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Warum hasse ich…Pandorum?
Stellt euch vor ihr erwacht auf einem Raumschiff – ihr erinnert euch nicht an eure Vergangenheit, ihr wisst nicht weshalb ihr euch übehaupt an Bord befindet und ihr seit allein…oder lauert da etwas in der Dunkelheit auf euch? So ergeht es der Hauptfigur in “Pandorum“, Bower, der wir in Christian Alvarts Science-Fiction-Thriller durch die Story folgen.
Der Film beginnt auch entsprechend wie ein Kammerspiel-Psycho-Thriller. Was tun wenn man allein in der Dunkelheit ist, an einem Ort den man nicht kennt – nur mit der eigenen Angst bewaffnet. Leider gibt der Film diese durchaus interessante Ausgangsituation sehr schnell zugunsten einer 08/15-Actionstory auf. Die “Elysium”, so der Name des Raumschiffes, ist nämlich alles andere als unbewohnt und Bowers “Weg zu sich selbst” entwickelt sich alsbald zum simplen Kampf ums nackte Überleben, wie man ihn schon tausend Mal zuvor gezeigt bekommen hat. Generell hat man das Gefühl, dass alles schon mal gesehen zu haben. Ein bißchen “Event Horizon“, eine Touch “Sunshine” und austauschbarer Horror alá “Silent Hill” – von den verschieden Videospielen, bei denen sich die Macher für’s Design bedient haben, ganz zu schweigen. Wenn der Film diese Vorbilder dann wenigstens halbwegs erreichen würde, aber…das ist nun mal leider nicht der Fall (kein gutes Zeichen, wenn man mit Event Horizon oder Silent Hill nicht wirklich mithalten kann
).
Ich würde sagen “Pandorum” ist wieder einmal ein typisches Beispiel für einen Film, der mehr sein will, als er kann. Da wird hochtrabend die Frage nach dem moralfreien Raum gestellt und die einzige Antwort die uns der Film liefert, lautet: irgendeiner wird dich schon bestrafen, wenn du sündigst. Nein, welch’ tiefgründige Auseinandersetzung hat sich der Autor da mit den grundlegenden Problemen der Moralphilosophie geliefert. Ich bin beeindruckt. Dann will Alvart auch noch schnell die Grenzen von geistiger Gesundheit und Wahnsinn ausloten und kratzt dabei nicht mal an der Oberfläche der menschlichen Psyche, aber hey, wofür soll man sich ernsthaft Gedanken zu so einem Thema machen, wenn man auch einfach ein paar gängige Klischees auspacken kann und dann das Ganze mit ein paar Standardeffekten garniert. (Der VFX-Supervisor zum Regisseur: “Ey, ich hab’ ‘ne brillante Idee. Wie wäre es wenn wir die Geisteskrankheit mit Überblendungen, Wackelkamera, und kamerablitzartigen Gloweffekten darstellen. Das hat die Welt noch nicht gesehen…außer bei so ziemlich jedem Film der letzten 15 Jahre, der sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat.” Der Regisseur: “Spitze, das machen wir. Da kommt mir auch ‘ne klasse Idee. Wie wäre es wenn es sich bei der Geisteskrankheit um eine dissoziative Identitätsstörung handelt. Das hat die Welt noch nie gesehen…außer bei so ziemlich jedem Film der letzten 15 Jahre, der sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat.” Da setzt der Kameramann ein und sagt: “Super, das bringt mich auf ‘ne Idee…” Und wenn sie nicht gestorben sind, dann klopfen sie sich immer noch gegenseitig auf die Schulter.)
Was den Film dann endgültig in die Hölle für schmutzige, kleine B-Movies schickt, sind die handwerklichen Unzulänglichkeiten. Immer wieder mal gibt es die obligatorische, völlig unnütze Rückblende, die uns nichts wichtiges erzählt, dafür aber völlig deplatziert wirkt und den Rhythmus des Films stört. Entsprechend wenig überzeugt auch der Schnitt, der, sagen wir mal, uninspiriert ist. Die Kameraarbeit ist eigentlich okay, verfährt aber nach dem “Wir-halten-halt-mal-drauf”-Prinzip. Und so weiter und so fort…
Ich freue mich jedes Mal, wenn ein deutscher Regisseur den Sprung ins internationale Geschäft schafft und ich halte Alvart auch für durchaus talentiert (sein “Antikörper” mag Längen gehabt haben, hat aber deutlich gezeigt, dass der Mann einiges drauf hat), aber “Pandorum” ist ein großer Schritt in die falsche Richtung. Für Fans des Genres taugt der Film sicherlich zur Unterhaltung, aber selbst die werden das eine oder andere Mal den Kopf schütteln. Beispielsweise, wenn Bower praktisch aus dem Nichts immer wieder ein Knick-Licht hervorzaubert…früher ging den Helden nie die Munition aus, heute haben sie immer ein “Streichholz” bei sich…
4/10



