Artikel-Schlagworte: „Steven Spielberg“

Indiana Jones ist pädophil!

Viele dachten nach Kingdom of the Crystal Skull könnte man die Figur Indiana Jones nicht weiter demontieren. Sie haben sich geirrt. Vor einigen Tagen ist im Internet ein Protokoll eines ersten Gesprächs zwischen George Lucas, Steven Spielberg und Lawrence Kasdan aufgetaucht. Dieses Gespräch diente der Charakterentwicklung der Hauptfigur (damals noch Indiana Smith!) von Raiders of the Lost Ark. Die Freude der Fans über dieses Protokoll war allerdings etwas verfrüht. Schuld ist ein Abschnitt des Protokolls in dem die sexuelle Vergangenheit zwischen Indiana Jones und der weiblichen Hauptrolle Marion besprochen wird(Die Übersetzung aus dem Original stammt von mir und ist nicht perfekt):

GL: Er könnte dieses kleine Mädchen gekannt haben als sie noch ein Kind war. Hatte eine Affäre mit ihr als sie elf war.

LK: Und er war 42.

GL: Er hat sie seit 12 Jahren nicht mehr gesehen. Jetzt ist sie 22. Es ist eine wirklich seltsame Beziehung.

SS: Sie sollte besser älter als 22 sein.

GL: Er ist 35 und er kennt sie von vor zehn Jahren, als er 25 war und sie war nur 12. Es wäre amüsant, wenn wir sie etwas jünger zu dem Zeitpunkt machen würden.

SS: Und promiskutiv. Es ging von ihr aus.

GL: 15 ist genau an der Grenze. Ich weiß, dass diese Idee skandalös ist, aber sie ist interessant. Wenn sie erst mal 16 oder 17 ist, ist es nicht mehr interessant. Aber wenn sie 15 war und er 25 und sie tatsächlich eine Affäre hatten als sie sich das letzte mal begegneten. Und sie war fürchterlich verliebt in ihn und er…

Wer sich den ersten Film der Reihe noch mal ansieht, wird bemerken, dass es tatsächlich Dialogzeilen gibt, die auf darauf hinweisen, dass die drei Idioten diese Biographie tatsächlich beibehalten haben. Aufmerksam wurde ich auf diesen letzten Nagel zu Indiana Jones Sarg durch einen Bericht auf Cinematical.com. Danke, ich werde mir Indiana Jones nie wieder ansehen können.

Schindlers Liste – Eine schwarze Komödie?

Okay, bevor mir jetzt hier Anzeigen wegen Volksverhetzung eintrudeln: Ich bin natürlich weder der Meinung das „Schindlers Liste“ eine schwarze Komödie ist, noch das die Verfolgung und Ermordung der Juden im dritten Reich in irgendeiner Form belustigend wäre. Es geht mir hier nicht um das was der Film erzählt, sondern um das wie er es tut!

Nachdem das geklärt ist stellen wir uns jetzt einmal vor, dass Spielbergs Film in ferner Zukunft durch glückliche Umstände in die Hände von Menschen gelangt, die absolut nichts über dieses dunkle Kapitel der Menschheitsgeschichte wissen, dafür aber mit einer großen Portion schwarzen Humors gesegnet sind. Würde sie der Film tatsächlich in ähnlicher Weise ergreifen wie uns? Zum großen Teil bestimmt, aber in einigen Momenten, so behaupte ich, würde sie der Film zum Lachen animieren. Warum? Nun weil Spielbergs fehlende Distanz zum Thema zu einigen fürchterlich naiv inszenierten Szenen geführt hat, die ein Mensch, der sich der historischen Realität des Holocausts nicht bewusst ist, als unfreiwillig komisch wahrnehmen würde.

Rufen wir uns ein paar Szenen ins Gedächtnis (das muss ich jetzt wirklich machen, da ich den Film leider nicht hier habe – meldet euch falls ich etwas falsch erinnere):

1. Etwa ein Dutzend Juden stehen in einer Reihe. Ein Nazioffizier läuft vor ihnen auf und ab und verlangt, dass der Name eines angeblichen Diebes preisgegeben werden soll. Dann erschießt er kurzerhand willkürlich einen der Gefangenen, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen. Bis zu diesem Moment packt uns die Szene. Spielberg hat mal wieder alles richtig gemacht. Doch dann passiert es: Auf die erneute Frage nach dem Dieb, tritt ein Jude vor, deutet auf den Erschossenen, und sagt: „Der war’s!“
Wie soll einer dieser schwarzhumorigen Zukunftsmenschen jetzt noch Mitleid mit dem armen Kerl haben, der erschossen wurde, wenn er wegen der gewitzten Reaktion von dessen Mitgefangen für diesen voller Bewunderung ist?

2. Ein Nazioffizier gerät außer sich und will einen Gefangenen erschießen. Er drückt ab, aber es passiert nichts. Er drückt wieder ab, aber es passiert immer noch nichts. Er lädt die Waffe sicherheitshalber durch und drückt wieder ab, doch sie lässt ihn wieder im Stich. Bis hierhin sind wir wieder ergriffen. Der willkürliche Terror, dem die Juden im Konzentrationslager ausgesetzt sind, macht uns fertig, aber dann schlägt Spielberg erneut zu: Der Nazioffizier nimmt einem anderen Nazi, die Pistole ab, zielt und drückt ab und drückt ab und drückt ab, aber es will sich einfach kein Schuss lösen. Er lädt hastig auch diese Waffe durch, aber auch hier ohne Erfolg. In seiner „Verzweiflung“ prügelt er mit der Waffe auf sein Opfer ein.
Sicherlich sollte diese Steigerung das Gefühl des Terrors verstärken, aber wirkt dass denn wirklich so? Verkommt die gesamte Szene denn nicht eher zu einer absurden Farce, die so aus einem Monty Python Film stammen könnte?

3. Der Lagerkommandant Amon Göth wird hingerichtet. Er steht auf einem Stuhl, einen Strick um den Hals. Er richtet sich noch einmal den Scheitel und sagt: „Heil Hitler!“ Dann tritt ein russischer Soldat an ihn heran und will den Stuhl unter ihm wegtreten, doch es gelingt ihm nicht. Er tritt wieder dagegen und wieder. Teile – sogar Stuhlbeine – brechen vom Stuhl ab, ein zweiter Soldat kommt dem ersten zur Hilfe und tritt ebenfalls gegen den Stuhl, doch Göth will einfach nicht hängen. Insgesamt sechs Tritte braucht es schließlich, um Göths Schicksal zu besiegeln.
Tut mir leid, aber hier kann selbst der tragende Gesang im Hintergrund die Szene nicht retten. Was Spielberg uns zeigt, ist einfach nur bizarr und absurd. Es hätte nur noch gefehlt, dass Göth fröhlich „Always look on the bright side of life“ trällert. Möglich, dass es sich genau so zugetragen hat, aber sollte das der Fall gewesen sein, hätte sich Spielberg hier die viel gerühmte künstlerische Freiheit nehmen sollen.

Ich hoffe dass diese kurzen Analysen gerade den Lesern, denen schwarzer Humor fremd ist, einigermaßen verdeutlichen konnten, weshalb ich Spielberg hier eine schwache Leistung vorwerfe. „Schindlers Liste“ ist kein schlechter Film, aber er wird über Gebühr gelobt – vermutlich weil man im Zusammenhang mit so einem heiklen Thema keinen falschen Eindruck erwecken möchte.

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