßen ist. Er muss es nur geschafft haben mich einigermaßen zu unterhalten. Wie ich es das letzte Mal schon ausdrückte: „Auf diese Weise verleihe ich dem 10-Punkte Rating auch einen größeren Sinn…es gibt dann sozusagen, die objektive Einstufung abseits meiner Hasstiraden wieder.“

Damit das in Zukunft für jeden ersichtlich ist, verlinke ich diesen Artikel ab sofort immer am Anfang jeder Kritik.

Das Motto lautet HASS…

Ich hatte heute mit Philipp ein aufschlussreiches Gespräch über das Userverhalten auf Blogs. Im Detail ging es um Höflichkeit gegenüber dem Admin. Dabei hat er mir eröffnet, dass er meine Kritik zu Terminator – Salvation zwar unterirdisch fand, das aber nicht posten wollte, um mich nicht vor den Kopf zu stoßen. Das „gehört sich ja nicht“ in der schillernden Welt der Weblogs. Da ich doch schwer vermute, dass es vielen Lesern meines Blogs ähnlich geht, will ich hier für alle etwas klarstellen:

Ihr findet eine meiner Kritiken schlecht…sagt es!
Ihr findet meine Clips mies…schreit es heraus!
Ihr hasst meinen Stil…flüstert mir davon!

Ich bin an negativem Feedback ebenso interessiert, wie an positivem. Dieser Blog hat den Hass schließlich im Namen und im Programm. Kritik ist absolut erwünscht und sie muss auch keineswegs konstruktiv sein…solange es nicht in sinnlosen Beschimpfungen endet, ist alles erlaubt. Dieser Blog ist nicht zur Selbstbeweihräucherung gedacht – davon betreibe ich genug in der Realität – sondern soll eine offene und ehrliche Kommunikation ermöglichen.

Ihr müsst euch halt darauf gefasst machen, dass ich eine andere Meinung vertrete…oder wie eine beleidigte Leberwurst schmolle ;)

Warum hasse ich…Terminator – Salvation ?

Man könnte wohl sagen, dass ein guter Film nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt, vielleicht sogar eine Art Botschaft besitzt, die er dem Zuschauer näher bringt. Nun Salvation bedeutet Erlösung und über Erlösung habe ich tatsächlich intensiv nachgedacht, während ich im Kino saß. Ja, eigentlich habe ich mich sogar richtig nach Erlösung gesehnt, insofern hat der neue Terminator seine Mission erfolgreich ausgeführt.

Ich wollte erlöst werden von der katastrophalen Schauspielerführung. Wieso hatte ich im Vorfeld überhaupt geglaubt, dass Regisseur McG zur Abwechslung mal anständige Arbeit leistet? Und man muss schon ein richtig dämlicher Regisseur sein, um aus einer Darstellerin wie Helena Bonham Carter eine derart miese Performance herauszuholen (Die Frau könnte ein Holzbrett spielen und man würde im Regelfall denken: „Wow, dieses Brett…was für ein Brett! Ich will daraus ein Haus bauen.“). Neben Carter bietet auch der Großteil der anderen Darsteller eine fragwürdige Leistung. Ein eindeutiger Beweis dafür, dass die Schuld beim Regisseur zu suchen ist, denn eine einzelne schwache Performance kann schon mal vorkommen, aber wenn sie so gehäuft auftreten, wie in Terminator – Salvation, sollte sich der Regisseur einsacken lassen. (Auch Bale liefert nur Alibiarbeit, indem er den ganzen Film über „tiefsinnig“ vor sich hin starrt. Gott sei dank ist zumindest Sam Worthington zu ertragen.)

Ich wollte erlöst werden von den Brechreiz auslösenden Dialogen. Meine Ohren fangen immer noch zu bluten an, wenn ich mich nur an diese verbalen Krampfadern zurückerinnere. Schon in der ersten Szene des Films wird man schonungslos mit der Unfähigkeit des Drehbuchautors konfrontiert – ich sage nur: „So schmeckt also der Tod“. Zusammen mit McG’s absolutem Mangel an Einfühlungsvermögen ergibt sich dann das cineastische Äquivalent zu Tschernobyl. Das die Story völlig belanglos ist und in einem an Schwachsinnigkeit nicht mehr zu überbietenden Ende gipfelt, macht den Bock dann auch nicht mehr Fett, wie man so schön sagt. Von den fürchterlich erzwungenen Referenzen auf die früheren Filme fange ich lieber erst gar nicht an…

Salvation heißt aber auch Seelenheil und um mein Seelenheil habe ich gefürchtet, als ich feststellen musste, dass diese 200 Millionen Dollar Produktion den Zuschauer tatsächlich mit teils halbgaren Effekten abspeist. So zum Beispiel in der besten Szene des Films…Schwarzeneggers Auftritt. Man zeigt uns Roland Kickingers Body und Arnolds hübsches Gesicht, dass per Computereffekt über Kickingers Visage gelegt wurde. Der Effekt ist okay, aber für einen Hollywood Blockbuster unter aller Sau. Ich kann mir richtig vorstellen wie sich McG und die Effektfuzzis darauf geeinigt haben, das Ganze als absichtliche Hommage an die Prothesenszenen aus dem ersten Teil zu verkaufen, um die offensichtliche Künstlichkeit zu erklären Trotzdem, wie kann es sein, dass in einer solchen Riesenproduktion Effekte auftauchen, auch wenn es nur einige wenige sind, die man als gerade noch ausreichend bezeichnen kann? Auch die Second Unit(das sind die Jungs die das “langweilige” Zeugs aufnehmen) Aufnahmen haben mich schockiert. Da sind ja manche Serien überzeugender ausgeleuchtet.

Ich würde diesem Machwerk eigentlich nur 2 Punkte geben, aber das wäre wohl etwas ungerecht, denn es handelt sich schließlich um einen Popcorn-Actionfilm und bei diesen kommt es nun mal vor allem auf die Action an. Davon gibt es dann auch reichlich und nett inszeniert ist sie noch dazu. Actionfans werden also bestens unterhalten – solange niemand spricht.


4/10

Intern: Kleine Änderungen…

Wolfgang hat mich letztens darauf hingewiesen – richtigerweise, wie ich finde – dass meinen Reviews etwas die Filmhass Note abgeht. Deswegen werde ich mich in Zukunft stärker auf die Schwächen der besprochenen Filme beziehen, auch wenn es sich eigentlich um durchaus akzeptable Filme handelt. Das soll natürlich nicht heißen, dass ich ab sofort aus Prinzip auf den unsinnigsten Belanglosigkeiten herumreiten werde, zumindest will ich versuchen diesen „Zustand“ zu vermeiden, aber ich werde definitiv die (eklatanten) Schwächen stärker herausarbeiten.

Auf diese Weise verleihe ich dem 10-Punkte Rating auch einen größeren Sinn…es gibt dann sozusagen, die „objektive“ Einstufung abseits meiner Hasstiraden wieder.

PS.
Ja, ich poste jetzt wieder regelmäßiger…hoffe ich ;)

Ferner Liefen 3

Crank 2

Chev Chelios rennt seinem Herz hinterher (nein, das ist keine Metapher) und legt dabei die halbe Stadt um.

Crank war ein dämlicher, doch unterhaltsamer Film. Bei Crank 2 hatten sich die Macher nun offensichtlich vorgenommen, den ersten Teil in allen Belangen zu übertreffen. Das ist ihnen auch zum Teil „gelungen“. Crank 2 ist nämlich tatsächlich wesentlich dämlicher als der erste Teil geraten. Leider hat sich das nicht gerade positiv auf den Unterhaltungswert ausgewirkt. Kurz gesagt: der Film ist infantil und langweilig. Ja, langweilig! Sicher, es wird im Sekundentakt geprügelt, geschossen und gevögelt, doch ohne den Hauch einer Story, und der Film hat nun mal keine, packen einen die Geschehnisse einfach nicht. Da müssen sich Kinobesucher mit schwacher Blase keine Sorgen machen, wenn sie mal kurz das Örtchen aufsuchen: sie verpassen garantiert nichts, weil sich der Film im Prinzip die ganze Zeit wiederholt. Crank 2 hat insofern viel Ähnlichkeit mit einem Porno (auf die er ja auch ständig verweist), denn irgendwie wünscht man sich die ganze Zeit vorspulen zu können, um schneller zu den „interessanten“ Szenen zu gelangen. Wenn ich 14 und Jungfrau wäre (das dürfte wohl die Zielgruppe von Crank 2 sein), würde ich diesen Film vielleicht amüsant finden, aber so…

Pluspunkte kann der Film nur bei der Montage sammeln. Deren Konzept ist zwar mittlerweile auch nicht mehr originell, dafür aber wenigstens sauber und stimmig umgesetzt.


2/10

X-Men Origins: Wolverine

Wie kam der Mann mit dem Backenbart zu seinen glänzenden Klingen? X-Men Origins: Wolverine klärt uns auf.

Eigentlich gibt es über den Film nicht viel zu sagen. Die Inszenierung von Regisseur Gavin Hood schlingert zwischen Mittelmaß und Kitsch (Jetzt mal im Ernst: wie viele Einstellungen, in denen der Held, ob seiner Trauer, schreiend die Fäuste gen Himmel reckt, kann man dem Publikum heutzutage noch aufdrücken?) und das Drehbuch erweckt mit seiner Einfallslosigkeit und den schwachen Twists den Eindruck, dass der Autorenstreik noch anhält. Trotzdem hat der Film einen überraschend hohen Unterhaltungswert. Die Chemie zwischen Hugh Jackman und Liev Schreiber stimmt einfach. Was Drehbuch und Inszenierung dem Zuschauer vorenthalten, erschaffen die Beiden durch Leinwandpräsenz. Der Film wird deswegen zwar noch nicht zu einem Meisterwerk, aber immerhin vor dem Absturz gerettet.

Zwischenzeitlich hat sich übrigens geklärt, weswegen der Verleiher der Presse im Vorfeld einen Maulkorb verpasst hatte…die Kinoversion unterscheidet sich scheinbar nicht – sieht man mal von Effekten und Musik ab – von dem im Netz zirkulierenden Workprint.


6/10

Ferner Liefen 2

Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile.

Harter Cop. Noch härterer Krimineller. Schnelle Autos. Ein Mord. Ein Drogenboss. Rache. Film vorbei. Mehr gibt es eigentlich nicht über die Story des vierten Teils der Fast & Furious Reihe zu sagen. Ich wundere mich eigentlich immer noch darüber, dass dieser Film in den USA am ersten Wochenende 70 Millionen Dollar eingespielt hat. Was hat die Leute ins Kino getrieben? Der Film ist eigentlich das Abziehbild eines Abziehbildes eines…ihr versteht schon was ich meine. Ein Klischee jagt das nächste. Da gibt es beispielsweise den nervigen, inkompetenten FBI Agenten, der dem „guten“ Cop ständig in die Parade fährt. Schussverletzungen lösen bei unserem Helden außerdem höchstens unangenehmen Juckreiz aus und natürlich ist ein getuntes Auto die Lizenz zum „Frauen flachlegen“. Hinzu kommt dann das in den letzten Jahren für Hollywood Filme typisch gewordene, verquere Gangstarap Weltbild (Bullen sind eigentlich auch nur Gangster und, besonders schön, wer nicht den Mumm hat einem Kerl den Kopf wegzublasen, kann kein Held sein!?). Von hier aus könnt ihr euch wohl selbst ein Bild malen.

Die Inszenierung ist dabei okay, aber überraschend bieder. Die „Originalteile“ mögen zwar wieder die Hauptrollen spielen, aber ansonsten mangelt es ganz schön Originalität. Gerade auf ästhetischer Ebene hatte ich mir wesentlich mehr von Fast & Furious erhofft (okay, das war auch die einzige Ebene auf der ich mir etwas erhofft habe). Gut, der Film ist zumindest kurzweilig, daher drücke ich noch mal ein Auge zu und gebe dem Film:


5/10


Forbidden Kingdom

Looser wird aus der Gegenwart in das antike (mythologische) China katapultiert, um zu lernen wie man Leuten in den Hintern tritt (und nebenbei befreit er noch den Monkey King). Wie der eine oder andere hier vielleicht schon anhand dieses kurzen Storyabrisses erkannt hat, orientiert sich Forbidden Kingdom tatsächlich an den einschlägigen Looser-muss-sich-durchsetzen-Filmen der 80’er Jahre. Nostalgiker werden daher vermutlich recht schnell dem Charme dieses Films erliegen. Alle anderen wird dagegen wohl nur eines interessieren: Jackie Chan und Jet Li in einem Film – da hüpft das Herz eines jeden Martial Arts Fans. Schade nur, das diese Vereinigung mindestens 15 Jahre zu spät kommt, denn man merkt den Beiden (vor allem Chan) in den Kampfszenen doch recht deutlich das Alter an. Aber auch abseits der Kampfszenen wirkt der Film etwas angestaubt (und das beziehe ich jetzt nicht auf den 80’er Verweis). Das mag sich jetzt hochtrabend anhören, aber mir fehlt hier die Vision des Regisseurs! Der Film wirkt beliebig, als hätte sich die Crew jeden Tag eingefunden und ausgelost, wie die Arbeit an diesem Tag angegangen wird.

Alles in allem ist Forbidden Kingdom ein unterhaltsamer Film, aber nichts was man gesehen haben muss.


6/10

Tintenherz

Was wäre wenn man die Welt die sich hinter den Seiten eines Buches verbirgt zum Leben erwecken könnte? Eine Frage auf die man keine Antwort haben will, wenn man sich dafür Tintenherz ansehen muss. Der Film dürfte mit Sicherheit eine der schlechtesten – vielleicht sogar die schlechteste – Literaturverfilmungen der letzten zehn Jahre sein. Der Film macht einfach alles falsch. Die Story entwickelt sich im Buch langsam und bezieht daraus einen Großteil ihrer Spannung. Im Film werden die Figuren dagegen so durch die Story gehetzt, dass überhaupt keine Spannung aufkommen mag, weil man sich nur fragt, was das alles denn soll. Auch das Casting ist zum Großteil miserabel. Wer kauft z.B. Brendan Fraser die Rolle eines Buchrestaurateurs ab? Und das Frasers Stimme Bücher zum Leben erwecken soll, kann man ja auch nur unter „schlechter Scherz“ verbuchen. Allerdings muss man das auch und vor allem dem Regisseur ankreiden, denn die Inszenierung ist jenseits von Gut und Böse. Ideenlos, uninspiriert und einfach langweilig.


2/10

RocknRolla

Guy Ritchie ist wieder da. Nach dem katastrophalen Swept Away und dem wenig beachteten Revolver hat er hat sich allem Anschein nach wieder auf seine Wurzeln besonnen und liefert uns mit RocknRolla eine schräge Gangsterkomödie ganz im Stile seiner, das Genre prägenden, Filme Bube, Dame, König, grAs und Snatch. In Tradition der letztgenannten Filme besteht auch bei RocknRolla die Handlung eigentlich nur in einer Verkettung von unglücklichen Vorfällen und Missverständnissen, die dazu führen, dass allerlei zwielichtige Figuren sich gegenseitig jagen und die Knochen brechen – auf die gewohnt coole und amüsante Weise versteht sich. Es gibt also wieder bizarre Situationen und schräge Charaktere en mas.

Stilistische Orgie

Weshalb Ritchies Filme einen so großen Einfluss hatten, wird dann auch bei RocknRolla von Beginn an deutlich. Würde es das Wort „stylish“ nämlich nicht geben, hätte man es bestimmt für Ritchies Filme kreiert. Die Bilder, der Schnitt oder aber auch der Einsatz der Musik lassen den Filmbegeisterten einfach einmal mehr in Bewunderung verfallen, so geschickt verflechtet Ritchie die einzelnen Departments des filmischen Handwerks miteinander. Das typische Guy-Ritchie-Gangsterfilm-Gefühl, dass in den letzten Jahren so oft, meist mit wenig Erfolg, zu kopieren versucht wurde, stellt sich umgehend ein.

Kein Feuer

Das Problem ist nur, dass der Funke nicht wirklich überspringen will. Vielleicht liegt es daran, dass die „Coolness“ der Figuren diesmal zu aufgesetzt wirkt. Vielleicht liegt es auch an der konfusen Struktur des Drehbuchs, die wohl der Tatsache geschuldet ist, dass es sich um den ersten Teil einer Trilogie handelt, und auf Grund dessen sich noch nicht einmal eine richtige männliche Hauptrolle ausmachen lässt (bei den Frauen ist das einfacher, da es praktisch nur eine Frau im Film gibt, die mehr als drei Sätze sagen darf!). Ein bisschen kommt man sich da wie bei einer traurigen Ausgabe des Herzblatts vor. Keiner der drei Kandidaten entspricht den gewünschten Anforderungen. Da wäre Archie, der zwar die Story erzählt, dafür aber nur gelegentlich im Film auftaucht. Dann gibt es noch One Two, der tatsächlich die meiste Leinwandzeit eingeräumt bekommt, was sich aber nicht wirklich aus der Story ergibt, sondern vielmehr daraus – so zumindest meine Vermutung – dass die Figur von Gerard Butler gespielt wird, dem größten „Namen“ im Film. Und schließlich wäre da noch Johnny Quid, auf den sich der Fokus erst gegen Ende des Films verschiebt, der aber immerhin der titelgebende RocknRolla ist. Hier fehlt dem Film eindeutig etwas feinschliff. Gut möglich, dass Ritchie beim Schreiben der Trilogie den Überblick verloren hat. Vielleicht überzeugt der Film aber auch nicht wirklich, weil Ritchie mit RocknRolla kein Stück weiter gegangen ist, als er es mit Snatch tat: Die coolen Stories, die die Figuren zum Besten geben, hat man alle so ähnlich schon mal gehört. Das gleiche gilt für das coole Gehabe und so weiter.

Fan oder nicht Fan, das ist hier die Frage

Der Film ist durchaus unterhaltsam und besticht, wie gesagt, durch seinen großartigen Look, aber letzten Endes, kann ich ihn nur denjenigen empfehlen, die bereits Fans von Ritchies bisherigen Gangsterkomödien sind. Der Rest sollte sich lieber Snatch ausleihen, um Ritchie auf seinem Höhepunkt zu erleben, und sich dann fragen, ob man dem RocknRolla eine Chance geben will.

6/10

Gran Torino

Walter Kowalski hat genug. Genug von seinen Kindern und Enkeln, die ihn als nicht mehr ernstzunehmenden Erblasser betrachten. Genug von seinem Viertel, das über die Jahre immer weiter herunter gekommen ist. Und natürlich hat er vor allem genug von den asiatischen Nachbarn, die sich auf seinem Rasen breit machen. Es wird wieder Zeit das Gewehr auszupacken…oder nicht?

In seinem Gedenken

Wenn man sich die aktuellen Kritiken zu Gran Torino zu Gemüte führt, könnte man meinen Clint Eastwood sei vor kurzem verstorben. So liest sich mancher Artikel wie ein Nachruf auf das Urgestein des Hollywoodkinos. Von seinen Errungenschaften ist die Rede, von dem Mythos Eastwood und seiner Integrität wird da ehrfurchtsvoll gestammelt – da wird selbst denjenigen das Herz schwer, die Eastwood früher als Inbegriff des reaktionären Actionkinos verteufelt haben. Der Grund ist nachvollziehbar: Gran Torino ist vermutlich Eastwoods letzter Auftritt als Schauspieler.

Ach, den Film gibt es ja auch noch

Es entsteht der Eindruck, dass der Film in der Kritik hinter all den Sentimentalitäten zurücktritt und zur Nebensache wird. Schnell wird Gran Torino noch zum Meisterwerk erklärt – über Tote will man schließlich nichts Schlechtes sagen. Dabei ist diese formale Krönung von Eastwoods Werk völlig unnötig, denn Gran Torino ist ein überzeugender Film, der keines falschen Zuspruchs bedarf: Die Story ist simpel, aber packend und Eastwood zeigt einmal mehr, weshalb er über Jahrzehnte hinweg als die Verkörperung des “gerechten” Lynchmörders schlechthin galt. Die eigentliche Leistung des Films besteht jedoch darin, dass es sich um eine der wenigen guten Reflektionen über das Genre handelt. Eastwood gelingt es all die typischen Klischees, die uns in Rachethrillern begegnen, auf clevere Weise zu dekonstruieren und beschert uns dadurch, quasi nebenher, einen der brillantesten Showdowns der Filmgeschichte.

Kein Meisterwerk

Gran Torino ist aber sicherlich kein Meisterwerk. Man merkt ihm in manchen Szenen einfach an, dass er mit nur fünf Drehwochen etwas schnell abgedreht wurde. Darunter hat vor allem die darstellerische Qualität mancher Schauspieler gelitten, gelegentlich aber auch die Inszenierung, die in der einen oder anderen Sequenz etwas beliebig daher kommt. Und selbst das Skript offenbart die eine oder andere Schwäche – manches kann man der Geschichte einfach nicht abnehmen – die dann aber meist durch Eastwoods Präsenz oder die ironische Grundstimmung, die den Film generell auszeichnet, aufgefangen wird. Die angeführten Mängel sind aber bei weitem nicht ausreichend, um dem Film als Gesamtwerk zu schaden. Ich habe sie hier nur aufgezählt, um verständlich zu machen, weshalb ich nicht ganz mit den Kritiken, die den Film proforma in den Himmel loben, konform gehe.

Gran Torino kann ich bedenkenlos jedem empfehlen. Eastwoods letzte Darbietung als Schauspieler ist – mal amüsant, mal emotional ergreifend – ein würdiger, aber vor allem überzeugender Abgang von der Bühne und zugleich auch ein weiterer Beweis seines Könnens als Regisseur.

8/10

//Nachtrag
Mir ist gerade aufgefallen, dass die deutsche Synchronisation sehr “gewöhnungsbedürftig” ist. Schaut euch den Film also lieber im Original an.

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