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Who watches the Watchmen

Es heißt es sei schwer aus einem schlechten Drehbuch einen guten Film zu machen, aber einfach aus einem guten Drehbuch einen schlechten Film. Die gute Nachricht ist, dass es Regisseur Zack Snyder nicht geschafft hat aus der intelligenten Comicvorlage von Alan Moore einen schlechten Film zu machen. Die schlechte Nachricht ist, dass er nahe dran war.

Alternative Realität

Es ist 1985, die USA haben den Vietnamkrieg gewonnen, Richard Nixon wurde fünf Mal zum Präsidenten gewählt und Edward Blake, der früher einmal der Superheld Comedian war, wird durch das Fenster seiner Wohnung aus dem dreißigsten Stock geworfen. Willkommen in Watchmen, einer Geschichte die sich zentral um die Frage dreht, wie sich die Menschheitsgeschichte entwickelt hätte, wenn es tatsächlich maskierte Rächer geben würde. Überraschender Weise gelingt es Snyder sogar die epischen Ausmaße des Comics auf 162 Minuten Film herunter zu destillieren. Der Preis den er dafür zahlt ist jedoch hoch – vielleicht zu hoch.

Aufgepasst?

Comickenner sind ausreichend bedient, wer aber noch nie etwas von den Watchmen gehört hat und nicht zu den aufmerksamsten Kinogängern zählt, wird sich an der einen oder anderen Stelle Fragen stellen, deren Antworten er einfach verpasst, weil sie nur kurz am Rande zur Sprache kommen. Oder schlimmer noch, er zieht die falschen Schlüsse aus der Handlung, was gerade bei dem sehr kontroversen Ende von Watchmen katastrophal wäre. Es liegt die Vermutung nahe, dass Snyder den Comic zwar gelesen, aber nicht verstanden hat. Diesen Eindruck vermittelt der Film zumindest immer wieder, so zum Beispiel wenn man feststellt, dass die eigentlich Identifikationsfigur innerhalb der Geschichte, Rohrschach, in Snyders Version zu einer Nebenrolle verkommt.

Snyder bleibt Snyder

Überhaupt bestätigt dieser Film, das Snyder zu den derzeit am meisten überschätzten Regisseuren Hollywoods gehört. Seine Filme sind zwar visuell auf der Höhe, so auch Watchmen, strotzen aber von Entscheidungen, die auf ein fast vollends fehlendes Einfühlungsvermögen seitens des Regisseurs schließen lassen. Snyder ist wohl ein Autist. Anders lassen sich gewisse Abläufe im Film nicht erklären. Welcher halbwegs zur Empathie befähigte Mensch würde denn direkt auf eine äußerst tragische Sterbeszene eine Hollywood-Bubblegum-Kussszene folgen lassen? Snyder weiß es einfach nicht besser.

Auch die Wahl der musikalischen Untermalung bereitet Kopfschmerzen. Im brillanten Intro freuen wir uns noch über den wirklich stimmigen Einsatz eines Dylan Songs, doch dann folgt ein Klischee auf das andere. Die Songs sind zwar gut, aber so unglaublich bekannt oder so oft in anderen Filmen gespielt worden, dass sie in Watchmen einfach nicht mehr funktionieren und einige Szenen durch ihren Einsatz schon richtiggehend sabotiert werden.

Es lebe die DVD

Versteht mich nicht falsch. Watchmen ist ein guter Film: Er sieht gut aus, die Schauspieler machen anständige Arbeit und die Story ist immer noch angenehm ansprechend im Vergleich zu den meisten anderen Comicfilmmachwerken der letzten Jahre. Er weißt nur viele Mängel auf. Dass der Film trotz Snyder etwas geworden ist, kann ich mir nur so erklären, dass jeder Beteiligte eine Ausgabe des Comics, mit der Anmerkung, dass das Endprodukt dieser Vorgabe entsprechen soll, erhalten hat.

Trotzdem empfehle ich nur den Comicfans den Kinobesuch. Alle anderen sollten warten bis der dreistündige Director’s Cut oder die noch längere Version, die den Subplot „The Black Freighter“ enthält, auf DVD erscheinen. Die Chancen stehen gut, dass der Film in diesen Versionen für den Otto-Normal-Filmschauer an notwendiger Substanz gewinnt.

P.S.

Eine Warnung noch an die Actionfans: Macht einen Bogen um diesen Film. Es wird zwar – teils sehr blutig – Action geboten, doch ist sie nur selten packend inszeniert, wirkt oft aufgesetzt und insgesamt im Film deplaziert.

7/10

Weitere Kritiken zu dem Film finden sich hier und hier.

Trailer

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