Artikel-Schlagworte: „Vampir“

Eclipse – oder haben Twilight Fans schon mal einen guten Vampirfilm gesehen?

Ich habe kein Problem mit dem Twilight Franchise. Ich bin mir sogar sicher, dass die Bücher ihre Daseinsberechtigung haben. Gut möglich das sie sogar literarische Meisterwerke sind, die der weiblichen Seele all das geben und abverlangen, was es braucht um etwas Harmonie und Glück zu erzeugen. Wer weiß? Ich habe sie nicht gelesen. Im Endeffekt ist es mir auch schlichtweg gleich, ob ihr euch abends mit Harry Potter in die Kiste legt oder von glitzernden Sex And The City Vampiren träumt. Jedem das seine. Was ich allerdings nicht abhaben kann, ist das sinnentleerte, grundlose Hypen von höchstens mittelmäßigen Filmen. Und seien wir ehrlich, die Twilight Filme haben die Hysterie, die um sie herum entstanden ist, bisher nicht ansatzweise rechtfertigen können.

Der erste Teil war okay. Als Teeny Liebesfilm absolut akzeptabel, wenn auch nicht mehr als ein Abziehbild klischeehafter, pubertärer Liebesvorstellungen. Dass der Film auf der Action- und Effektebene versagte ist dabei bedeutungslos. Schließlich handelt es sich hierbei um Aspekte filmischen Schaffens die dem Großteil der Zielgruppe wohl mit ziemlicher Sicherheit am Allerwertesten vorbei gehen. Ich würde dem Film daher guten Gewissens eine 5 von 10 geben. Der zweite Teil war hingegen, wie es bei Fortsetzungen meist der Fall ist, so etwas wie der hässliche Bruder. Die Lovestory – damit meine ich das kastrierte Etwas, dass die Handlung des ersten Teils fortsetzen sollte – wird noch infantiler und überzeugt einfach gar nicht mehr. In Grauen versetzt wird der Zuschauer nur durch noch schlechtere Effekte und Actionsequenzen als man sie aus dem ersten Teil kannte. Und hier ist das von Bedeutung, da das Augenmerk von den Machern bekanntlich mit Absicht auf die Actionebene verschoben wurde, um auch die männlichen Kinogänger anzusprechen. Der Film ist bei allem Wohlwollen gerade mal eine 2 von 10. Früher wurden derartig schlechte Literaturverfilmungen noch von den Fans abgestraft, heutzutage scheint es dagegen der Fall zu sein, dass die Fans so sehr nach einer Leinwandfassung ihres Lieblingsschinkens lechzen, dass sie alles ohne wenn und aber absegnen. Es kann natürlich auch sein, dass Twilight Fans einfach grundsätzlich nicht wissen was einen guten Kinofilm ausmacht.

Nach all dem neuerlichen Geschrei und den Versicherungen, dass der dritte Teil mit Abstand der Beste der Reihe sei, habe ich mich tatsächlich dazu durchringen können Eclipse eine Chance zu geben. Und ich kann bestätigen, dass die Erträglichkeitskurve wieder nach oben verläuft. Der Film ist deutlich besser als der zweite Teil…er ist allerdings immer noch deutlich schlechter als der erste. Das Skript scheint eine Mischung aus einer schlechten Folge von Buffy und einer durchwachsenen Episode von Verliebt in Berlin zu sein. Die Story konzentriert sich wie im zweiten Teil auf eine schwach konstruierte Dreiecksbeziehung. Da ist Bella, die aus dem Off allerhand Belanglosigkeiten vor sich hin „telenovelat“, Edward, der die Idee des knallharten Softies so perfekt verkörpert, dass man sich fragt, ob diese Figur nicht einfach asexuell ist und natürlich Jacob, der wie gehabt von einem hoffnungslos überforderten Taylor Lautner gespielt wird. Lautner, der nicht nur wie eine 80’er Jahre Actionfigur aus Plastik aussieht, sondern auch spielt als wäre er eine. Die Beziehung zwischen diesen Figuren ist insofern schwach konstruiert, als das jegliche Interaktion zwischen den Charakteren auf hanebüchene Weise vom Autor erzwungen wird. Wieder und wieder werden, zum Teil völlig unlogische, Vorwände gefunden, um Schein-Konflikte entstehen zu lassen. Seinen Höhepunkt erreicht dieses Treiben gegen Ende des Films, wenn Edward Bella an einen „sicheren“ Ort bringt, an dem sie zu erfrieren droht und natürlich nur Jacobs Körperwärme sie retten kann, während Edward den beiden beim Kuscheln nur zusehen darf. Wow, Daumen hoch. Das reicht schon an die perversen Allmachtsphantasien eines leicht sadistisch veranlagten Vierzehnjährigen heran. Weiter will ich auf die dramaturgischen Schwächen des Skripts nicht eingehen – dafür ist mir meine Zeit zu schade – glaubt mir einfach, wenn ich euch versichere, dass Eclipse für angehende Autoren eine Fundgrube an Überlegungen ist, wie man ein Drehbuch nicht(!) schreiben sollte (unnütze Rückblenden, sinnlose Actionsequenzen, hoffnungslos verwurstete Handlungsstruktur und vor allem Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen…etc.).


Aber hey, immerhin hat man mit David Slade einem echten Experten in Sachen Vampiraction das Ruder übergeben – dann sollte die Inszenierung doch zumindest in dieser Hinsicht etwas taugen, oder? Von wegen. Die Effekte sind gegenüber dem zweiten Teil nur unwesentlich besser gelungen. Etwas Lächerlicheres als die computergenerierten Plüsch-Wau-Waus, die sich in der Twilight Saga Werwölfe nennen, wird man auf jeden Fall so schnell bei keinem größeren Hollywoodfilm mehr finden. Das gilt sowohl fürs Design als auch für die technische Ausführung – die Verwandlungen gehören zu den lieblosesten Transformationen, die ich jemals gesehen habe. Die Inszenierung der Actionsequenzen ist auch nicht wirklich überzeugend. Die Sequenzen wirken deplatziert und scheinen meist nur deshalb stattzufinden, weil man Angst hatte, dass die Zuschauer einschlafen könnten, wenn nicht wenigstens jede halbe Stunde jemand durch den Wald gehetzt wird. Tatsächlich scheint Slades Vorstellung von interessanter Action auf abgetrennte, herumfliegende Körperteile beschränkt zu sein (ohne einen einzigen Blutspritzer wohlgemerkt!). Sehr originell. Auch abseits von Action und Effekten ist Slades Arbeit im besten Fall durchschnittlich. Das zeigt sich vor allem in den Details. Das z.B. die ach so animalischen Werwölfe in ihrer menschlichen Form wie geleckt aussehen, hatte der zweite Teil ja schon in Stein gemeißelt. Dass diese Naturburschen, die nur mit Shorts bekleidet herumlaufen, Turnschuhe tragen, will aber einfach gar nicht ins Konzept passen. Was für ein animalischer Kerl…hat wohl Angst sich die Füße schmutzig zu machen. Das mag euch unwichtig, ja auf geradezu lächerliche Weise unbedeutend erscheinen, aber macht euch bewusst, dass das ein klares Anzeichen dafür ist, dass sich die Verantwortlichen nie wirklich mit der Figur eines indianischen Werwolfs auseinandergesetzt haben. Die Inszenierung wurde stattdessen nach Schema F herunter gedudelt. Fertig. Lieblos nenne ich das. Der Film ist es gar nicht wert, dass ich mich noch länger mit ihm auseinandersetze…

Fazit:
Eclipse ist belanglose Dutzendware, die eigentlich direkt auf den DVD Markt geschmissen gehört. Eines steht fest: meine masochistische Ader ist definitiv nicht stark genug ausgeprägt, dass ich mir auch noch den vierten Teil ansehen werde.


4/10

//Nachtrag
Ich habe die ersten beiden Teile übrigens zusammen mit meiner Frau angesehen und sie war wesentlich härter in ihrem Urteil als ich (die Bücher kennt sie ebenfalls nicht).

Ferner liefen 1

Da ich heute gesundheitlich angeschlagen bin (Symptome deuten laut Google Recherche auf Herzinfarkt…lol), dachte ich mir, ich nutze die Zeit, um mehrere Filme, die ich in den letzten Wochen gesehen habe, die aber eine längere Kritik nicht wert wären, kurz abzuhandeln.

Underworld III

Werwolf Romeo trifft auf Vampir Julia in mittelalterlicher Underworld. Eine nennenswerte Story gibt es nicht, die Hauptdarstellerin spielt unterirdisch – vermutlich um dem Filmtitel ihre Referenz zu erweisen – und spätestens ab der zweiten Hälfte des Films sollte man das fehlen jeglicher Logik einfach akzeptieren. Trotzdem fand ich den Film überraschend unterhaltsam. Vielleicht liegt es daran, dass ich nach dem desaströsen zweiten Teil meine Erwartungshaltung ganz nach unten geschraubt hatte, aber im Prinzip liefert der Film das was er liefern soll: schnörkellose Fantasy Action mit einem guten Schuss Atmosphäre. Fantasy ist halt einfach kein Genre, das einen Citizen Kane nach dem anderen liefert (das war „Der Herr der Ringe“ übrigens auch nicht).


6/10

Slumdog Millionär

Okay, ihr werdet euch jetzt fragen, weshalb ich ausgerechnet diesem Film keine längere Kritik gönne. Nun, ich denke in den letzten Wochen wurde so viel über Danny Boyles Oscarabräumer geschrieben – positiv wie negativ – das es mittlerweile einfach uninteressant wäre, mehr als einen kurzen Abriss der eigenen Meinung zu liefern. Machen wir es kurz und schmerzlos: der Film ist gut. Es handelt sich um klassisches Hollywoodkino vom feinsten (lustige Sache, wenn man bedenkt, dass es eigentlich sich um einen Independentfilm handelt). Es kommt also eigentlich ganz darauf an, ob man Hollywoodkino mag. Fragt euch also selber: will ich einen Film sehen, der mir das Gefühl gibt, dass jeder seinen Weg gehen kann, egal, wie steinig er sein mag(Boyle hat die Geschichte im Nachhinein als eine Art Rocky Story bezeichnet)? Will ich einen Film sehen, der mir das Gefühl gibt, dass die Liebe am Ende siegt? Falls ihr diese Fragen mit ja beantwortet, dann ist Slumdog Millionär euer Film des Jahres.


8/10

Punisher Warzone

Frank Castle ist angepisst, weil böse Buben seiner Familie schlimme Dinge angetan haben. Es werden Menschen sterben – sehr viele Menschen. Das quasi Sequel zum äußerst lahmen Punisher von 2004 versucht alles besser als der Vorgänger zu machen und macht stattdessen alles schlechter. Diesmal spielt Ray Stevenson den Punisher, d.h. eigentlich scheint er Steven Segal zu spielen, der versucht den Punisher zu spielen – zumindest lässt Stevensons ausgefeilte Mimik diesen Schluss zu. Der Grad der Gewaltverherrlichung ist dabei nicht mehr zu steigern. Da schmeißt der Punisher schon mal einen Wehrlosen von einem Hochhaus, um ihn auf einem Zaunpfahl aufzuspießen und springt dann hinterher(!) um ihn auch noch das Genick zu brechen. Sehr schön ist auch die Bestrafung eines fetten, glatzköpfigen Rockers, der einfach nur auf dem Boden eines Fahrstuhls sitzt – vermutlich hatte er den Kopfschuss wegen seines Übergewichts verdient. Ich glaube es erübrigt sich, darauf hinzuweisen, dass das Skript, die Inszenierung usw, allesamt nicht gerade berauschend sind.


3/10

The International

Clive Owen packt die böseste Bank der Welt an ihren Eiern. Die Story hat zugegebenermaßen einen naiven Touch, aber das gleicht der Film relativ gut aus. Die Darsteller machen ordentliche Arbeit (bei Owen reicht allein die Leinwandpräsenz), Regisseur Tykwer hat den Film einwandfrei in Szene gesetzt und das Ergebnis unterhält. Was will man mehr. Wer mal wieder einen halbwegs guten Thriller sehen will, bitteschön. Naja, andererseits fehlt dem Film dann doch der letzte Biss und das Thema hätte sicherlich auch wesentlich mehr hergegeben, als der Film daraus gemacht hat.


7/10

Genug…sollte das mein letzter Eintrag in diesem Blog sein, war es wohl doch ein Herzinfarkt. ;)

RSS-Feed abonnieren
Feed über Email

Email-Adresse eingeben:

Delivered by FeedBurner

Werbung
Kategorien
Freunde
Filmblogs
Andere Blogs
Inaktive Blogs?