Artikel-Schlagworte: „RochnRolla“
RocknRolla
Guy Ritchie ist wieder da. Nach dem katastrophalen Swept Away und dem wenig beachteten Revolver hat er hat sich allem Anschein nach wieder auf seine Wurzeln besonnen und liefert uns mit RocknRolla eine schräge Gangsterkomödie ganz im Stile seiner, das Genre prägenden, Filme Bube, Dame, König, grAs und Snatch. In Tradition der letztgenannten Filme besteht auch bei RocknRolla die Handlung eigentlich nur in einer Verkettung von unglücklichen Vorfällen und Missverständnissen, die dazu führen, dass allerlei zwielichtige Figuren sich gegenseitig jagen und die Knochen brechen – auf die gewohnt coole und amüsante Weise versteht sich. Es gibt also wieder bizarre Situationen und schräge Charaktere en mas.
Stilistische Orgie
Weshalb Ritchies Filme einen so großen Einfluss hatten, wird dann auch bei RocknRolla von Beginn an deutlich. Würde es das Wort „stylish“ nämlich nicht geben, hätte man es bestimmt für Ritchies Filme kreiert. Die Bilder, der Schnitt oder aber auch der Einsatz der Musik lassen den Filmbegeisterten einfach einmal mehr in Bewunderung verfallen, so geschickt verflechtet Ritchie die einzelnen Departments des filmischen Handwerks miteinander. Das typische Guy-Ritchie-Gangsterfilm-Gefühl, dass in den letzten Jahren so oft, meist mit wenig Erfolg, zu kopieren versucht wurde, stellt sich umgehend ein.
Kein Feuer
Das Problem ist nur, dass der Funke nicht wirklich überspringen will. Vielleicht liegt es daran, dass die „Coolness“ der Figuren diesmal zu aufgesetzt wirkt. Vielleicht liegt es auch an der konfusen Struktur des Drehbuchs, die wohl der Tatsache geschuldet ist, dass es sich um den ersten Teil einer Trilogie handelt, und auf Grund dessen sich noch nicht einmal eine richtige männliche Hauptrolle ausmachen lässt (bei den Frauen ist das einfacher, da es praktisch nur eine Frau im Film gibt, die mehr als drei Sätze sagen darf!). Ein bisschen kommt man sich da wie bei einer traurigen Ausgabe des Herzblatts vor. Keiner der drei Kandidaten entspricht den gewünschten Anforderungen. Da wäre Archie, der zwar die Story erzählt, dafür aber nur gelegentlich im Film auftaucht. Dann gibt es noch One Two, der tatsächlich die meiste Leinwandzeit eingeräumt bekommt, was sich aber nicht wirklich aus der Story ergibt, sondern vielmehr daraus – so zumindest meine Vermutung – dass die Figur von Gerard Butler gespielt wird, dem größten „Namen“ im Film. Und schließlich wäre da noch Johnny Quid, auf den sich der Fokus erst gegen Ende des Films verschiebt, der aber immerhin der titelgebende RocknRolla ist. Hier fehlt dem Film eindeutig etwas feinschliff. Gut möglich, dass Ritchie beim Schreiben der Trilogie den Überblick verloren hat. Vielleicht überzeugt der Film aber auch nicht wirklich, weil Ritchie mit RocknRolla kein Stück weiter gegangen ist, als er es mit Snatch tat: Die coolen Stories, die die Figuren zum Besten geben, hat man alle so ähnlich schon mal gehört. Das gleiche gilt für das coole Gehabe und so weiter.
Fan oder nicht Fan, das ist hier die Frage
Der Film ist durchaus unterhaltsam und besticht, wie gesagt, durch seinen großartigen Look, aber letzten Endes, kann ich ihn nur denjenigen empfehlen, die bereits Fans von Ritchies bisherigen Gangsterkomödien sind. Der Rest sollte sich lieber Snatch ausleihen, um Ritchie auf seinem Höhepunkt zu erleben, und sich dann fragen, ob man dem RocknRolla eine Chance geben will.
6/10



