Artikel-Schlagworte: „Star Wars“

Filmpiraterie: Die Industrie kriegt was sie verdient 3

Teil 1 und 2 dieses Artikels finden sich hier und hier.

Vertrieb

Einen schlechten Film auf einer obszön großen Anzahl von Kinoleinwänden zu starten, hat – trotz der steigenden Unkosten – einige Vorteile. Von grundlegender Bedeutung ist natürlich die Tatsache, dass wir durch das extreme Überangebot unseres Films überhaupt erst die Grundlage dafür schaffen, dass das Hauptgeschäft am ersten Wochenende nach Filmstart stattfinden kann. Der enorme Werbeaufwand im Vorfeld sollte ja eine entsprechend große Nachfrage erzeugt haben, die natürlich nur befriedigt werden kann, wenn ausreichend Angebot vorhanden ist. Damit ihr euch besser vorstellen könnt weshalb ich von einer Verlagerung des Hauptgeschäfts spreche, vergleichen wir doch mal einfach Star Wars (1977) und Transformers (2007). Transformers spielte am ersten Wochenende in den USA $70.502.384 ein (insgesamt $319.246.193). Um diese Summe zu erreichen brauchte Star Wars (insgesamt $307.263.857) fast zwei Monate!

Eine „nette“ Folge des Überangebots unseres Films ist weiterhin, dass jeder belegte Kinosaal automatisch ein Saal ist, in dem keine Konkurrenz läuft. Wir verknappen also das Filmangebot im Kino und steigern dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass sich unentschlossene Kinobesucher für unser Produkt entscheiden. Was uns aber besonders am Herzen liegt, ist die Beschleunigung der Filmverwertungskette. Logische Konsequenz der Verlagerung des Hauptgeschäfts auf das erste Wochenende ist schließlich, dass der Film relativ schnell wieder aus den Kinos verschwinden wird. Es mag paradox klingen, aber wir wünschen uns, dass unser Film nicht allzu lang in den Kinos läuft. Nur so können wir ihn möglichst schnell auf den äußerst lukrativen DVD-Markt schmeißen(man denke an die berüchtigten Querelen, die den Sin City Start umgaben).

Interessant an diesem Vorgehen ist aber der psychologische „Kollateralschaden“ der beim Kinobesucher entsteht. Adaptieren nämlich die konkurrierenden Verleihe unser Konzept – und das tun sie – so beschleunigt sich die Filmverwertungskette aller Filme. Das Ergebnis ist eine Veränderung der Kinolandschaft und ihrer Wahrnehmung durch den Kinobesucher. Dieser bemerkt natürlich, dass die Filme immer schneller aus dem Programm genommen werden und schließt daraus, dass er Filme, die ihn interessieren, zukünftig möglichst schnell sehen muss, will er sich nicht den Kinogenuss entgehen lassen. Auf diese Weise verstärkt die Industrie die Konditionierung des Zuschauers, die durch das Marketing begonnen wurde: sieh den Film jetzt oder nie!

Weiter geht’s in den nächsten Tagen…

RSS-Feed abonnieren
Feed über Email

Email-Adresse eingeben:

Delivered by FeedBurner

Werbung
Kategorien
Freunde
Filmblogs
Andere Blogs
Inaktive Blogs?