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Wolfgang gibt sich die Ehre
In letzter Zeit gab es ja immer wieder Beschwerden, dass ich zu wenig Kritiken veröffentliche. Tja, sorry, aber was soll ich machen? Vielleicht meinen “Kritikern” die Chance geben es besser zu machen!? Also, hier kommt Wolfgang: ein alter Kumpel von der Uni und treuer Blogleser, der mich gerne daran erinnert, dass ich mal wieder eine Kritik schreiben könnte
Die folgenden beiden Kritiken stammen also NICHT aus meiner Feder, sondern sind allein das Produkt von Wolfgangs Gehirnwindungen. Er ist übrigens solo, mag Philosophie, Filme und Ruinen (das leite ich zumindest davon ab, dass er in Duisburg lebt ;D )…also Mädels, falls euch seine Kritiken umhauen leite ich euch gerne seine Emailadresse weiter ;-D.
Das soll übrigens nur ein Gastspiel bleiben…
500 Days of Summer
Alle Jahre wieder, Herbstzeit ist Chickflick-Zeit. Dieses Mal gibt es „500 Days of Summer“. Ein Film der gleich am Anfang damit prahlt, dass er keine Liebesgeschichte ist. Aber er will noch mehr. Mit einem Anspruch auf Realismus kommt er daher, indem er gleich damit einsteigt uns eine psychische Analyse der beiden Hauptdarsteller vorzusetzen. ER (Tom) ist dem Glauben an die große Liebe verfallen, hervorgerufen durch britische Popmusik und einem falschen Verständnis des Filmes „The Graduate“. SIE (Summer) ist desillusioniert und glaubt nicht an die große Liebe bzw. dass man ohne die große Liebe glücklich sein kann. Durch die Scheidung ihrer Eltern ist sie seit der Kindheit traumatisiert und hat ein gestörtes Empfindungsleben beim Haareschneiden.
Er trifft sie am Arbeitsplatz und es ist für ihn die Liebe auf den ersten Blick. Fade out und die Stimme aus dem Off verspricht uns, dass keine Liebesgeschichte gezeigt wird. Nach diesen viel versprechenden 2:10 Minuten, geht der Film los und das Unheil nimmt seinen Lauf. Die Erwartungen sind hoch, denn etwas überrascht und neugierig war ich schon, denn ich habe damit gerechnet einen Film vorgesetzt zu bekommen vom Kaliber würdig eines Aston Kutcher und einer Cameron Diaz. Um es kurz zu machen: Der Film ist am Ende genau das was er ausgibt nicht zu sein, aber etwas anders. Zwei bemerkenswerte Sachen des Filmes:
1.Die Rollen von Mann und Frau sind in diesem Film verkehrt. ER glaubt an die große Liebe des Lebens und sie gibt sich realitätsgebunden und desillusioniert. Das hält der Film nicht durch, denn sowas wollte man dem 08/15 Zuschauer, dem Konsumenten solcher Filme wohl doch nicht vorsetzen. Im Filmverlauf wird dem Zuschauer vorgegaukelt, dass eine Charakterentwicklung der beiden Stattfinde was nicht der Fall ist. SIE gibt sich den ganzen Film über als Mann, der keine feste Bindung und emotionale Verpflichtung will. ER gibt die anhänglich Frau, von Liebe beflügelt und schließlich tief stürzend. Gegen Ende könnte der Eindruck entstehen, die Rollen tauschen sich wieder in den normal Zustand: Er desillusioniert, sie Liebesprophetin. Aber nein! Sie heiratet jemanden anderen und es stellt sich raus sie hat eigentlich die ganze Zeit nur desillusioniert getan, ließ sich von der Liebe leiten und fand einfach Mister Right. Er scheint nur seine Liebesvorstellung aufgegeben zu haben, denn am Ende glaubt er stark genug an die Liebe und findet doch noch seine Aphrodite.
2.Ein cooles Element die „Split-Screen-Szene“. Er besucht Ihre Feier, will noch mal anbandeln. Das Bild teilt sich beim Eintritt in das Treppenhaus, in links „Erwartung“ und rechts „Realität“. Beide Teilbilder zeigen den Ablauf des Besuches der Party, nur eben einmal seiner Vorstellung nach und einmal wie es tatsächlich abläuft. Hab ich so noch nicht gesehen in einem Chick-Flick und die Darstellung war schon recht realitätsgetreu.
Absolut grauenhaft und mies, sind die Interview-Szenen in denen der Film unterbrochen wird durch (fiktive?) Interviews mit Charakteren des Filmes, die Ihre Einstellung und Haltung zum Thema Liebe wiedergeben. Warum so plump um Identifizierung mit einem Charakter gebuhlt wird, hat sich mir nicht erschlossen. Dass diese Interviews den „Fluß“ des Filmes stören kann man nicht sagen, denn einen kontinuierlichen Film bekommt man nicht geboten, sondern nur eine Abfolge von Vor- und Rückblenden die immer mit einem Tages-Zähler angekündigt werden. Das KANN man sich noch gefallen lassen, aber die Interviews sind einfach zu viel des Guten. Aber einen richtigen Vorwurf kann man dem Film daraus auch nicht machen, denn er springt nur auf den neusten Hollywoodtrend auf. Den Film durch Interviews mit der Kamera bzw. dem Zuschauer aufzubrechen ist In, so macht es auch Woody Allen in „Whatever Works“. (Solange die sich nicht zu Hopkins Slipstream Exzess hinreißen lassen, muss man diese neue Art wohl zähneknirschend über sich ergehen lassen.)
Ach ja, 500 Days of Summer will eine dieser typischen Comdedy-Drama-Romance Filme sein. Falls mir einer die Szene sagen kann, die lustig ist oder den Film als Komödie durchgehen lässt, der kann sich bitte bei mir melden.
Der Film ist weder Komödie, noch Drama, noch Romanze. Eigentlich ist der Film Nichts, denn Marc Webb war so nett einen Stoff zu verfilmen, der nüchtern betrachtet total belanglos ist, nämlich die verflossene Liebe. (Mal ehrlich, früher haben sie wenigstens die große Liebe verfilmt. Klar, davon sind wir satt, aber mir jetzt die Liebe „zwischen“ der großen Liebe zu verfilmen ist irgendwie armselig. Das ist so als ob ich Indiana Jones beim Unterrichten und Müllrausbringen filme und am Ende andeute dass er sich jetzt bald auf die Suche nach der Bundeslade macht.) Mit viel Wohlwollen kann der Film solide 6 Stern kriegen, obwohl nur 4 verdient hätte wegen der frechen Story, der nichtvorhanden Charakterentwicklung und dem Interviewstyle.) Die Bewertung auf IMDB von 8,1und die Aufnahme in die Top250 ist ein müder Witz… Im Anbetracht der traurigen Wahrheit, dass diese Filmrubrik wirklich nahe dem Boden ist was Niveau und Stil angeht, muss er aber 7 Troststerne bekommen.
The Final Destination – 180 abgestürzt
Der vierte Teil einer Triologie. Immer wenn es mehrere Sequels eines Filmes gibt, sollte der geschulte Zuschauer nicht mehr fragen „Und wie war der Film?“, sondern „Wie schlimm ist es?“ – Es ist sehr schlimm.
Noch bevor richtig in den Film eingestiegen wird, macht sich eine schaurige Vorahnung breit. Warum zeigen sie mir während der Intro Credits (?) ein Best-Of der Unfälle der ersten drei Teile? Schon wieder so eine Art Serienfetisch: „Was bisher geschah“. Eigentlich müsste ich jetzt was zum Inhalt oder Story des Filmes sagen. Die ist aber so dünn, das ich hier mal drauf verzichte. Viel interessanter ist, auf die Merkmale der Serie einzugehen, die auch im vierten Teil stereotypisch sind.
1.Der Tod ist unpersönlich. Die Leben der Opfer sind nicht a la Scream in den Händen eines maskierten Killers, sondern in denen des Schicksals. Das Schicksal tritt als anonyme Kraft auf, als Wind, als unsichtbarer Schraubenschlüssel und bringt Alle um die Ecke die dran sind.
2.Es gibt immer einen „Seher“. Er hat eine Vision des Schlüsselereignisses und setzt die Rangfolge der Sterbenden zusammen. Hat er die Rangfolge der Sterbenden ausgeknobelt, versucht er das Schicksal auszutricksen und in den Unfall – das Werk des Schicksals – einzugreifen. Scheinbar funktioniert dies, doch am Ende kommt der Twist, dass eh Alle sterben müssen und das Schicksal allmächtig ist.
3.Nach all den Teenie-Horror B-Movies weiß jeder, dass der Farbige als erstes – zumindest auf jeden Fall – sterben muss. Im vierten Teil der Saga will der sogar dem Schicksal entkommen, indem er einen misslungenen Selbstmord versucht.
Die drei Punkte summieren die gesamte Story des Filmes. (Klingt komisch, ist aber so.)
Der Film ist das Resultat eines Dranges zum Ausschlachten. Mehr Todesfälle, mehr Action und weniger Story!, so scheint die Forderung gewesen sein und das wird auch abgeliefert. Von Story lässt sich gar nicht sprechen. Der vierte Teil von Final Destination benutzt Story wie ein Pornofilm, nämlich nur um eine kurze Pause zwischen der Action zu entschuldigen. Die Schauspieler sind mies, das Script ist noch mieser und die „Unfälle“ sind ganz nett, aber entweder so ähnlich schon in den vorherigen Teilen gezeigt worden oder nichts Besonderes. Insgesamt scheint Final Destination in die gleiche Rubrik wie die Alien Reihe zu gehören: man tut sich selbst einen Gefallen wenn man die letzten Teile nicht ansieht. Die Idee, der vom Schicksal in Szene gesetzten Unfällen mit Todesfolge für die schäbigen Schauspieler ist ganz nett, aber dass der vierte (und hoffentlich letzte) Teil nur noch freche Geldabzocke ist verdient nicht mehr als 3 Sterne.



